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Was bringt das neue Rettungssystem?

Vor einem Jahr wurden im Zittauer Gebirge Schilder errichtet, die in Notfällen helfen sollen. Heute stehen sie im ganzen Kreis.

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© Rafael Sampedro

Von Mario Sefrin

Was in anderen Bundesländern längst zum Alltag gehört, hat in Sachsen vor einem Jahr seine Premiere im Süden des Landkreises Görlitz erlebt. Damals hat der Landkreis in Eigeninitiative ein Netz von Rettungstreffpunkten im Wald für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst etabliert – die „Rettungskette Forst“. Die SZ hat nachgefragt, wie es mit ihr voran geht.

Warum ist der Landkreis Görlitz Vorreiter in Sachsen für das System?

Der Landkreis ist im sachsenweiten Vergleich mit 38 Prozent an der Gesamtfläche – etwa 79 000 Hektar – überdurchschnittlich bewaldet. Weil deshalb rund ein Drittel der Kreisfläche für Rettungseinsätze nicht oder nur eingeschränkt erreichbar ist, erachten die Verantwortlichen den Aufbau der Rettungskette Forst für äußerst wichtig. Mit ihr kann in Notfällen eine schnelle Erstversorgung oder Hilfestellung bei Unfällen mit Freizeitsportlern, Touristen oder Waldarbeitern gewährleistet werden. Zudem ermöglicht dieses System auch eine schnelle Koordination von Feuerwehren bei einem Waldbrand.

Gibt es nun ein flächendeckendes Rettungspunkte-Netz im Landkreis?

Fast. Die ersten Rettungstreffpunkte im Landkreis sind vor einem Jahr recht schnell mit den entsprechenden Schildern gekennzeichnet worden. Diese zeigen ein Rettungspunkt-Symbol und eine Kennnummer. Insgesamt hatte der Kreis zum damaligen Zeitpunkt bereits 220 Rettungstreffpunkte an befahrbaren Wegen, meist an markanten Punkten, wie Wanderparkplätzen, Wegkreuzungen oder Wanderschutzhütten, benannt. Ein Großteil davon ist mittlerweile eingerichtet, wie Gerlind Walter von der Pressestelle des Görlitzer Landratsamtes mitteilt. „Im Landkreis Görlitz gibt es aktuell circa 190 Rettungspunkte, ungefähr 80 davon im Altkreis Löbau-Zittau.“ Die Anzahl der Sammelpunkte könne sich aber noch erhöhen, wenn das Rettungsnetz erweitert wird, teilt die Mitarbeiterin des Landratsamtes mit.

Was geschieht, wenn ein neuer Rettungspunkt festgelegt wird?

Nach der Einigung mit den betroffenen Grundstückseigentümern und dem Aufstellen der Schilder werden die Rettungstreffpunkte der Rettungsleitstelle in Hoyerswerda bekannt gegeben und zusätzlich im Geoportal des Landkreises Görlitz für jedermann einsehbar gemacht. Mit den bestehenden sowie den noch geplanten Rettungspunkten soll ein flächendeckendes, waldbesitzartübergreifendes System von Rettungstreffpunkten in den Landkreisen Görlitz und Bautzen entstehen, heißt es.

Ist das System schon bei Ernstfällen zum Einsatz gekommen?

Ja. In einigen Fällen konnte Menschen dank des Vorhandenseins von Rettungspunkten schnell geholfen werden, sagt Dirk Reich, Schichtführer bei der Integrierten Rettungsleitstelle in Hoyerswerda. So habe sich einmal eine Frau beim Pilze suchen im Wald bei Markersdorf verlaufen und konnte bei ihrem Anruf unter der Notrufnummer mitteilen, an welchem Rettungstreffpunkt sie sich befindet. Ein solches Schild hatte sie nämlich im Wald entdeckt. Dirk Reich hat noch ein anderes Beispiel dafür parat, wie sinnvoll die Rettungspunkte sind – auch in Städten. „Uns hatten Urlauber aus Berlin angerufen, die im Görlitzer Stadtgebiet eine hilflose Person gefunden haben. Sie konnten zwar nicht sagen, in welcher Straße sie waren, aber welcher Rettungspunkt in der Nähe ist. So konnten wir schnell Hilfe dorthin schicken“, so Reich. Ob das System auch schon bei einem Ernstfall im Zittauer Gebirge geholfen hat, konnte Reich nicht sagen. „Mir ist zumindest kein solcher Fall bekannt.“

Hat sich das Rettungssystem aus Sicht der Verantwortlichen bewährt?

Sowohl im Görlitzer Landratsamt als auch bei der Rettungsleitstelle in Hoyerswerda ist man mit dem System sehr zufrieden. „Das Rettungspunktsystem wurde von der Bevölkerung positiv aufgenommen“, sagt Gerlind Walter vom Landratsamt. Auch Dirk Reich von der Rettungsleitstelle sagt: „Das System läuft und ist eine gute Sache.“