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Warum der Lomnitzer Fleischer den Wolf spürt

Tilo Böhme verarbeitet gern mal Schaf. Aber das gibt’s immer weniger.

© Bernd Goldammer

Von Bernd Goldammer

Görlitz – Immer eine Reise wert

Die Stadt Görlitz wird von vielen als „Perle an der Neiße“ oder „schönste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Warum? Das erfahren Sie hier.

Lomnitz. Dass der Wolf im Rödertal unterwegs ist, bekommt auch der Lomnitzer Fleischermeister Tilo Böhme zu spüren. Denn Tiertransporte über lange Strecken mag der Lomnitzer überhaupt nicht. „Fleisch sollte aus der Region kommen“, sagt er. Und verarbeitet in seiner gut gehenden Landfleischerei Rind- und Schweinefleisch; aber er schlachtet gelegentlich für seine Kundschaft auch mal Schaf. Und alles, was er verarbeitet, ist sozusagen in der Nähe aufgewachsen. „Schaffleisch bringt zum Beispiel leckeren Schinken“, weiß er. Früher wurden ihm wöchentlich Schafe gebracht. Aber in letzter Zeit hat das nachgelassen, sagt der Lomnitzer. Und hier kommt nun der Wolf ins Spiel. Denn die regelmäßigen Wolfsattacken haben die Hobby-Schafzüchter verunsichert. Einige haben den Tierbestand stark reduziert oder halten überhaupt keine Tiere mehr. „Im Rödertal werden Schafe ja kaum aus wirtschaftlichen Gründen gehalten“, macht Tilo Böhme deutlich. Das Fleisch essen die Tierhalter vorwiegend selbst. Wolle und Felle bringen oft nicht mal mehr die Fahrtkosten für den Transport zur Abgabestelle. „Aber mit Schafen werden hierzulande große Flächen beweidet, die sonst verwildern würden – es sei denn man pflegt sie kostenaufwendig“, beschreibt der Lomnitzer. Und bedauert diese Entwicklung sehr.

Denn seine Vorfahren waren Bauern. 1990 hat er den elterlichen Betrieb zur Fleischerei umgebaut. Da war Tilo Böhme gerade 25. Später hat er seinen Meisterbrief abgelegt. Heute läuft die Fleischerei bestens, freut er sich. Jeden Montagfrüh um vier holt er sich seinen Wochenbedarf an Schweinehälften in der Kühlhalle der Fleischergenossenschaft Dresden. Zuhause werden sie zerlegt und dann wird Wurst gekocht. Und bei diesem Thema kommt der Lomnitzer auf ein weiteres Problem zu sprechen: die Energiekosten. Schon beim Umbau hatte er das im Blick und machte aus dem Bauernhof eine Fleischerei mit eigener Stromerzeugung. „Ich habe in Solartechnik investiert, jetzt ist Energie für mich kein großer Kostenfaktor mehr“, klingt er zufrieden. Das Geld für diese Investition hat er übrigens durch Augenmaß zusammenbekommen, verrät er. „Damals wurden in Ostdeutschland viele Fleischereien für teures Geld modernisiert. Geräte, die zu DDR-Zeiten sehr gute Dienste leisteten, verloren plötzlich ihren Wert“, denkt der Fleischermeister an die Anfänge zurück. Und diese Geringschätzung solider DDR--Technik wurde für Tilo Böhme sozusagen zum Glücksfall. Denn seine erste Betriebsausstattung konnte er auf diese Weise günstig zusammenkaufen. Und das gesparte Geld investierte er dann in die erwähnte Solartechnik. „Das hat sich gerechnet“, freut er sich.

Mit Qualität überzeugen

Dennoch, leicht war es nicht. Aber schon nach drei Monaten war aus dem Kuhstall eine Fleischerei geworden. Und damit wurde ein Traum für ihn wahr. Fleischer war für Tilo Böhme schon immer der Traumberuf. In der Ottendorfer Fleischerei von Horst Höntzsch lernte er seinen Beruf, und bis 1990 hatte er sich schon zum Fachverkaufsstellenleiter in Langebrück hochgearbeitet. Aber eigentlich wollte er immer selbstständig arbeiten. Die Chance dafür kam dann mit der Wende 1990. „Nicht Masse, sondern Qualität, damit wollte ich meine Kunden überzeugen“, bringt er seine Prinzipien auf den Punkt. Inzwischen betreibt er auch eine Filiale in Radebeul, fünf Angestellte gehören mittlerweile zu seiner Firma. Sein absoluter Verkaufsschlager ist übrigens Bratwurst. Das Rezept ist streng geheim. Nur so viel, verrät er: Fertigmischungen gibt es in der Fleischerei Böhme nicht. Gelernt ist gelernt.