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Lob für Schaufenster-Wettbewerb

Experten vom Handelsverband gratulieren Bischofswerda zu der Idee. Und raten zu noch mehr Mut.

© privat, Robert Gergaut

Von Gabriele Naß

Bischofswerda die 1-A-Einkaufsstadt. Als die Stadt vor ein paar Jahren diesen Titel bekam, waren die beteiligten Händler stolz. Aber manche Kunden fragten: Wofür das denn? Was kann man hier schon noch einkaufen? –  Die Herausforderung, den Käufer von heute von Angeboten in den kleinen Läden zu überzeugen, ist groß. Und sie beginnt bei der Gestaltung des Schaufensters. Das Schaufenster zu vernachlässigen, kann dem Laden Kunden kosten.

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Warum, darüber sprach die SZ mit David Tobias, Geschäftsführer beim Handelsverband Sachsen in Dresden, und Gunnar Hoffmann, Geschäftsführer der Dresdner Lüning Ladenbau. Gunnar Hoffmann gilt beim Handelsverband als Handelskenner und Branchenexperte. Er ist sehr aktiv in der Unterstützung des Handels und dessen Wettbewerbsfähigkeit.

Wie bedeutsam sind attraktive Schaufenster für den stationären Handel und dessen Zukunft?

In Verbindung mit der Fassadengestaltung und der Außenwerbung des Geschäftes erzeugt das Schaufenster einen ersten Eindruck, den der Kunde von dem Geschäft erhält. Oftmals entscheidet der Kunde dann genau hier, ob er das Geschäft betreten wird oder nicht. Wenn ein Kunde seinen ersten Eindruck bereits auf anderen Wegen erlangte, zum Beispiel über Werbung des Händlers, seine Webseite oder soziale Netzwerke, dann sollte dieser positive Eindruck vor dem Schaufenster gefestigt werden. Geschieht dies nicht, weil sich der Kunde von dem äußeren Erscheinungsbild nicht angesprochen fühlt, dann geht er unter Umständen zu einem benachbarten Geschäft. Alle Ausgaben für eine positive Wahrnehmung durch Werbung und Onlineauftritte wäre dann umsonst gewesen.

Welchen Kriterien sollte ein Schaufenster entsprechen?

Ausgeflippt und hipp, bodenständig, familiär oder konservativ – ein Ladenkonzept und das dazugehörige Schaufenster sollte sich an der Wertewelt der Zielgruppe orientieren. Es nützt dem Händler nichts, wenn er versucht, allen aktuellen Trends der Metropolen dieser Welt gerecht zu werden, seine Kundschaft aber eher konservativ oder sogar ländlich geprägt ist. Ein Schaufenster sollte immer auch den Charakter des Geschäftes widerspiegeln. Allerdings kann der Händler darin nur einen sehr eingeschränkten Teilbereich seines Angebotes präsentieren. Viele Händler gestalten deshalb heute ihre Schaufenster eher offen, sodass für den Kunden der Blick in das Geschäft möglich ist.

Das aufwendig gestaltete Kastenschaufenster ist also nicht mehr zeitgemäß?

Das würden wir nicht sagen. Es mag Handelsformate geben, zu denen gerade ein solches Schaufenster perfekt passt.

Sind Händler in Sachsen mit ihren Schaufenstern zeitgemäß?

Zumindest sind die meisten sächsischen Einzelhändler sehr darum bemüht, aktuell und zeitgemäß zu erscheinen. Sie wissen um die Wirkung ihres Schaufensters und gestalten regelmäßig um. Was manchmal fehlt, ist der Mut, dafür auch professionelle Hilfe von Beratungsunternehmen, Ladenbauern oder Marketingunternehmen in Anspruch zu nehmen.

Wo gibt es konkret Hilfe beim Gestalten eines Schaufensters?

Der Handelsverband Sachsen unterstützt und berät vor allem die inhabergeführten Einzelhandelsunternehmen aus Sachsen. Wir zeigen Best-practice-Beispiele, geben Tipps für erste Schritte und beraten vor allem zu Fördermitteln, die zur Verfügung stehen, um sich dem Thema konzeptionell zu nähern. Je nach Umfang stehen für die praktische Umsetzung Dienstleistungs- und Ladenbauunternehmen, wie Dresdner Lüning Ladenbau, den Händlern zur Seite.

Sind Schaufenster-Wettbewerbe wie in Bischofswerda geeignet, die Qualität der Auslagen voranzutreiben?

Jedes Event und jede Aktivität, die dazu führt, die Kundenfrequenz in unseren Innenstädten zu erhöhen, wird dem Handel und den anderen Akteuren in den Innenstädten willkommen sein. Natürlich sollten Schaufenster immer ansprechend und auf höchstem Niveau gestaltet sein. So gesehen stehen die Händler damit immer im Wettbewerb miteinander. Ein öffentlicher Wettbewerb, so wie in Bischofswerda, hilft den Händlern, sich gegenseitig anzuspornen und dadurch die Qualität noch weiter zu steigern. Dies dann noch im Rahmen von Jubiläumsfeierlichkeiten zu tun, um Besuchern das Einkaufen noch schmackhafter zu machen, ist natürlich eine tolle Idee und durchaus nachahmenswert.