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Warum die Karstadt-Mitarbeiter heute auf Nachrichten aus London warten

Wieder einmal ein wichtiger Tag für die Zukunft der insolventen Handelskette: In London treffen sich Vermieter und Investor.

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Essen. Die Zeit drängt. Bevor das Essener Amtsgericht am 10. August den für Karstadt vorgesehenen Insolvenzplan absegnen kann, müssen die Vermietergruppe Highstreet und der Investor Nicolas Berggruen ihren Streit beenden. Sie treffen sich heute in London. Die SZ analysiert, welche Hürden noch zu nehmen sind.

Welche Bedingungen stellt der neue Eigentümer?

Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen fordert niedrige Mieten für die Warenhäuser. Zudem will er die Handelskette aufteilen: in die Sparten Premiumkaufhäuser, Sporthäuser und übrige Kaufhäuser. Die zuständige Gewerkschaft Verdi gab dafür bereits grünes Licht.

Wer muss den Forderungen Berggruens zustimmen?

Zunächst die Karstadt-Vermieter um die Fondsgesellschaft Highstreet. Hinter der stehen vor allem die US-Bank Goldman Sachs und die Deutsche Bank. Highstreet besitzt 86der 120 Filialen und ist ein Hauptgläubiger. Highstreet zahlte vier Milliarden Euro für die Immobilien und ist wenig gewillt, Mieten zu senken. Erst wenn sich Highstreet und Berggruen einigen, wird der Kaufvertrag gültig. Abschließend prüft das Amtsgericht, ob alle Bedingungen erfüllt sind, um den Insolvenzplan in Kraft zu setzen.

Warum tun sich die Vermieter so schwer?

Der Immobilienfonds Highstreet selbst hat auch wiederum viele Gläubiger. Die müssen alle unter einen Hut gebracht werden. Einige scheren immer wieder aus, die Valovis-Bank in Essen zum Beispiel. Ihr Gesellschafter ist der Pensionsfonds der Karstadt-Mitarbeiter. Valovis hat mit den Pensionsrückstellungen Highstreet einen 850-Millionen-Euro-Kredit gegeben, als das Konsortium die Karstadt-Immobilien kaufte. Als Sicherheit erhielt Valovis 53 dieser Immobilien. Würden jetzt die Mieten sinken, verlieren diese Sicherheiten an Wert. Diesen Wertverlust müsste die Bank abschreiben. Sie stimmt deshalb nur zu, wenn Highstreet vorzeitig den Kredit zurückzahlt oder zusätzliche Sicherheiten gibt.

Könnte Highstreet das Geld nicht selbst auftreiben?

Mit Goldman Sachs und Deutscher Bank hat das Vermieterkonsortium zwei Großbanken im Boot – diese Geldhäuser haben bislang aber keine Bereitschaft signalisiert. Auch Milliardär Berggruen zeigt wenig bis kein Interesse.

Was geschieht, wenn es keine Einigung geben sollte?

Dann droht Karstadt die Zerschlagung. Der Insolvenzverwalter müsste einzelne Häuser oder Kontingente verkaufen, zum Beispiel an den Karstadt-Konkurrenten Kaufhof. Dessen Mutterkonzern Metro signalisierte mehrfach Interesse, gut die Hälfte der Karstadt-Häuser übernehmen zu wollen. Die Lösung, Karstadt als Ganzes zu erhalten, wäre dann aber geplatzt. Es könnten auch nicht alle der bisherigen 25000 Karstadt-Jobs gerettet werden. Allerdings wurden die Fristen für die Annahme des Insolvenzplans schon mehrfach verlängert. Das könnte auch für den 10. August gelten. Dann könnte weiterverhandelt oder sogar ein neuer Interessent gesucht werden. (dpa/SZ)