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Warten auf die Gelbe Tonne

Frühestens ab 2021 kommt der Sammelbehälter für Verpackungsmüll – aus Kostengründen.

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© Frank Baldauf

Von Annett Heyse

Warum die meisten Mieter, Grundstückseigentümer und Hausmeisterdienste in der Region die Gelbe Tonne herbeiwünschen, war Anfang der Woche wieder in Pirna-Copitz recht anschaulich zu beobachten. Wegen des Feiertags hatte sich die Abholung des Verpackungsmülls verschoben, der Wind trieb gut gefüllte Gelbe Säcke vor sich her – oder deren Inhalt, wenn die Tüte schon gerissen war. Leere Joghurtbecher, Konservendosen und Tetrapacks verteilten sich über Fußwege.

Neu ist das Problem nicht. Der Gelbe Sack ist seit Jahren ein Reizthema. Mal wird das dünne Material der Sammeltüten bemängelt, mal geht es um die Lagerungsmöglichkeiten in Mietshäusern. Heiß diskutiert wird auch der Aspekt, dass unter freiem Himmel gelagerte Säcke ein ideales Ziel von Ratten, Waschbären und Mardern sind. „Und wir bekommen es ab“, sagt Ilka Knigge, Sprecherin des Abfallzweckverbandes Oberes Elbtal (ZAOE). Dort treffen immer wieder Anrufe und Beschwerden von Bürgern, Lokalpolitikern sowie Großvermietern ein.

Denn bis auf die Mieter in großen Wohnanlagen in Pirna, Heidenau und der Pirnaer Innenstadt müssen alle Bewohner des Landkreises ihre Leichtverpackungen in den Gelben Sack stecken. Diese Regelung gilt seit Anfang der 90er-Jahre. Damals fragte das Duale System ab, ob lieber Gelbe Säcke oder Tonnen eingeführt werden sollen. Die damaligen Landkreise Freital, Dippoldiswalde, Pirna und Sebnitz entschieden sich für den Sack – was man heute vielerorts bereut.

Die Nachteile sind für den Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) offensichtlich. Gerade bei stürmischem Wetter fliegen die rausgestellten Säcke durch die Gegend, das Material ist nicht reißfest genug. Und: Die gesamte Verteilung ist mangelhaft organisiert. Die Einwohner müssen die Säcke in den Bürgerbüros abholen, dort mangelt es aber oft an Nachschub, was bei Bürgern wie Mitarbeitern gleichermaßen für Frust sorgt.

Der Zweckverband, eigentlich gar nicht für das Einsammeln der Umverpackungen zuständig, drängt deshalb seit Jahren darauf, dass der Gelbe Sack aus dem Straßenbild verschwindet und stattdessen die Gelbe Tonne eingeführt wird. Anfang des Jahres sah es noch recht gut aus. Da hatte die Organisation Duales System Deutschland (DSD), in der Region für das Einsammeln des Verpackungsmülls zuständig, eine neue Ausschreibung vorbereitet, gültig ab 2018. Dann sollten die Tonnen aufgestellt werden. Dazu habe es ein Gespräch zwischen dem Abfallverband und dem DSD gegeben, bestätigt Ilka Knigge.

Allerdings gibt es für die Rücknahme und die Verwertung des Verpackungsmülls in der gesamten Bundesrepublik insgesamt zehn Unternehmen. Und die neun Konkurrenten haben ihr Veto eingelegt. „Leider haben die Systembetreiber auch für den Vertragszeitraum ab 2018 eine flächendeckende Einführung der Gelben Tonnen aus Kostengründen abgelehnt“, teilt Ilka Knigge mit. Frühestens für 2021 könne nun ein neuer Versuch gestartet werden.

Aus Kostengründen – aber wie hoch wären die Kosten eigentlich? Das Duale System möchte dazu keine näheren Angaben machen: „Zu Umstellungskosten können wir uns im Hinblick auf unsere Wettbewerber nicht öffentlich äußern“, teilt Pressesprecher Norbert Völl mit. Was dagegen bekannt ist, sind die Mengen, die in den Gelben Sack wandern. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurden im vergangenen Jahr 18 420 Tonnen Verpackungsmüll eingesammelt. Pro Haushalt sind das 37,4 Kilogramm oder drei Säcke pro Entleerungstermin bei einem Drei-Personen-Haushalt. Da kommt etwas zusammen, und dafür wird bei Einführung der Tonne sogar mehr Platz gebraucht. Liegt ihr Vorteil eindeutig darin, dass der Müll besser verstaut ist, hat sie auch einen gewaltigen Nachteil: Die Müllsammelplätze müssen vergrößert werden.

Das hat die Wohnungsgenossenschaft Elbtal (WGE) in Heidenau schon gemacht. Vor zwei Jahren, als nämlich die bis dahin größeren gegen kleinere Behälter ausgetauscht worden. Warum verstand keiner. Die Folge jedoch waren vermüllte Containerstandplätze. Kleinere Behälter bedeutete mehr gelbe Säcke daneben. Die WGE wurde kritisiert und baute größere Behausungen. Inzwischen herrscht Ordnung, sagt Vorstand Frank Oelke.

Eine Entscheidung zur gelben Tonne dürfte nun für 2021 fallen. Bis dahin gelten auf drei Jahre abgeschlossene Entsorgungsverträge. Danach greift ein neues Gesetz. Das gesteht den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern, also auch dem hiesigen Abfallzweckverband, mehr Mitbestimmung zu. Völl: „Eine Einführung von Gelben Tonnen könnten die dualen Systeme dann nicht mehr ablehnen.“ (mit SZ/sab/ mö/dis)