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Warten auf den Rettungsdienst

© Claudia Hübschmann

Aus Personalmangel bleiben Rettungs- und Krankentransportwagen im Landkreis Meißen immer öfter über Stunden stehen.

Von Dominique Bielmeier

Meißen. Können die Menschen im Landkreis Meißen bei einem Unfall oder in einer anderen Notlage noch guten Gewissens darauf vertrauen, dass Hilfe zu ihnen unterwegs ist? Laut Informationen der Sächsischen Zeitung bleiben in letzter Zeit vermehrt Rettungs- und Krankentransportwagen der Rettungsdienst Meißen gGmbH, einer DRK-Tochter, stehen. Grund ist offenbar Personalmangel aufgrund von Kündigungen und Arbeitsausfällen bei den Rettungssanitätern. Das betreffe unter anderem die Wachen in Meißen, Nossen, Großenhain, Radebeul, Moritzburg und Coswig. „Der Landkreis weiß davon und nimmt das billigend in Kauf“, so Insider.

Laut Kreissprecherin Kerstin Thöns sei der Rettungsdienst aber weiterhin gewährleistet, „da gibt es keine Lücken oder Gefahren“. Da die angespannte Personalsituation dem Amt bekannt sei, habe es in den vergangenen Tagen bereits ein Gespräch zwischen dem DRK-Landesverband und dem Leiter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen im Kreis Frank Oßwald gegeben. Am Montag sollen die Gespräche fortgesetzt werden. Laut Landratsamt sei außerdem nur der Krankentransport betroffen.

Gleiche Situation schon 2014

Nach SZ-Informationen sind in der vergangenen Woche jedoch auch Rettungs- und Notarztwagen in Meißen und Nossen über mehrere Stunden stehengeblieben, weil das Personal fehlte, um die Schicht abzulösen. Das Problem bei den Krankentransporten gebe es bereits seit mehreren Wochen. In der Leitstelle sollen sich Beschwerdeanrufe dazu häufen, in Radebeul und Meißen Krankentransportwagen regelmäßig ausfallen.

Ein Anruf in der Rettungswache in Meißen bringt jedoch keine Erhellung. Alle Chefs, die etwas zur Situation sagen könnten, sind gerade „im Meeting“. In der Landesgeschäftsstelle des DRK ist man überrascht über die SZ-Anfrage. Sprecher Kai Kranich erklärt, er müsse sich erst über die Situation informieren, bittet um mehrere Tage Geduld. Zur Personalsituation erklärt er nur, das DRK suche zurzeit allgemein nach Mitarbeitern.

Die Rettungsdienst Meißen gemeinnützige GmbH ist eine Tochter des Deutschen Roten Kreuzes und seit 2014 für die Notfallrettung und für Krankentransporte im Kreis zuständig. Bis Anfang 2014 hatte sich das DRK mit den Johannitern und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) den Rettungsdienst geteilt. Durch neue Ausschreibungsrichtlinien mussten sich die Hilfsorganisationen danach für den Rettungsdienst bewerben.

Das Deutsche Rote Kreuz hatte damals alle Ausschreibungen durch niedrig angesetzte Preise gewonnen. Die anderen Organisationen hatten betont, der Rettungsdienst sei mit solch geringen Kosten in der geforderten Qualität nicht leistbar und legten vor der Vergabekammer Einspruch ein. Beim Nachprüfungsverfahren konnten keine Verstöße festgestellt werden.

Schon einmal schien sich der Vorwurf gegen das DRK jedoch zu bestätigen. Im Oktober 2014 konnte an einem Wochenende der Rettungsdienst nicht mehr gewährleistet werden. Grund war auch damals Personalmangel. Demnach war das DRK Meißen von Freitag bis Sonntag in den Nachtstunden nicht in der Lage, im Raum Radebeul das geforderte Notarzteinsatzfahrzeug bereitzustellen.

„Thema soll totgeschwiegen werden“

Damals leitete das Landratsamt sogar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen das DRK ein. Zu dessen Ausgang kann Kreissprecherin Kerstin Thöns nach eigener Aussage heute jedoch nichts sagen.

„Die Bevölkerung weiß von all dem nichts, weil das Thema totgeschwiegen werden soll“, sagen Kritiker. „Obwohl es ein riesiges Problem ist.“