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Warten auf Zeugin Nummer 24

Ein Freitaler soll bei einer Demo einen Hitlergruß gezeigt haben. Nach vier Verhandlungstagen ist ein Urteil in Sicht.

© Symbolbild/dpa

Von Andrea Schawe

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Dippoldiswalde. Diese Scheiße langweile ihn, sagt der Angeklagte Silvio T. vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde. Es ist der fünfte Verhandlungstag gegen ihn wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Wieder mal ist der Prozess unterbrochen – eine geladene Zeugin erschien nicht vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Freitaler Silvio T. vor, am 26. Juni auf einer Demonstration vor der Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Leonardo-Hotel in Freital einen Hitlergruß gezeigt zu haben. Am 26. Juni demonstrierten 600 Asylbefürworter vor der Flüchtlingsunterkunft am Langen Rain, 150 Asylgegner standen ihnen gegenüber. Es gibt Fotos, die bei der Demo entstanden sind, die den Angeklagten mit ausgestrecktem rechten Arm hinter einem Banner mit der Aufschrift „Kein Ort zum Flüchten“ zeigen. Einen Tag später verbreitet sich ein Foto im Internet, die Bild-Zeitung druckt die Aufnahme. Ein Polizist, der bei Facebook recherchiert, und ein Bürger erstatten Anzeige.

Silvio T. widerspricht dem Strafbefehl, nach dem er 2000 Euro zahlen soll. Der 47-jährige Freitaler gibt am ersten Verhandlungstag zwar zu, der Mann auf dem Foto zu sein. Allerdings zeige er keinen Hitlergruß, das Bild sei eine Momentaufnahme einer Winkbewegung. „Lächerlich ist das hier“, ist die einhellige Meinung im Publikum. Dort sitzen T.s Familie, Freunde und Bekannte – fast alle haben schon vor Gericht ausgesagt, weil sie ebenfalls an der Anti-Asyl-Demonstration teilgenommen haben oder als Ordner eingeteilt waren. T.s Verteidiger, der Dresdner Rechtsanwalt Jens Lorek, der bei den Demonstrationen in Freital auch als Versammlungsleiter auftrat, versucht seinen Mandanten zu entlasten, indem er seit Prozessbeginn im November unzählige Leute als Zeugen aussagen lässt, die bei der Demo im Juni als Teilnehmer oder Ordner dabei waren – mittlerweile insgesamt 23 Leute aus Freital und Umgebung.

Alle haben sich entweder nicht in der Nähe des Angeklagten aufgehalten, nichts gesehen oder bestreiten auf jeden Fall, dass Silvio T. je einen Hitlergruß machen würde. Mal wollte er, dass die Kamera eines Fernsehteams ausgemacht wird, mal sagten andere Zeugen von der Demo aus, er wollte die Leute mit der Geste beruhigen. Auch am fünften Verhandlungstag sagen zwei Demoteilnehmer aus. Beide seien im Juni vor dem Leonardo dabei gewesen, beide hätten jedoch den Angeklagten nicht gesehen. „Dann war’s das schon“, sagt Richter Christian Mansch. „Ich habe keine weiteren Fragen.“

„Ich werde keine Zeugen mehr suchen“, kündigt Lorek an. „Es reicht mir jetzt.“ Die junge Frau, die zum zweiten Mal nicht als Zeugin vor Gericht erscheint, soll nach dem Willen des Rechtsanwaltes aber unbedingt aussagen. Auf den Fotos sei zu sehen, dass sie sich direkt in der Nähe des Angeklagten befand, als der den Hitlergruß gezeigt haben soll. Mehrere Zeugen hatten sie erkannt. „Das interessiert mich schon, ob sie etwas gesehen hat“, sagt Lorek. Der Richter ordnete an, die Zeugin vorführen zu lassen – allerdings trafen die Polizeibeamten sie am Nachmittag nicht zu Hause an. Sie soll nun bis zum nächsten Verhandlungstag Ende Februar festgenommen werden. Dann könnte auch ein Urteil fallen.