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Warum Solarwatt Solarworld überlebt hat

Schon seit 25 Jahren wird in Dresden Fotovoltaik-Technik hergestellt. Jetzt kommen Mitarbeiter aus dem Rheinland dazu.

© Ronald Bonß

Von Georg Moeritz

Dresden. Wer in diese Fabrikhalle im Dresdner Norden tritt, hört ein Zischen und Sausen. Roboter-Arme greifen nach Glasplatten, schwenken sie durch die Luft und setzen sie vorsichtig wieder ab, zum Laminieren und Einrahmen. Nur 35 Mitarbeiter pro Schicht halten die Produktion von Fotovoltaik-Modulen bei der Solarwatt GmbH in Dresden am Laufen. Wenigstens die Kabel werden am Ende von Männern in Handarbeit befestigt. Fast 500 Beschäftigte hatte das Unternehmen vor dem Insolvenzverfahren 2012. Nach einem harten Sparkurs ist Solarwatt aber schrittweise wieder gewachsen. „Wir sind noch da!“, sagte am Dienstag Geschäftsführer Detlef Neuhaus zum Jubiläum. Das Unternehmen stellt seit 25 Jahren Solartechnik in Dresden her und hat viele Konkurrenten überlebt.

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Während der Nachbar Solarworld die Produktion in Freiberg gestoppt hat, läuft bei Solarwatt in Dresden weiter der Dreischichtbetrieb. 250 Beschäftigte arbeiten in Fabrik und Büros, 100 in Außenstellen. In den nächsten Wochen kommen noch einige dazu, denn Solarwatt verlagert die Endmontage der Stromspeicher von einem zugekauften Betrieb bei Köln nach Dresden. Diese Akkus sind auch einer der Gründe, die Geschäftsführer Neuhaus für den Fortbestand der Firma nennt: Solarwatt bietet Komplettpakete für Eigenheime an, Solarmodule mit Stromspeichern. Die Werbung richtet sich gezielt an Hausbesitzer. Die sind laut Neuhaus bereit, für deutsche Produkte mit Haltbarkeits-Garantie mehr zu bezahlen als für Ware aus China. In Belgien und den Niederlanden findet die sächsische Solartechnik ebenfalls Käufer.

Die Dresdner umwerben Installateure und Zwischenhändler. Daher bieten auch die Dresdner Stadtwerke Module von Solarwatt an, von Heckert aus Chemnitz – und für „preisbewusste Käufer“ von Ja Solar aus China. Solarwatt wirbt mit 30 Jahren Garantie auf Module, die auch auf der Rückseite verglast sind. Solche Glas-Glas-Module seien besonders haltbar, auch bei Hagel. Freilich zeigte auch der pleite gegangene Konkurrent Solarworld in einem ähnlichen Werbefilm seine Module als robust vor. Doch Solarwatt-Chef Neuhaus sagt, andere Firmen als seine hätten sich nicht so stark auf diese Technologie konzentriert, sondern eher einen Massenmarkt beliefert.

Auch Solarwatt versuchte früher, große Solarparks aufzubauen. Doch der Wettbewerb um den niedrigsten Preis sei nicht zu gewinnen. Immer wieder erlebt Neuhaus „fassungslos“ plötzliche Preissenkungen. In diesem Jahr schickten chinesische Hersteller nach seinen Angaben große Mengen auf den Weltmarkt, weil der Verkauf in China durch politische Vorgaben gebremst wurde. Solarwatt senkt in solchen Fällen ebenfalls die Preise, bleibt aber absichtlich etwas teurer und betont seine Qualität. Diese Nischenstrategie habe sich bewährt.

Mit Nischenproduktion hat Solarwatt vor 25 Jahren begonnen. Frank Schneider und Lothar Schlegel bauten die Produktion auf, nachdem das Zentrum Mikroelektronik Dresden ihnen keine Arbeit mehr bot. Lampen mit Solarladegerät für Kamerun waren eines der ersten Produkte, sagt Dieter Winkler, langjähriger Vertriebsleiter.

Zigaretten- und Parkautomaten erhielten auch Energie von Solarwatt. Anders als Solarworld stellte Solarwatt keine Siliziumzellen selbst her. Die Zellen für die Solarmodule kommen aus Taiwan, die für Akkus aus Korea. Trotz sparsamer Produktion macht Solarwatt keinen Gewinn. Der Umsatz steigt, bleibt aber mit gut 80 Millionen Euro dieses Jahr erneut unter den Erwartungen. Neuhaus will 2021 keine Verluste mehr machen. Der Besitzer zeige Geduld. Das Unternehmen gehört Stefan Quandt aus der BMW-Besitzerfamilie. Er ist in Dresden auch am Solarfolienhersteller Heliatek und an der Softwarefirma Kiwigrid beteiligt – alle setzen auf die Energiewende.