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Warum Obama Kriege für notwendig hält

Der US-Präsident verteidigt in seiner Rede als neuer Friedensnobelpreisträger die Kriegsführung der Amerikaner. Eine Analyse.

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Für US-Präsident Barack Obama war die Verleihung des Friedensnobelpreises gestern in Oslo eine Gratwanderung. Immerhin ist er ein Politiker, der nach seinen eigenen Worten der Oberbefehlshaber einer Armee ist, „die in zwei Kriegen steckt“. Gemeint ist damit der Krieg im Irak und in Afghanistan. Erst vor gut einer Woche hatte Obama angekündigt, 30 000 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch zu schicken. Die SZ analysiert die Ziele, die Obama in seiner gestrigen Rede umrissen hat.

These 1: Kriege lassen sich nicht völlig ausmerzen

Für Obama besteht die größte Kriegsgefahr nicht mehr in der Auseinandersetzung zwischen nuklearen Supermächten. Er sieht die größte Bedrohung vor allem durch terroristische Gruppen. „Terrorismus existiert seit Langem, doch die moderne Technologie ermöglicht es einer kleinen Gruppe von Menschen in ihrer rasenden Wut, Unschuldige in einem erschreckenden Ausmaß zu ermorden“, sagt er. Das führt in seinen Augen auch dazu, dass in den Kriegen von heute mehr Zivilisten als Soldaten sterben.

Seine Kernthese lautet: Kriege werden sich wohl nie völlig ausmerzen lassen. „Es steht fest: Das Böse existiert in der Welt. Eine gewaltfreie Bewegung hätte Hitlers Truppen nicht aufhalten können. Verhandlungen können die Anführer der al-Qaida nicht dazu bringen, ihre Waffen niederzulegen“, sagt Obama. Deshalb sei der Einsatz von Militär manchmal nötig.

These 2: Die Armee braucht einen Verhaltenskodex

Obama rechtfertigt zwar den Kriegseinsatz. Gleichzeitig hält er jedoch einen moralischen Verhaltenskodex bei der Kriegsführung für notwendig. „Das unterscheidet uns von unseren Gegnern. Das ist Quell unserer Stärke. Deshalb habe ich Folter verboten. Deshalb habe ich angeordnet, das Gefangenenlager Guantanamo zu schließen“, sagt Obama. Deshalb habe sich Amerika auch verpflichtet, sich bei der Kriegsführung an die Genfer Konventionen zu halten.

These 3: Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg

Was ist Frieden eigentlich? Auf diese Frage findet Obama eine klare Antwort: Frieden ist für ihn mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt und Krieg. „Ein gerechter Frieden beinhaltet nicht nur zivile und politische Rechte – er muss wirtschaftliche Sicherheit garantieren. Wahrer Frieden heißt nicht nur, frei von Angst zu sein, sondern frei von Mangel“, sagt er.

Es kann nach seiner Ansicht nun mal keine Sicherheit geben, „wo Menschen nicht genug zu essen haben oder sauberes Wasser oder die Medizin, die sie zum Überleben brauchen“.

These 4: Rasse und Religion führen zu Konflikten

Das hohe Tempo der Globalisierung und der weltweiten Modernisierung ist für den amerikanischen Präsidenten eine der tieferen Ursachen für gewaltsame Konflikte. „Es ist keine Überraschung, dass die Menschen Angst haben, das zu verlieren, woraus sie ihre eigene Identität ziehen – ihre Rasse oder Ethnie und vielleicht am stärksten ihre Religion“, sagt Obama.

Als Beispiel nennt er den Nahen Osten, wo sich der Konflikt zwischen Arabern und Juden zu erhärten scheine. „Wir sehen das in allen Ländern, die durch ethnische Grenzen entzweit sind“, erklärt der Präsident. Zum Schluss seiner Rede wurde Barack Obama allerdings sehr pathetisch. Er forderte dazu auf, nach einer Welt zu streben, wie sie sein sollte: „Danach, dass der Funken des Göttlichen sprüht, der unsere Seelen nach wie vor berührt.“ (SZ/ds/dpa)