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Warum der VEB Kunstblume noch steht

Nur ein Teil der verschachtelt gebauten Blumenfabrik an der Sebnitzer Weberstraße soll fallen. Das macht den Abriss kompliziert.

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© Dirk Zschiedrich

Von Dirk Schulze

Sebnitz. Ein paar Mauern einreißen, das kann doch so schwer nicht sein, mag mancher denken. Ist es aber doch – besonders dann, wenn der Rest des Hauses stehenbleiben soll. Mit dieser Schwierigkeit haben gerade die Planer und Bauarbeiter zu kämpfen, die den früheren Hauptsitz des VEB Kunstblume in Sebnitz abreißen wollen. Laut ursprünglichem Zeitplan sollten die nicht mehr benötigten Gebäudeteile schon vor Weihnachten komplett verschwunden sein. Doch bisher wurde nur entkernt.

Die Schwierigkeit liegt in der Statik. Was äußerlich als ein großer Komplex daherkommt, sind mindestens zwei Häuser, die nacheinander errichtet wurden. Das aus Blickrichtung Weberstraße links stehende Gebäude ist das ältere der beiden. Es wurde zuerst erbaut, verfügt noch über Holzbalkendecken und soll aufgrund des schlechten Zustands abgerissen werden. Das größere Haus auf der rechten Seite wurde später in massiver Stahlbetonbauweise hinzugebaut. Dieses bleibt erhalten .

Das Problem ist die Wand dazwischen. Sie gehört bautechnisch zu dem Teil, der abgerissen werden soll, wie das Hochbauamt im Sebnitzer Rathaus erklärt. Der größere und massivere Gebäudeteil wurde ohne eine eigene Außenwand an das schon stehende Haus angebaut. Bisher wird die dazwischenliegende Wand durch die angeschlossenen Decken und Wände im linken Teil ausreichend gestützt. Fallen diese weg, wird die bisherige Innenwand zur Außenwand und stünde plötzlich über die gesamte Höhe frei. Damit besteht die Gefahr, dass die Wand einstürzen könnte, erklärt das Hochbauamt. Um das zu verhindern, muss die künftige Giebelwand zuvor mit den Deckenbalken und Wänden der rechten Gebäudehälfte verankert werden.

Momentan laufen die Vorbereitungen für die Sicherung des Giebels. Wenn es soweit ist, werden die Wände mittels Mauersäge abgetrennt und in Handarbeit abgebrochen. Die Details müssen derzeit noch abgestimmt werden, erklärt das Bauamt. Ein genauer Termin für den sichtbaren Abriss sei deshalb noch nicht zu nennen. Die aktuell nur für Anlieger freigegebene Weberstraße bleibe aus jetziger Sicht noch bis Ende Februar gesperrt.

Wie viel diese deutlich aufwendigere Abbruch-Methode letztendlich kosten wird, ist noch nicht bekannt. Bisher hat die Stadt Aufträge in Höhe von rund 185 000 Euro vergeben. Insgesamt stehen 456 000 Euro für den Abbruch bereit. Der verbleibende Gebäudeteil soll zum Pflegeheim umgebaut werden. Dafür wartet die Stadt noch auf Fördermittel.