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Arbeit und Bildung

Warum Bestatter ein Traumjob ist

In Radeberg bildet ein Vater seinen Sohn aus. Und sorgt so langfristig auch für die Unternehmensnachfolge.

Tritt Adrian Tschörtner (r.) später mal die Nachfolge seines Vaters als Geschäftsführer des Bestattungshauses an? Vater Jan Tschörtner (l.) würde sich freuen, „aber zunächst muss er erstmal die Ausbildung bei uns absolvieren“.
Tritt Adrian Tschörtner (r.) später mal die Nachfolge seines Vaters als Geschäftsführer des Bestattungshauses an? Vater Jan Tschörtner (l.) würde sich freuen, „aber zunächst muss er erstmal die Ausbildung bei uns absolvieren“. © Thorsten Eckert

Radeberg. Dass Unternehmer Nachfolger in der eigenen Familie finden, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Schon gar nicht in der Branche, in der Jan Tschörtner unterwegs ist. Der Radeberger ist Bestatter und leitet das einst von seinem Großvater gegründete Bestattungshaus Winkler. Und er hat als Geschäftsführer jetzt den ersten Ausbildungsvertrag unterschrieben: den für seinen 17-jährigen Sohn Adrian.

Bestattungsfachkraft, ein Berufswunsch mit dem Adrian Tschörtner seine Mitschüler letztlich wenig überrascht haben dürfte: Ein Beruf zwar, der für die meisten Jugendlichen eher nicht ganz oben steht, aber bei Adrian Tschörtner wie erwähnt in der Familie liegt. „Und ein Beruf, der mich schon als Kind begeistert hat, ein wirklich schöner Beruf“, sagt er mit einer Überzeugung, die erst gar keine Zweifel aufkommen lässt. „Ich habe ihn wirklich nicht überreden müssen“, bekräftigt sein Vater.

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Der Umgang mit dem für viele seiner Altersgenossen eher fernen Thema Tod war dabei für Adrian von Kindheit an Alltag. „Es waren ja immer trauernde Menschen bei uns.“ Normalität. Irgendwann durfte er Trauerfeiern begleiten, Dekorationen aufbauen, „aber natürlich hat er als kleines Kind noch keine Toten gesehen“, stellt sein Vater klar. Das erste Mal war mit 14, erinnert sich Adrian Tschörtner. „Angst hatte ich nicht, es war eher interessant.“

Wie er den Beruf überhaupt sehr interessant findet. Und dafür auch einen erheblichen Aufwand in Kauf nimmt. Denn seit Sommer pendelt er nun regelmäßig für die Theorieausbildung von Radeberg nach Bad Kissingen, wo eine von nur drei Berufsschulen deutschlandweit zu finden ist, die den Beruf des Bestattungsfachmanns ausbildet. „Ein normaler Bürojob wäre jedenfalls nicht mein Ding“, sagt der 17-Jährige schmunzelnd. Wobei das nicht alle seine Geschwister so sehen. Seine jüngere Schwester beispielsweise hat sich für einen anderen Beruf entschieden, auch, wenn sie erst zehn ist und sich da sicher noch einiges ändern kann.

Fachkräftemangel bleibt Problem

„Es ist vollkommen in Ordnung, dass meine Kinder ihre eigenen beruflichen Entscheidungen treffen“, macht Jan Tschörtner deutlich. Er wird seinen Sohn deshalb auch nicht zwingen, später das Geschäft zu übernehmen. „Ich habe nur klargestellt, dass er die Lehre zu Ende machen muss – im Anschluss kann er sich entscheiden.“ Doch im Moment sieht alles danach aus, dass mit Adrian Tschörtner auch die vierte Generation die Familientradition fortführen wird.

Dass dies ein echter Glücksfall wäre, auch das weiß Jan Tschörtner ganz genau. Der Bestatter ist seit Jahren im Vorstand des Radeberger Gewerbevereins aktiv und kennt natürlich die Probleme, die Unternehmer – nicht zuletzt die mit eher kleinen Betrieben – bei der Suche nach Nachfolgern für die Geschäftsführung haben. „Der Fachkräftemangel ist ja ohnehin groß, da macht auch das Thema Führungskräfte keine Ausnahme“, kennt er genügend Beispiele.

Zudem hat der Radeberger beobachtet, dass die junge Generation nicht mehr unbedingt danach strebt, Verantwortung zu übernehmen. „Die Themen Freiheit und Lebensfreude stehen aktuell bei jungen Leuten oft über dem Thema Verdienst“, sagt er. Ist aber überzeugt, dass die moderne Arbeitswelt längst auf diese Bedürfnisse eingeht. „Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten sind ja keine Seltenheit mehr – allerdings in meinem Beruf ist das nur schwer möglich“, räumt er ein. Sein Sohn Adrian weiß aber , worauf er sich da einlässt …