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Warum Sachsen kräftig auftischt

Nur großzügige Gastgeber sind in der Politik richtig erfolgreich.

© Robert Michael

Von Gunnar Saft

BEIM Geld hört die Freundschaft nicht immer auf, im Gegenteil. Gerade in der Politik fängt sie damit meist erst richtig an. Frei nach dem Motto: Lass uns zunächst kräftig trinken und köstlich schmausen, dann werden wir uns schon irgendwie einig – koste es, was es wolle. Und so überzog auch Sachsens Staatskanzlei im vergangenen Jahr ihren offiziellen Etat „Zur Repräsentation des Freistaates im Inland und zur Betreuung ausländischer Staatsoberhäupter“ um 203 366 Euro und 83 Cent. Eine reife Leistung, die man bisher leider in keiner Pressemitteilung nachlesen konnte, dafür aber jetzt im jährlichen Spesenbericht der Regierung. Ich hoffe nur, man konnte sich nach dem letzten Prost und späteren Aufwachen unter den Tischen stets daran erinnern, worüber man sich nun einig ist. Und noch wichtiger. Mit wem man eigentlich die ganze Nacht hart verhandelt hatte.

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ALS ausgebuffte Gastgeber entpuppen sich dabei auch die Mitarbeiter des sächsischen Verbindungsbüros in Brüssel. So lagen dort die Bewirtungskosten für mehrere Besuchergruppen, die sich vor Ort über die EU informierten – darunter Angehörige der Sächsischen Jugendstiftung und von der Universität Leipzig – zwischen glatt null Cent und 4,84 Euro. Die einen bekamen offenbar einen oder zwei Schluck Wasser, die anderen hatten überhaupt keinen Durst. Für acht Sitzungen der deutschen Delegation im Ausschuss der Regionen zahlte man dagegen unterm Strich über 11 400 Euro. Eine kluge Entscheidung. Warum Besuchermäuler stopfen, wenn letztlich immer noch Politiker die Entscheidungen treffen.