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Warum steht die Uhrenfirma Wolf vor dem Aus?

Die Produktidee war gut, sagt Rechtsanwalt Helgi Heumann. Doch etwas Wichtiges hat dem Unternehmen gefehlt.

© Egbert Kamprath

Maik Brückner

Glashütte. Mit Zifferblättern aus Holz und Kautschuk hat die Glashütter Uhrenfirma C.H.Wolf die Branche überrascht. Ihre Konstrukteure haben auch eine Uhr zu Ehren der Dresdner Autoschmiede Melkus geschaffen. Diese pfiffigen Ideen bescherten der Firma auch einen furiosen Einstand bei der Uhrenwahl Goldene Unruh. Gleich drei ihrer Uhren schafften es in die engere Auswahl. So erfolgreich war nur Mitbewerber Nomos, der aber schon seit 1990 auf dem Markt ist. Man könnte meinen, alles läuft am Schnürchen. Doch das ist nicht so. Bereits im Dezember waren die finanziellen Probleme so groß, dass Geschäftsführer Jürgen Werner ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen musste. Das Insolvenzgericht in Dresden stellte der Firma den renommierten Rechtsanwalt Helgi Heumann zur Seite. Dieser sollte zusammen mit der Geschäftsführung einen Weg suchen, um das Unternehmen auf sichere Füße zu stellen. Die SZ wollte vom Anwalt wissen, wie erfolgreich er war und wie es jetzt mit der Firma weitergeht.

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Wolf-Zeitmesser: die. Eric-Frenzel-Uhr.
Wolf-Zeitmesser: die. Eric-Frenzel-Uhr. © PR
Wolf-Zeitmesser: die Melkus-Uhr.
Wolf-Zeitmesser: die Melkus-Uhr. © PR

Herr Heumann, Sie haben sich mit der Firma C.H. Wolf näher beschäftigt. Wie ist es zu der schwierigen Lage des Unternehmens gekommen?

Die angespannte Situation der C. H. Wolf GmbH hat mehrere Gründe. Sie sind einerseits in den notwendigen hohen Anfangsinvestitionen für den Aufbau eines Unternehmens und einer Marke sowie andererseits im Geschäftsmodell selbst zu finden. Dieses basiert darauf, dass das Unternehmen Uhren mit ungewöhnlichen Materialien produziert. So wurden beispielsweise Uhren aus den Langlaufski, mit denen Eric Frenzel Gold bei den Olympischen Spielen in Sotschi gewann, gefertigt. Die Verwendung solcher ungewöhnlichen Materialien führt dazu, dass die Uhren in nur kleinsten Auflagen produziert werden können. Die Entwicklungs- und Marketingkosten müssen auf die wenigen Unikate einer Serie umgelegt werden, was zu Verkaufspreisen von 3 000 bis 4 000 Euro führt. Diese Preise sind für derartige Unikate nicht zu hoch angesetzt. Allerdings führt die Höhe des Kaufpreises zu einer begrenzten Käuferschicht, die besonders stark umworben ist.

Andere Firmen schaffen es auch, sich mit Uhren in dem Preissegment zu behaupten. Warum ist das C.H.Wolf nicht gelungen?

Um sich auf dem Markt luxuriöser, handgefertigter Uhren etablieren zu können, bedarf es viel Zeit und einer gewissen finanziellen Durchhaltekraft. Denn die Einführung und Etablierung einer hochpreisigen Uhrenmarke kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen und benötigt sehr hohe Anfangsinvestitionen. Um eine solide Ausgangsbasis zu schaffen, ist C. H. Wolf deshalb auch teils ungewöhnliche Wege gegangen. So wurde mittels des sogenannten Crowdfundings versucht, Privatpersonen als Finanzgeber zu gewinnen. Darüber hinaus wurde um große Investoren geworben. Im November 2015 lag die Zusage einer Millioneninvestition vor, die den Ausbau der Firma und der Marke sichergestellt hätte. Leider wurde die Zusage später zurückgezogen. Und in der Folge hat die Geschäftsführung einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen müssen.

Konnten Sie gemeinsam mit der Geschäftsführung einen Investor finden?

In den letzten Monaten hat Geschäftsführer Jürgen Werner gemeinsam mit dem erfahrenen Sanierungsberater, Rechtsanwalt Dr. Christoph Munz aus Dresden, mit mehreren Investoren, Anlegern und Konkurrenten gesprochen, leider sind diese Gespräche erfolglos geblieben.

Woran lag es Ihrer Meinung nach, dass kein Investor gefunden wurde?

Der Markt für handgearbeitete Luxus-Uhren ist sehr klein und hart umkämpft. Ein noch junges Unternehmen hat es in diesem Segment schwer, sich durchzusetzen und solvente Kapitalgeber zu finden. Denn die hohen Anfangsinvestitionen können nur über einen sehr langen Zeitraum wieder generiert werden. Als problematisch bei der Investorensuche hat sich auch die Ausrichtung des Unternehmens nur auf Uhren aus ungewöhnlichen Materialien in Kleinserien herausgestellt. Einerseits ist hier die Kundengruppe sehr begrenzt, andererseits sind die Kosten für die Entwicklung, den Materialeinsatz und das Marketing der Uhren sehr hoch. Viele Investoren haben in diesem Geschäftsmodell nur geringe Erfolgschancen gesehen.

Wie viele Gläubiger warten auf Geld von der Firma?

Die Anzahl der Gläubiger ist sehr hoch. Allein mehr als 100 Lieferanten und Dienstleister haben gegenüber der C. H. Wolf GmbH Forderungen angemeldet. Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund fünf Millionen Euro. Etwa vier Millionen Euro davon sind Kreditverbindlichkeiten gegenüber Finanzinstituten.

Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Firma?

Neben den rund fünf Millionen Euro Verbindlichkeiten weist der letzte Jahresabschluss der Firma vom 30. September 2015 eine Bilanzsumme von über 5,6 Millionen Euro und einen nicht durch das Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von fast 2,4 Millionen Euro auf. Dieser Fehlbetrag ist hauptsächlich in den Geschäftsjahren 2014, da waren es 860 000 Euro, und 2015, da waren es 1,35 Millionen Euro, entstanden. Die Zahlen sprechen leider für sich. Es sind keine finanziellen Mittel mehr vorhanden, auch neue Investoren sind nicht in Sicht. Eine Sanierung des Unternehmens ist deshalb nicht mehr möglich.

Wie geht es nach dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung weiter?

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Im Auftrag des Insolvenzgerichts habe ich zur C. H. Wolf GmbH ein Gutachten über die Fortführungs- und Sanierungsmöglichkeiten erstellt. Im Ergebnis habe ich die Eröffnung des Insolvenzverfahrens angeregt. Wann das Gericht über die Eröffnung entscheidet, kann ich nicht sagen, rechne jedoch damit am 29. Februar 2016. Dies wird wahrscheinlich auch eine sofortige Kündigung und Freistellung aller Arbeitnehmer und die Schließung des Geschäftsbetriebs zur Folge haben.