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Warum es beim DM-Chef nichts zu erben gibt

Drogerien-Besitzer Götz Werner fördert seinen Nachwuchs, indem der sich selbst beweisen muss. So soll jeder glücklich werden.

Von Gerechtigkeit hat Götz W. Werner schon immer andere Vorstellungen vertreten als die meisten Unternehmer. Wenn es nach dem 66-jährigen Besitzer der DM-Drogerie-Märkte ginge, dann bekäme jeder Deutsche vom Staat 1000 Euro Grundeinkommen pro Monat – garantiert.

Seine sieben Kinder sollen davon nicht ausgenommen werden, sagte Werner jetzt im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Denn der eigene Nachwuchs soll nicht etwa das Unternehmen erben – immerhin eine Ladenkette aus 2200 Geschäften, davon die Hälfte im Ausland. Allein in Sachsen verkaufen Werners Angestellte in rund 40 Filialen. Den Jahresumsatz gibt DM mit 5,2 Milliarden Euro an, etwa ein Prozent davon dürfte als Gewinn anfallen.

Multimillionär Werner hält es nicht für eine Schande, seinen Kindern keine Millionen zu vererben. Er denke da eher amerikanisch als deutsch: „Reich zu werden ist in Amerika keine Schande, reich zu sterben schon.“ Seine Firmen-Anteile habe er einer gemeinnützigen Stiftung übertragen. Die sieben Kinder würden darunter nicht leiden, sagt Werner: „Im Gegenteil, die werden gefördert, indem sie sich selbst beweisen müssen.“

Als Rabenvater will Werner nicht dastehen. Kinder hätten einen Anspruch „auf einen guten Start ins Leben“, betont er. Aber die Eltern müssten nicht für lebenslangen Wohlstand sorgen. Götz Werner selbst wurde in einer Familie von Drogisten in Heidelberg geboren – schon der Großvater hatte diesen Beruf. Nach dem Schulabschluss mit der mittleren Reife begann Werner seine Drogistenlehre in Konstanz am Bodensee und kämpfte sich zugleich im Sport nach oben: 1963 war er Ruder-Jugendmeister der Bundesrepublik im Doppelzweier. Seinen ersten eigenen Laden gründete er mit 29.

Werners Einstellung zum Vererben passt zu seinen öffentlichen Reden und zu seinem Buchtitel „Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen“. Seit Jahren macht sich der Drogist für dieses Rezept stark: Wenn jeder 1000 Euro im Monat bekommt, ist er von niemandem mehr abhängig. Das macht laut Werner kreativ, führt zu mehr Risikobereitschaft und Unternehmertum.

Der Firmenchef hält es für falsch, Menschen zum Arbeiten zu zwingen – denn dann würden sie ihre Arbeit nicht gut machen. Laut Werner beweisen Hunderttausende Deutsche schon jetzt seine Theorie, indem sie trotz Vermögens „bienenfleißig“ sind. Hartz IV dagegen lehnt er ab, denn damit würden freie Berufswahl und Wohnungsfreiheit eingeschränkt. (SZ/mz)