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Warum es in Weinhübel stinkt

Auf der Zittauer Straße riecht es im Sommer unangenehm faulig. Die SZ ist dem Problem in der Görlitzer Kanalisation auf den Grund gegangen.

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© nikolaischmidt.de

Von Sabrina Winter

Görlitz. In Weinhübel stinkt es – und zwar schon eine ganze Weile. Besonders auf der Zittauer Straße macht sich ein unangenehmer Geruch breit. Auf dem Abschnitt zwischen dem Zweirad-Center und dem Döner-Imbiss ist es besonders schlimm. Wonach es riecht, nimmt jeder anders wahr. Nach Tümpel oder Gülle sagen die einen, nach Fäkalien, Abfluss oder faulen Eiern die anderen. Fest steht: Der Geruch ist unangenehm. Werner Paul, der in Altweinhübel wohnt, hat den Stadtwerken schon im Frühjahr eine E-Mail geschrieben, weil ihn der Gestank stört. Die Antwort: Die E-Mail wird an den zuständigen Bearbeiter weiter geleitet. Verschwunden ist der Gestank seitdem nicht.

Die Quelle des stinkenden Übels: Der Geruch kommt direkt aus dem Kanal unter der Zittauer Straße, zu dem diese Zugangsschächte führen.
Die Quelle des stinkenden Übels: Der Geruch kommt direkt aus dem Kanal unter der Zittauer Straße, zu dem diese Zugangsschächte führen. © nikolaischmidt.de

Dabei ist das Problem schon vielen aufgefallen: Anwohnern in Altweinhübel, dem Fahrradladen, dem Dönerimbiss, Kleingärtnern in der Gartenanlage an der Zittauer Straße. Auch im Restaurant „Zur Landeskrone“ weiß man um den Geruch. Die Betreiberin Monika Anders sagt: „Der Geruch ist nicht regelmäßig da. Er ist wetterabhängig. Besonders mit einem Wetterumschwung kommt er wieder.“ Auf den Restaurant-Betrieb habe das zum Glück keine Auswirkungen. Es stinkt zwar nicht dauerhaft, aber trotzdem so oft, dass es die Einwohner des südlichen Görlitzer Stadtteils stört. An einigen Tagen ist es schlimm, an anderen kaum zu riechen. Wo es komisch riecht, ist vom Wind abhängig. Für einen Kleingärtner ist das kein neues Thema. Sein Garten liegt in der Gartensparte zwischen Zittauer Straße und Paul-Mühsam-Straße. Den Gestank kennt er seit Jahren. „Im Winter riecht man es kaum“, gibt er zu bedenken. „Aber an schwülen Sommertagen ist der Geruch besonders stark.“

Doch woher kommt der unangenehme Geruch? Auch hier gehen die Vermutungen auseinander: von der Neiße, von den Feldern aus der Umgebung oder aus dem Kanalsystem? Werner Paul ist sich sicher, dass es aus dem Kanalsystem kommen muss. Damit hat er recht. Unter dem Gehweg auf der Zittauer Straße verlaufen zwei Kanalsysteme: eines für Regenwasser und das andere für Schmutzwasser, also alles, was durch Waschbecken und Toiletten weggespült wird. Vom Gehweg aus gehen Zugangsschächte nach unten zum Abwassersystem, die aussehen wie runde Gullis. Zehn von diesen Zugangsschächten befinden sich zwischen dem Ortseingang und dem Dönerimbiss. Durch sie kann der Gestank nach oben steigen.

Den Görlitzer Stadtwerken ist das Problem bekannt. Sascha Caron, Pressesprecher der Stadtwerke, bestätigt das: „Ja, der Geruch in diesem Bereich kommt aus dem Kanalsystem.“ Aber wieso stinkt es nur an dieser einen Stelle? Der Grund: In Weinhübel ist das Ende der Druckleitung, die aus Hagenwerder nach Görlitz kommt. Darum läuft dort das Abwasser im Freigefälle nur langsam weiter. Weil das Abwasser länger im Kanal ist, bilden die Mikroorganismen Schwefelwasserstoff und das riecht faulig. Schädlich für die Gesundheit sei das Gas aber nicht. Sascha Caron sagt: „Die Konzentration ist so gering, dass man von keiner Gesundheitsgefährdung ausgehen kann.“ Das Problem wird zusätzlich durch den demografischen Wandel verstärkt. In Hagenwerder leben immer weniger Menschen. Das heißt auch, dass die Klospülungen immer weniger genutzt werden und es weniger Abwasser gibt. Die Durchflussmenge im Kanal wird also weniger und es kommt zu mehr stehendem Abwasser.

Um dem Gestank entgegen zu wirken, unternehmen die Stadtwerke einiges: Im Pumpwerk in Hagenwerder sind die Pumpzyklen auf die geringsten Abstände eingestellt. Das bedeutet, das Abwasser wird öfter durch die Druckleitung gepumpt. Außerdem werden in dem Pumpwerk Eisensalze zum Abwasser gegeben. Das ist ein gängiges Verfahren, um die Bildung von Schwefelwasserstoff zu reduzieren. Zusätzlich werden die Druckleitungen mit Sauerstoff belüftet, was ebenfalls die Bildung von Schwefelwasserstoff minimieren soll. Zweimal im Jahr reinigen die Görlitzer Stadtwerke die Kanäle unter der Zittauer Straße mit Hochdruckspülfahrzeugen. Einmal pro Monat führen sie Messungen durch und werten diese aus.

Bürgerhinweise wie die von Werner Paul sind für die Stadtwerke durchaus wichtig. Deswegen sagt auch Sascha Caron zu dessen E-Mail-Beschwerde: „Die Anfrage wurde an den zuständigen Sachbereich weitergeleitet, der daraufhin das Problem geprüft und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet hat.“ Doch der Gestank bleibt vorerst – trotz aller Bemühungen.