merken

Was braut sich da zusammen?

Mit dem „Schlosspils“ hat Henry de Jong den Fortschritt seines Ferienresort-Projektes gefeiert. Es soll mehr sein als ein Werbegag.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Wülknitz. Anderswo ist es keine Seltenheit, dass in solchen Runden eine Flasche Bier getrunken wird. Im Gemeinderat von Wülknitz ist es hingegen nicht unbedingt üblich. Am Ende der jüngsten Sitzung gab es eine Ausnahme, und das lag an Henry de Jong.

Anzeige
Hygiene ist der beste Infektionsschutz
Hygiene ist der beste Infektionsschutz

Die korrekte Anwendung der richtigen Desinfektionsmittel hilft beim Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus. Tipps und Angebote hat die Domos Apotheke.

Der Unternehmer aus den Niederlanden hatte da gerade verkündet, dass sein Ferienresort-Projekt in Tiefenau durch den Kauf des ehemaligen Schloss- und Rittergutsgeländes einen entscheidenden Schritt vorangekommen ist. Um das zu feiern, verteilte der 57-Jährige mehrere Flaschen Bier. Aber nicht irgendeins, sondern ein „Schloss Tiefenau Schlosspils“.

Neben dem Schriftzug ziert ein Wappen mit stilisiertem Golfer, Pferdekopf, Hotelbett und Besteck das Etikett. Allesamt Elemente, die sich in dem geplanten Resort künftig wiederfinden sollen. Der nähere Blick auf das Etikett verrät auch, dass Henry de Jong nicht selbst unter die Braumeister gegangen ist. Sondern, dass jemand anderes dieses Schlossbier abgefüllt hat: die Klosterbrauerei Neuzelle im Nachbarbundesland Brandenburg.

Eigenes Bier soll kommen

Die Brauerei mit reichlich 40 Beschäftigten und einem ebenso viele Sorten umfassenden Bier-Angebot ist keine unbekannte: Mit dem Land Brandenburg hatte das Unternehmen gestritten, ob sein Gebräu „Schwarzer Abt“ Bier heißen darf. Neben den klassischen Bier-Zutaten Hopfen, Gerste und Wasser gehört nämlich auch Zucker zur Rezeptur des Getränks. Ein Inhaltsstoff, der sich nach Ansicht der brandenburgischen Behörden nicht mit dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 deckte. Der Streit darum, ob der „Schwarze Abt“ Bier heißen darf, landete gar vorm Bundesverwaltungsgericht, das 2005 der Brauerei recht gab.

Hinter dem Tiefenauer Schlosspils verbirgt sich aber nicht der „Schwarze Abt“, sondern Neuzeller Pilsener. Dessen Zutaten sind – ganz klassisch – Wasser, Gerstenmalz, Hopfen. Alkoholgehalt: 4,8 Prozent. Sein „eigenes“ Bier zu kreieren, zumindest eins mit eigenem Etikett, das geht mit den Neuzellern ganz einfach: Auf der Internetseite gibt es Vorlagen, in die jeder selbst gestaltete Grafiken einfügen kann. Das Pils mit personalisiertem Etikett wird dann per Post versendet. Kleinste Menge: sechs Halbliterflaschen, Preis: 25,10 Euro.

Ist die Bier-Nummer von Resort-Entwickler Henry de Jong nur ein Werbe-Gag? Offenbar nicht nur. Im Gemeinderat kündigte der studierte Historiker an, in Tiefenau ein eigenes Bier brauen zu wollen. Damit soll auch an vergangene Zeiten angeknüpft werden, schließlich habe es ein historisches Braurecht gegeben, so de Jong.

Doch ist im Moment aber alles noch Zukunftsmusik. Denn vorm Braurecht dürfte erst einmal das Baurecht stehen. Das ist nämlich nötig, damit sich das Schloss- und Rittergutsgelände Tiefenau samt Umgebung überhaupt in Richtung Ferienresort entwickeln kann.

Im Wülknitzer Gemeinderat fand das Schlosspils für Tiefenau aus Neuzelle schon mal Anklang. Ein eigenes Bier brauen zu wollen, das sei aber eine Herausforderung, sagte Gemeinderätin Manuela Albrecht (CDU) in Richtung Henry de Jong. „Das stimmt. Aber das ganze Projekt ist eine Herausforderung.“