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Döbeln

Warum der Pieks so wichtig ist

Mit der kalten Jahreszeit beginnt auch die Grippeimpfsaison. Die Ärzte in der Region sind jedenfalls vorbereitet.

Die Grippeschutzimpfung wird ab sofort in allen Allgemeinarztpraxen verabreicht. Auch einige Fachärzte bieten den Pieks gegen die gefährlichen Grippeviren an.
Die Grippeschutzimpfung wird ab sofort in allen Allgemeinarztpraxen verabreicht. Auch einige Fachärzte bieten den Pieks gegen die gefährlichen Grippeviren an. © dpa

Region. Die Temperaturen rutschen unter die Nullmarke, dicke Schals wärmen frierende Hälse und der Papiertaschentuchverbrauch steigt an. Die Erkältungszeit hat begonnen. Damit sich die wesentlich gefährlichere Erkrankung – die Virusgrippe – nicht zu stark ausbreiten kann, werden seit dieser Woche in nahezu allen Arztpraxen der Region die für die Patienten kostenfreien Grippeschutzimpfungen verabreicht.

Den diesjährigen Vierfachimpfstoff haben die meisten Mediziner bereits erhalten. Auch die Apotheken, über die die Ärzte das Mittel bestellen müssen, liefern die Ampullen ab dieser Woche regelmäßig aus. „Wir haben bereits rund 800 Dosen geordert und an drei Arztpraxen weitergegeben“, berichtet Gerd Günther, Inhaber der Döbelner Apotheke an der Oberbrücke. „Wir sind gut vorbereitet, einen Engpass gibt es derzeit nicht“, so Günther. Vorbestellen mussten die Arztpraxen die Impfdosen allerdings bereits im Frühjahr.

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In den kommenden Monaten Oktober und November würden die meisten Impfungen verabreicht, sagt er. „Allerdings kann man sich auch noch bis in den Januar hinein impfen lassen“, ergänzt der Apotheker.

Im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Hartha hat die Grippeimpfsaison ebenfalls am Montag begonnen. „Die Nachfrage ist schon sehr groß, viele Patienten wollen sich die Schutzimpfung so zeitig wie möglich abholen“, bestätigt Schwester Viola Göhler. Besonders ältere Menschen sind gefährdet, an der Grippe schwer zu erkranken. Deshalb wird bei Bewohnern in den Seniorenheimen großer Wert auf den Impfschutz gelegt. 

„Dafür kommen die behandelnden Ärzte gleich zu uns ins Heim und impfen ihre Patienten durch, vorausgesetzt der Bewohner selbst oder die Angehörigen geben dazu ihr Einverständnis“, erläutert Carmen Gey, Pflegedienstleiterin im neuen Waldheimer Allo-Wohnheim „An der Schillerhöhe“. Ein Arzt hat sich für diese Woche bereits angemeldet, der andere wird nächste Woche erwartet. „Vor allem, wenn wie bei uns aktuell 60 ältere Menschen in einer Gemeinschaft zusammenleben, ist der Impfschutz ganz besonders wichtig“, macht die Pflegedienstleiterin deutlich.

In der Zeit von Dezember 2018 bis Ende April 2019 wurden im Landkreis Mittelsachsen insgesamt rund 1 800 Influenza-Erkrankungen gemeldet, darunter sieben Todesfälle. „Die Influenza ist eine ernst zu nehmende Erkrankung und eine Impfung ratsam“, erklärt die Abteilungsleiterin des Gesundheitsamtes und Amtsärztin Dr. Annelie Jordan, warum eine Schutzimpfung ratsam ist.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Sächsische Impfkommission (SIKO) empfiehlt die jährliche Grippeschutzimpfung für alle Altersgruppen ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat. „Besondere Dringlichkeit zur Impfung besteht bei medizinischem Personal, chronisch Kranken, Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Personen über dem 60. Lebensjahr, Schwangeren, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen, Berufsgruppen mit häufigem Kundenkontakt und Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln“, so Dr. Annelie Jordan. Nach dem kleinen Pieks dauert es etwa zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz aufgebaut ist.

Wer verabreicht die Impfung?

Grundsätzlich ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner für die Impfung. Aber auch Fachärzte, wie beispielsweise Pulmologen, bieten den Grippeschutz in der Regel an. Generell ist das Impfen nur einem Arzt gestattet. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten.

Macht die Grippeimpfung krank?

Eine Impfung ruft keine Grippe hervor. Allerdings können für ein bis zwei Tage grippeähnliche Symptome auftreten, wie beispielsweise Abgeschlagenheit oder leichte Temperaturerhöhung. „Dies ist eine bekannte Nebenwirkung, in der Regel harmlos und als Hinweis zu werten, dass sich der Körper mit dem injizierten Antigen auseinandersetzt“, erläutert Dr. Jordan. 

Akut fieberhafte Infekte mit Temperaturen über 38,5 Grad stellen eine Kontraindikation dar, das heißt, wer Fieber hat, sollte mit der Impfung warten. „Menschen, die bereits einen Atemwegsinfekt haben, sollten mit ihrem Hausarzt besprechen, ob es sinnvoll ist, trotz einer Erkältung zu impfen“, so die Amtsärztin. Das sei vom Einzelfall abhängig. Typische Grippesymptome sind ein relativ plötzlicher Beginn mit Fieber, Kopf-und Gliederschmerzen, Husten, aber weniger mit Schnupfen.

Wie kann ich mich vor Grippeviren noch schützen?

Das Gesundheitsamt empfiehlt in der Grippesaison: Händeschütteln vermeiden, häufiger die Hände waschen, niemanden anhusten oder anniesen, sich nicht anhusten oder anniesen lassen, Bewegung an frischer Luft, das Zimmer mehrmals täglich Stoßlüften, wettergerechte Kleidung tragen, ausreichend Obst und Gemüse essen. Die Verbreitung der Influenza verläuft in einem kurzen Zeitfenster, da die Viren zum Beispiel auf Oberflächen bis zu zwei Tagen überleben können.

Die Viren werden über Schmierinfektion, wie bei einem Händedruck, dem Berühren von mit Viren befallenen Oberflächen, Türklinken und Tischplatten sowie über Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) verbreitet. Kinder können das Virus auch noch mehr als sieben Tage nach der Ansteckung übertragen.