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Arbeit und Bildung

Wenn der Dachdecker mit dem Fallschirm kommt

Wer jungen Leuten eine Ausbildung im Handwerk schmackhaft machen will, muss zeitgemäß werben. Ein Beispiel aus Ostsachsen zeigt, wie das klappen kann.

Die Dachdecker brauchen Hilfe, der Kollege landet per Fallschirm. Mit Kinowerbespots wirbt die Kreishandwerkerschaft Bautzen um Lehrlinge.
Die Dachdecker brauchen Hilfe, der Kollege landet per Fallschirm. Mit Kinowerbespots wirbt die Kreishandwerkerschaft Bautzen um Lehrlinge. © Screenshot: RH Design

Bautzen/Dresden. Auch wenn der Werbespot vor dem Blockbuster im Hoyerswerdaer Kino kurz anderes vermuten lässt: Wer Dachdecker werden will, muss keine Fallschirmspringer-Lizenz haben. Mut zur Höhe wäre aber gut. Teamarbeit ist wichtig, Augenmaß und körperliche Fitness auch. Nur, wie bringt man all das auf den Punkt, möglichst ohne, dass die jugendliche Zielgruppe gähnend abwinkt? Ein Problem, das vor allem Handwerksbetriebe in Sachsen zunehmend beschäftigt. 

Viele würden gern ausbilden - allein, es fehlt an Bewerbern. Oder fehlt es eher an geeigneten Wegen, junge Männer und Frauen zu erreichen? Ein Thema, das Firmen und Fachverbände umtreibt. Sabine Gotscha-Schock, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft in Bautzen, weiß das. Und sie weiß inzwischen auch, wie man junge Leute dort erreicht, wo sie sind. Zum Beispiel eben im Kino. Für rund 110.000 Euro – gefördert vom Freistaat und ergänzt durch Eigenmittel - ließ die Kreishandwerkerschaft deshalb Werbespots erstellen, kleine Filme, die kurz und anschaulich erklären, was man so alles werden kann. 

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Gezeigt wurden die Streifen erstmals 2019 in regionalen Kinos, außerdem auf den Internetseiten der Kreishandwerkerschaft, der Innungen und vieler Handwerksbetriebe. Bei Vorbereitung haben die Bautzener unter anderem eng mit der Dresdner Handwerkskammer kooperiert. Dort sammelt man seit Jahren Erfahrung mit der Imagekampagne für Handwerksberufe. Und kann nun im Gegenzug von den Erfahrungen aus Ostsachsen profitieren. „Teilweise haben sich die Zugriffe auf die Seiten unserer Innungen durch die Werbespots verdoppelt“, sagt Sabine Gotscha-Schock.

Laien vor der Kamera

Auf Messen, in Schulen und nicht zuletzt bei der Landesarbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften Sachsen/Thüringen hat sie die Filmkampagne vorgestellt. Die Spots wecken Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt, weil vor der Kamera bis auf wenige Ausnahmen keine Profis standen. „Wir sind überall auf offene Ohren gestoßen. Nicht nur die Lehrlinge, auch die Ausbilder waren gern bereit, mitzumachen oder Freiräume für die beteiligten Kollegen zu schaffen“, so Sabine Gotscha-Schock. – Und auch Rico Hofmann, einer der Filmemacher, die die Spots gedreht haben, erinnert sich gern an die Dreharbeiten. Natürlich sei die Arbeit mit Laien etwas aufwendiger, dafür vermitteln die Darsteller Authentizität, sagt der Inhaber der RH-Designer GmbH Hoyerswerda.

Nur bei besagtem Fallschirmspringer, der den fehlenden Ziegel für die Dachdeckerkollegen aus der Luft anlieferte, musste ein Profi ran – denn Fallschirmspringen muss ein Dachdecker nun wirklich nicht können.