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Warum Zittau zusätzliche Sporthallen braucht

Der Stadtrat beschäftigt sich derzeit mit dem Sportstättenkonzept – und soll auf Abrisse verzichten.

© Rafael Sampedro

Von Thomas Mielke

Mit leisem Zischen fliegen die Federbälle in der Sporthalle am Ottokarplatz hin und her. Für die Badminton-Spieler von Robur Zittau ist die Halle ein wichtiger Trainingsort. Doch in erster Linie muss sich die Stadt nicht um den Vereinssport, sondern um genügend Flächen für den Sportunterricht an ihren vier Grund- und drei Oberschulen kümmern. Deren Schülerzahl bleibt entgegen der Einwohnerzahl in den nächsten Jahren zumindest stabil. Deshalb überarbeit die Verwaltung gemeinsam mit der Stadtentwicklungsgesellschaft derzeit das acht Jahre alte Sportstättenkonzept. Im Stadtrat ist der Teil des Plans, der sich mit den überdachten Sportstätten befasst, nun vorgestellt und diskutiert worden. Zuvor hat sich die Verwaltung mit allen Nutzern und Betreibern von Hallen in der Stadt zusammengesetzt. Das sind die Eckpunkte:

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Wie viele Sporthallen gibt es in Zittau und wem gehören sie?

In Zittau gibt es 17 Sport- und Schwimmhallen. Die Stadt besitzt 14, sieben Turnhallen für den Schul- und Vereinssport, fünf in den Ortsteilen für Vereine und Freizeitsportler sowie das Stadtbad und die Hirschfelder Schwimmhalle, wie auf nebenstehender Grafik zu sehen ist. Die Sportstätten in den Ortsteilen werden von den Vereinen bewirtschaftet. Die Schwimmhallen führt der Stadtkonzern SBG. In ihnen lernen nicht nur Zittauer Schüler schwimmen, sondern auch Kinder und Jugendliche aus Jonsdorf, Olbersdorf, Ebersbach, Neugersdorf, Oderwitz, Niedercunnersdorf, Löbau, Großhennersdorf, Eibau, Schönau-Berzdorf und Ruppersdorf sowie von den Förderschulen in Olbersdorf, Großhennersdorf und dem Oberland. Drei weitere Turnhallen gehören dem Landkreis und der Schkola. Sie werden in dem Konzept nicht betrachtet. Der Kreis bietet für seine Förderschule, sein Gymnasium und sein berufliches Schulzentrum Sport in seiner Hauptturn- und seiner Ottokarplatz-Halle an und hat dafür genügend Kapazitäten.

Wie sind die Sport- und Schwimmhallen ausgelastet?

Die von Schulen genutzten Turnhallen sind an Wochentagen zu 90 Prozent ausgelastet. Zu 65 Prozent treiben Schüler Sport, ansonsten Vereine und andere Sportgruppen. Die höchste Auslastung hatten im vorigen Schuljahr die Hallen der Burgteich- und der Lessingschule mit 97 Prozent. Am geringsten von Vereinen genutzt wurde die Halle an der Hirschfelder Grundschule mit 16 Prozent. Die Stadt macht in dem Konzept deutlich, dass sie Hallen des Kreises nutzen muss, weil ihre Kapazitäten nicht reichen. Aber: „Die Nutzung der Turnhallen des Landkreises ist auf Dauer nicht gewährleistet“, heißt es. „Falls der Landkreis selbst die eigenen Kapazitäten ausschöpfen sollte, würde es für die Stadt Zittau zu einem erheblichen Engpass kommen.“

In welchem Zustand sind die Sporthallen?

Die Stadt schätzt ein, dass die Hallen des Kreises und der Schkola im besseren Zustand sind als ihre eigenen. Immerhin haben neun von zwölf bei der Einschätzung, wie sie für die Nutzung geeignet sind, die Note 1 oder 2 bekommen. Die Dittelsdorfer, die Schlegler und die der Hirschfelder Faustballer haben demnach indes „schwerwiegende Mängel“, „die Bestand oder weitere Nutzung gefährden“. Beim Bauzustand sieht es noch schlechter aus: Sechs Hallen – die an der Burgteichschule, an der Südstraße, in Wittgendorf, Schlegel, Dittelsdorf und die der Hirschfelde Faustballer – sind ohne Sanierung mittel- und langfristig „nicht geeignet“. Die Schwimmhallen dagegen sind in einem guten Zustand. „Die Betreibung der sanierten Anlage in Hirschfelde ist kurzfristig noch durch die SBG gesichert“, heißt es. „Die weitere Nutzung muss nach Prüfung der Auslastung neu beschlossen werden, gilt aber aufgrund der starken Nachfrage im Bereich des Schulsports, vor allem durch auswärtige Schulen des ehemaligen Landkreises Löbau-Zittau, als sehr wahrscheinlich.“

Welchen Bedarf gibt es für Sanierungen?

Die Hallenkapazität reicht zwar für den Freizeitsport, aber nicht für den Sportunterricht. Deshalb sollen – anders als ursprünglich vorgesehen – erst einmal alle bestehenden Hallen erhalten werden. Das bedeutet, dass in der Halle an der Kantstraße nach einer ausstehenden Sanierung noch mindestens 15 Jahre, in der Alten Burg- und Südstraße wenigstens kurzfristig weiter Sport getrieben werden könnte – und der Abrissbagger noch warten muss. Dietrich Thiele (FUW), Stadtrat und Chef des Sportbeirates, möchte sogar, dass sie langfristig erhalten werden. Zudem sind an fast allen städtischen Sporthallen zumindest Instandhaltungsarbeiten nötig.

Welchen Bedarf gibt es für Neubauten?

Da die Kapazitäten für den Schulsport nicht reichen und manche Schüler unzumutbar lange zum Sportunterricht in weit von der Schule entfernte Hallen laufen müssen, herrscht großer Bedarf. Im bisherigen Konzept hieß es, dass drei Hallen neu gebaut werden sollen. „Im Ergebnis der Berechnung ist es erforderlich, eine weitere 2-Feld-Halle zu errichten“, heißt es nun. Diese fasst allerdings den Bedarf mehrerer Schulen zusammen und sorgt deshalb nicht überall für Entspannung. Errichtet werden soll sie an der Weinau-Schule. Da sich die Stadt darüber hinaus langfristig auch von den Kapazitäten in den Hallen des Landkreises unabhängig machen will, muss sie weitere Hallen bauen. Zudem soll die Erweiterung der Halle an der Lessingschule geprüft werden. Sportbeiratschef Dietrich Thiele fordert sogar den Neubau einer Zweifeldhalle an der Dr.-Friedrichs-Straße – und an der Hirschfelder Schule.