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Geld und Recht

Was bringt die Zukunft?

Dresdner Werk von Bosch nimmt Büro-Betrieb auf.

© Pixabay.com

Die Eröffnung des neuen Dresdner Werkes von Bosch steht unmittelbar bevor. Mit Kosten von rund einer Milliarde Euro stellt die Halbleiterfabrik die größte Investition dar, die Bosch in seiner 130-jährigen Firmengeschichte getätigt hat. Seit Mitte Oktober beziehen nun die ersten Mitarbeiter ihre Büros: Bis zum Jahresende sollen es rund 200 Stück sein, insgesamt soll das Werk allerdings in Zukunft 700 Angestellte beschäftigen. Was sind die Pläne der Firma am Standort Dresden?

Einsatz bei Elektro-Mobilität

Die Eröffnung der neuen Halbleiterfabrik ist Teil von Boschs langfristigem Plan, seine Position auf dem Markt der E-Mobilität weiter auszubauen. Denn die auf einem 300-Millimeter-Verfahren basierenden Wafer, welche bald im Werk produziert werden, sollen unter anderem in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Zudem ist eine Verwendung der Wafer auch für das IoT, das „Internet of Things“, geplant. Durch die aus Siliziumkarbid gefertigten Chips wäre es möglich, die Reichweite von Elektroautos um etwa sechs Prozent zu erhöhen. Dies sogar bei geringeren Ladezeiten der Batterie. Aktuell ist die im Vergleich zum Verbrennungsmotor geringe Reichweite der Elektromotoren eine der größten Achillesfersen der vielversprechenden E-Mobilität. Eine Verwendung der Chips könnte zudem die Kosten für E-Batterien senken. Die Mikrochips sollen zudem in ESP-Systemen, Airbags und Geräten zur Motorsteuerung eingesetzt werden.

Standort Dresden

Doch warum gerade der Standort Dresden? Tatsächlich hat die sächsische Stadt sich im direkten Konkurrenzkampf gegen Standorte wie New York und Singapur behauptet. Die Antwort ist vielschichtig: Dresden ist das Zentrum des wirtschaftsstärksten Raums der neuen Bundesländer, weshalb nicht nur Bosch hier seine Zelte aufgeschlagen hat: Infineon Technologies, das 1994 als Teil von Siemens in Dresden entstand, ist der größte Arbeitgeber der Region und zählt über 2.000 Mitarbeiter in der Stadt. Auch Internet-Riese Amazon betreibt eine Fabrik in Dresden: Das amerikanische Unternehmen ist mit einem Marktwert von über 750 Milliarden Dollar eines der erfolgreichsten der Welt, bei einem Aktienkurs von 1.736,43 US-Dollar (Stand 15. Oktober). Dieser stellt einen entscheidenden Grund dafür dar, weshalb auch professionelle Anleger auf einen positiven Zukunftstrend des Unternehmens vertrauen und Amazon Aktien kaufen. Ebenfalls in der Halbleiterherstellung tätig ist Globalfoundries Inc. Das Unternehmen mit Hauptsitz in den USA bearbeitet Aufträge in seinem Werk in Dresden und fertigt dort ebenfalls Wafer-Chips an. Und auch die Anwesenheit der Telekom mit einem Dresdner Standort zeigt die wirtschaftliche Signifikanz der Stadt: Der Telekommunikation-Marktführer beschäftigt mit T-Systems Multimedia Solutions in Dresden rund 1.000 Mitarbeiter.

Bosch begründet die Standortentscheidung unter anderem mit der Nähe zur Zulieferindustrie, insbesondere dem Partner Infineon und dem Reutlinger Werk. Tatsächlich hat Dresden sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der wirtschaftlichen Vorzeigestädte im Osten des Landes entwickelt. Weitere wichtige Arbeitgeber in der Stadt sind:

● Von Ardenne Anlagentechnik GmbH (631 Mitarbeiter)
● GlaxoSmitKline Biologicals (700 Mitarbeiter)
● Elbe-Flugzeugwerk Dresden (1.100 Mitarbeiter)
● Drewag, Stadtwerke Dresden GmbH (1.300 Mitarbeiter)

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Wird Dresden weitere Global Player anziehen?

Sollte Bosch mit seinem Vorhaben erfolgreich sein, könnte dies noch weitere Global Player nach Sachsen locken. Wie man bereits Mitte des Jahres feststellen konnte, wächst die Wirtschaftsleistung in den neuen Bundesländern aktuell deutlich stärker als im Bundesschnitt. Dresden ist mit der größte Motor für dieses Wachstum. Durch die hohe Dichte an Großunternehmen in der Stadt verbessert sich auch die Infrastruktur. Ein Kaskaden-Effekt entsteht, der mit den bereits ansässigen Unternehmen verbundene Industrien anlockt. Bosch, mit seiner starken Verbindung zu Partner Infineon, ist hier nur das aktuellste Beispiel. Und die 700 geplanten neuen Arbeitsplätze müssen noch nicht das Ende für die Ehe Dresden und Bosch bedeuten: Bei Erfolg könnte das Werk in Zukunft nämlich noch weiter expandieren.

Fazit

Das Dresdner Werk von Bosch nimmt langsam seine Arbeit auf. 200 Mitarbeiter sollen bis Ende des Jahres ihre Büros bezogen haben, bis 2021 könnte die Zahl auf 700 Stück anwachsen. Dies könnte Boschs Stellung im Markt der E-Mobilität weiter festigen, die Firma tätigte so in Dresden die größte Investition ihrer Geschichte. Als Milliarden-Unternehmen steht Bosch in Dresden jedoch nicht alleine da: Global Player wie Amazon und weitere wichtige Unternehmen wie Infineon nutzen ebenfalls die gute Infrastruktur des Standorts. Für Sachsen sind das wirklich gute Nachrichten.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur P. Landgraf.