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Warten auf den Harvester

Sturmtief Friederike hat im Raum Thiendorf Bäume en gros umgelegt – nun müssen die Privatwaldbesitzer retten, was zu retten ist.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Manfred Müller

Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Thiendorf. Sebastian Tanner hat das Datum der letzten drei Stürme sofort parat. Am 22. Juni vorigen Jahres fegte ein Gewitter über seinen Heimatort Thiendorf hinweg, und die Windböen waren so stark, dass sie in den Wäldern ringsum eine Schneise der Verwüstung hinterließen. Am 29. Oktober folgte Herwart und stürzte mit Orkanstärke die Bäume um, die dem Gewittersturm gerade noch widerstanden hatten. Am 18. Januar dann schließlich Friederike, die an vielen Stellen einen regelrechten Kahlschlag hinterließ. „Wahrscheinlich hat jeder Sturm die Wurzeln ein bisschen mehr gelockert und geschädigt“, glaubt Tanner, „so dass der Wind dann im Januar leichtes Spiel hatte.“ Außerdem sei jedes Tief aus einer anderen Richtung gekommen – aus dem Norden, Südwesten und Nordwesten – so dass die Windlast von mehreren Seiten auf den Wald prallte und die Bäume entsprechend schädigte. Der berüchtigte Kyrill im Jahr 2007, sagt Sebastian Tanner, habe bei ihm jedenfalls nicht annähernd so viele Verwüstungen angerichtet.

Der junge Landwirt, der 2011 den Agrarbetrieb seines Vaters übernommen hat, bewirtschaftet im Raum Thiendorf/Stölpchen/Lötzschen etwa 300 Hektar Nutzfläche und 14 Hektar Wald. „Bei mindestens zehn davon muss der Harvester durch“, erklärt er. Und weil Holzerntemaschine Platz braucht, müssten wohl auch etliche gesunde Bäume weichen. Mehr als ein Drittel des Tannerschen Waldbestandes dürften bei der Beseitigung der Sturmschäden wohl draufgehen.

„Als ich mir die Sache zum ersten Mal angeschaut habe, war ich über das Ausmaß ganz schön erschrocken“, sagt der 28-Jährige. Mittlerweile sehe er die Sache aber schon etwas gelassener. Vor allem deshalb, weil Friederike in seinen Waldstücken vor allem „reife“ Kiefern umgeworfen hat. Die 60 bis 100 Jahre alten Bäume sind in der Holzindustrie gefragt – man kann die Stämme in den Sägewerken gut zu Brettern verarbeiten. Das heißt, der finanzielle Verlust wird sich für Tanner in Grenzen halten. Auch das kalte Wetter sei von Vorteil, dadurch behalte das Holz seine Qualität. Glücklicherweise hat der Sturm nur wenige Stämme durchgebrochen; die meisten Kiefern wurden entwurzelt. Und solange die Wurzeln noch dran seien, so Sebastian Tanner, halte sich das Holz ganz gut. Bis zum Frühsommer, so hofft der Thiendorfer, werden die Sturmschäden in seinen Waldflächen behoben sein.

Einen Fachbetrieb engagieren

Das funktioniert allerdings nur, wenn er eine Firma engagiert, die über einen Harvester und die entsprechenden Transportkapazitäten verfügt. Wollte der Landwirt die Sache allein durchziehen, hätte er wohl mehrere Monate zu tun, und das ist bei der nahenden Frühjahrsbestellung ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb hofft Sebastian Tanner, dass er im Frühjahr einen Forst- oder Holverarbeitungsbetrieb engagieren kann, der noch freie Kapazitäten hat. Das wird bei der Masse der Sturmschäden in der Region sicher nicht leicht.

Auch für die Bäume und Äste, die sich nicht fürs Sägewerk eignet, hat Sebastian Tanner bereits Verwendung gefunden. Der Thiendorfer baut zurzeit an einem Eigenheim, und das soll mit einer Holzheizung ausgestattet werden. „Das macht zwar ein bisschen Arbeit“, sagt er, „aber so kann ich das Holz wenigstens sinnvoll verwerten.“ Alles in allem sind die Auswirkungen von Sturmtief Friederike für den jungen Landwirt noch einigermaßen erträglich. An die Wiederaufforstung der betroffenen Waldflächen mag er allerdings im Moment noch nicht denken. „Eine Neuanpflanzung kostet pro Hektar 7000 bis 8000 Euro“, sagt er. „Dafür reicht der Ertrag aus dem Holzverkauf nicht aus.“ Wer Fördermittel haben wolle, müsse einen bestimmten Anteil an Laubbäumen pflanzen – die aber seien in der Holzindustrie kaum gefragt. Tanner setzt deshalb auf Naturverjüngung und will nur punktuell nachpflanzen. „Aber damit“, sagt der Thiendorfer, „kann dann erst die nächste Generation etwas anfangen.“