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Warum Biber die besseren Meteorologen sind

Die Elbebiber haben in diesem Jahr großen Hunger. Das ruft den Schwimmgreifer auf den Plan. Und verrät viel über das Wetter.

© Mike Jäger

Von Ines Mallek-Klein

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Gerade noch hat die Motorsäge gekreischt. Minuten später hievt der Schwimmbagger den großen Baumstamm auf den Lastkahn. Das jüngste Hochwasser war der Todesstoß für die alte Weide. Die Elbfluten haben die Wurzeln freigespült und den Baum zu Fall gebracht. Wo genau das passiert ist, lässt sich nicht mehr ermitteln. Fest steht aber jetzt, der Baum muss weg, bevor ein neuerlicher Wasseranstieg ihn in die Fahrrinne der Schiffe spült. Dort könnte er zu einem ernsten Problem werden. Antriebspropeller und Ruder sind in Gefahr, wenn sich das Holz in ihnen verfängt.

Um das zu verhindern, rückte am Dienstag der Schwimmgreifer Meissen mit einem Bergungsteam aus. Der gehört dem Wasser- und Schifffahrtsamt und ist im Hafen von Dresden-Pieschen stationiert. Sein Einsatz ist nicht gerade billig. Wird er an Dritte verliehen, stellt das Amt 3 040 Euro pro Tag in Rechnung. Hinzu kommen rund 800 Euro Personalkosten und Ausgaben für den Kraftstoff. Die meiste Zeit des Jahres ist der Schwimmgreifer aber im Auftrag seines Eigentümers unterwegs.

Die Bergung von Treibgut konnte bereits Anfang der Woche abgeschlossen werden. Auf dem Lastkahn landeten dabei auch einige Bäume, die Biber als Wintervorrat gefällt hatten. Sie ernähren sich von den jungen, weichen und vor allem nährstoffreichen Trieben. Damit die Tiere da herankommen, fällen sie den gesamten Baum. Ob die Biber in diesem Jahr besonders hungrig sind oder es einfach mehr von den Pelztierchen gibt, wagt Ralf Korte nicht zu sagen. Der Mann, der beim Wasser- und Schifffahrtsamt für den Außenbezirk Dresden zuständig ist, bestätigt aber, dass es in diesen Wochen besonders viele Nageschäden im Uferbereich gibt. Biberexperten haben dafür eine Erklärung. Schuld an den Aktivitäten der Nager ist der zu milde Winter. Im Normalfall fällen die Biber die Bäume im Herbst und legen sich unter Wasser Futtervorräte an, die sie auch dann noch erreichen können, wenn sich eine Eisschicht gebildet hat. Parallel dazu decken sie ihren Biberbau mit Schlamm als natürlichen Kälteschutz ab. Beides ist in diesem Jahr noch nicht geschehen und verrät den Experten, dass es auch in den nächsten vier Wochen keinen strengen Wintereinbruch geben wird. Stattdessen gehen die Biber regelmäßig auf die Suche nach frischer Nahrung. Wer Glück hat, kann sie dabei in der Dämmerung sogar beobachten.

Die Spuren der tierischen Nahrungssuche sind auf dem Elbabschnitt zwischen Schöna und Königstein erst einmal beseitigt. Der Schwimmgreifer ist trotzdem noch im Einsatz. Wir baggern in den nächsten Tagen Kies aus der Fahrrinne, sagt Ralf Korte. Die Besatzung der Meissen ist ständig auf dem Elbabschnitt unterwegs. Gab es längere Zeit Niedrigwasser und der Elbepegel steigt dann plötzlich an, gehört die Suche und Bergung von Treibgut zu ihren Standardaufgaben. Unabhängig davon werden die Bäume in stark frequentierten Bereichen jedes Jahr mindestens einmal auf ihre Standsicherheit kontrolliert.

Die Besatzung muss auch dafür sorgen, dass die Sichtachsen zu den Schifffahrtszeichen freigehalten werden, Vermessungspunkte und schwimmende Schifffahrtszeichen gepflegt sind und unerwünschte pflanzliche Einwanderer, sogenannte Neophyten, am Ufer bekämpft werden.

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