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Warum Qimonda nur mit Staatsgeld überlebt

Selbst wenn Sachsen sich beteiligt, kann nur ein globaler Kompromiss den Chiphersteller retten.

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Von Ulrich Wolf, Ines Igneyund Nora Miethke

Die Beschäftigten des Chipherstellers Qimonda haben sich in den vergangenen Monaten an vieles gewöhnt – doch dieser Anblick war ihnen neu: Als ihr dritter großer Protestzug gestern in Dresden mit rund 1500 Leuten vor dem Landtag endete, trat Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ans Mikrofon. Erstmals. Auf Einladungen hatte er nach Angaben des Betriebsrats und der IG Metall nie reagiert.

Nun verfolgten die Qimondianer die Worte Tillichs nahezu andächtig. „Damit das Dach dicht wird, sind wir bereit, den Schlussstein zu setzen“, sagte Sachsens Regierungschef. Das Wort „Staatsbeteiligung“ vermied er. Dabei ist klar: Ohne die läuft ab April nichts mehr bei Qimonda. Die SZ erläutert, warum.

Was bringt ein Einstieg Sachsens Bei Qimonda?

Nach Angaben von Insolvenzverwalter Michael Jaffé muss der Staat einsteigen, damit sich ein privater Investor findet. Angesichts der Kreditkrise und des andauernden Preisverfalls bei Speicherchips gibt es auf dem Markt keinen privaten Geldgeber, der das Risiko alleine trägt. Ohne Staatsbeteiligung also kein Investor. Das wäre das Aus für den einst viertgrößten Speicherchip-Hersteller der Welt.

Wie teuer wäre ein Einstieg Sachsens bei Qimonda?

Weil die von Qimonda entwickelte Produktionstechnologie „Buried Wordline“ in Dresden bleiben soll, müsste sich Sachsen eine Sperrminorität sichern. Das sind mindestens 25,1 Prozent. Der Preis dafür: beim derzeitigen Kurs von elf Cent je Qimonda-Aktie rund 19 Millionen Euro. Für die Dauer der Beteiligung muss Sachsen aber auch anteilmäßig die Verluste mittragen. Die sollen sich nach Angaben der portugiesischen Agentur für Investitionen und Außenhandel (AGIEP) auf derzeit 42 Millionen Euro wöchentlich belaufen. In Portugal hat Qimonda sein zweitgrößtes Werk.

Wie wahrscheinlich ist es, einen Investor zu Finden?

Bis Ende März wird daraus nichts. Insgesamt hat der Insolvenzverwalter rund 100 Adressen kontaktiert. Übrig ist nur die ostchinesische Inspur-Gruppe – eine auf Software und Server spezialisierte Staatsfirma. Nach SZ-Informationen wartet Verwalter Jaffé auf einen Terminvorschlag der Chinesen für die nächste Woche. Sie sollen aber nicht mehr als 49,9 Prozent an Qimonda bekommen, um einen Technologieklau zu verhindern.

In Portugal ist gestern eine namentlich nicht bekannte spanische Investorengruppe aufgetaucht. Portugals AGIEP-Chef Bassilo Horta bestätigte der SZ: „Findet sich ein Investor, ist unser Land mit 14 Prozent dabei.“ Berlin und Bayern halten sich raus – obwohl Qimonda seinen Sitz in München hat. Brüssel wird sich schwertun, einer insolventen Firma Beihilfen zu genehmigen – zumal solche Darlehen zurückgezahlt werden müssen.

Ist ein Aus für Qimonda das ENDE von Silicon SAXONY?

Silicon Saxony ist der Verein, der die Interessen von rund 200 Mikroelektronikfirmen in und um Dresden mit etwa 20000 Beschäftigten vertritt. Vereinsvorstand Heinz Martin Esser: „Die Entwicklung bei Qimonda ist sehr traurig, aber damit stirbt der Mikroelektronikstandort Dresden nicht.“ Kein Silicon-Saxony-Mitglied sei komplett abhängig von Qimonda. Dresden ist außer Grenoble in Frankreich Europas einziger Mikroelektronikstandort von Weltrang. Seit der Wende wurden zwölf Milliarden Euro investiert, davon bestand rund ein Viertel aus Subventionen.