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Warten, warten, warten

Berlin spielt absurdes Theater und keiner will mittun. Das fing schon an mit Gerhard Schröders absurdem Misstrauensvotum. Man wusste nicht, will der mit einem Überraschungssieg weiter Kanzler bleiben über 2006 hinaus oder hatte der die Faxen dick und wollte den Bettel hinhauen.

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Von ErichBöhme

Berlin spielt absurdes Theater und keiner will mittun. Das fing schon an mit Gerhard Schröders absurdem Misstrauensvotum. Man wusste nicht, will der mit einem Überraschungssieg weiter Kanzler bleiben über 2006 hinaus oder hatte der die Faxen dick und wollte den Bettel hinhauen. Ich bin mir ziemlich sicher, er wusste das selber nicht so genau. Nachdem der Vorhang im Bundestag gefallen war, stand fest, das Stück war falsch gelaufen, die Merkel-Truppe musste auf Sieg spielen.

Doch fürs Publikum hieß es: warten, warten, warten. Im voreiligen Siegestaumel hatten CDU und CSU so viele Böcke geschossen, dass der Sieg nun wieder in den Wolken steht. Besonders als auf der linken Hinterbühne unversehens eine neue Spielschar auftauchte, die zwar vornehmlich den Sozis und ihren grünen Mitspielern schadet, dank der Parlamentsarithmetik aber den Schwarz-Gelben die absolute Mehrheit zu stehlen droht.

Nun schaltete die Union um auf ein neues Programm: Warten auf Godot. Angela Merkel ließ sich fahrlässig viel Zeit, ihr „Kompetenzteam“ vorzustellen, mit dem sie das versprochene Wirtschaftswunder vollbringen will. Endlich, am Mittwoch war es soweit, doch der große Zampano Edmund Stoiber gehört der bescheidenen Riege nicht an. Der will weiter Sprüche in der Provinz klopfen, sein Erscheinen in Berlin aber vom Wahlergebnis abhängig machen. Sein Ost-Schmäh indessen entsetzt Feind und Freund und rückt ein für die Union positives Wahlergebnis in noch weitere Ferne.

Alle fragen: Was will der Bayer eigentlich? Will er den Ossis zeigen, was eine West-Harke ist? Will er, der doch den letzten Wahlkampf als Kanzlerkandidat vergeigt hatte, der Schwesterpartei zeigen, wie man Wahlkampf führt? Oder will der Frustrierte beweisen, dass er doch der bessere Kandidat gewesen wäre – also die wahre Kandidatin vorführen und ihr letztlich schaden? Im Furor des ungerecht Zurückgesetzten forderte er gar den von ihm als Volksverführer ausgemachten Oskar Lafontaine zum öffentlichen Duell, musste dann aber auf Druck der eigenen Leute zurückrobben, ein Fernsehduell komme nicht in Frage, ein „Print-Duell“ tue es auch. Peinlich.

Aber Angela Merkel muss sich weiter gedulden, was ihr aus Bayern noch alles geboten wird. Dürftig die Riege, mit der sie als „Kompetenzteam“ aufwartete, nachdem Ex-Siemens-Chef von Pierer abgewinkt hatte. Außer dem Verfassungsrichter a. D. Paul Kirchhof, der als parteiloser radikal-konservativer Steuerreformer selbst die eigene Truppe in Zweifel gestürzt hat, im Westen nichts Neues. Der Passepartout-Godot Edmund lässt weiter auf sich warten, ob er denn vielleicht doch noch in Berlin auftreten oder lieber im vertrauten München bleiben will. Am liebsten möchte er beides. Oder beides auch nicht.

Was aber, wenn die Karlsruher Richter das Misstrauensvotum kurzerhand als nicht verfassungskonform kassieren? Täten sie das, dann müsste Schröder gegen seinen erklärten Willen mit der jetzigen Rot-Grün-Mannschaft weiterregieren. Oder er könnte zurücktreten, was der Angela Merkel aber auch nichts einbrächte, denn noch immer verfügten dann Rote und Grüne über eine – wenn auch knappe – Mehrheit im Parlament. Die könnte dann bis zum Herbst 2006 weiterregieren und auf bessere Zeiten hoffen. Nicht einmal die Große Koalition stände der Union als Trostpreis zur Verfügung.

Die Dummen sitzen auf jeden Fall im Parkett des Grand-Guignol-Theaters zu Berlin. Sie sollen wählen, wissen aber nicht, ob Schröder will oder nicht, ob Stoiber will oder nicht, ob Merkel kann oder nicht, selbst wenn sie will.