merken

Was bringt Tempo 30 wirklich?

Viele Bautzener haben Zweifel am Sinn der Geschwindigkeitsbegrenzung. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

© Uwe Soeder

Von Stefan Schramm

FLORIAN -Die Fachmesse für Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz

Vom 10. bis 12. Oktober 2019 werden auf der FLORIAN die Technologien der Zukunft für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz gezeigt.

Bautzen. Tempo 30 auf dem Kornmarkt – und nicht nur dort. Auch auf der Steinstraße und dem Lauengraben will die Bautzener Stadtverwaltung die zulässige Höchstgeschwindigkeit zunächst probehalber von 50 auf 30 km/h herabsetzen. Die Maßnahme ist Teil eines großangelegten Verkehrsversuchs, der noch Ende Januar oder Anfang Februar beginnen und voraussichtlich bis in den Sommer andauern soll. Geplant ist auch die Einrichtung eines Kreisverkehrs an der Schliebenstraße. Die Ankündigung des Versuchs hat zu regen Diskussionen geführt – auch auf der Facebookseite der SZ. Die Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen der Leser.

Die Verwaltung hofft auf Hinweise zum Versuch aus der Bevölkerung per E-Mail an [email protected].de

Fragen & Antworten zu Tempo 30

Welche Vorteile hat die Begrenzung der Geschwindigkeit auf Tempo 30?

Verkehrsexperte Prof. Dr. Dieter Müller vom Institut für Verkehrsrecht und Verkehrsverhalten Bautzen (IVV) sieht zwei gewichtige Vorteile: Einerseits habe ein geringeres Tempo eine höhere Verkehrssicherheit zur Folge. Von dieser profitieren Fußgänger und Radfahrer, aber auch Autofahrer, da schwere Unfälle abnehmen. Andererseits fließe der Verkehr durch eine geringere Geschwindigkeit besser. „Viele Staus resultieren aus dem Beschleunigungs- und Bremsverhalten der Autofahrer“, sagt Dieter Müller.

Steigt die Feinstaubbelastung durch die Maßnahme oder sinkt sie?

Die Verstetigung des Verkehrs führe in der Regel zu einem geringeren Abgasausstoß, verweist der Verkehrsexperte auf Erkenntnissen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. „Deshalb wären Emissionsmessungen vor Beginn und während des Projektes sehr sinnvoll“, so Dieter Müller. Der Stadt zufolge soll der Versuch neue Erkenntnisse für den Verkehrsablauf, aber auch für Umweltaspekte bringen. Das Durchschnittstempo zwischen Vogelkreuzung und Holzmarkt liege schon jetzt bei 40 km/h, so dass davon auszugehen sei, dass durch Motorgeräusche verursachte Emissionen sich nicht wesentlich erhöhen. „Mit einem geringeren Tempo werden die Geschwindigkeitsspitzen reduziert und durch Anfahr- und Bremsvorgänge entstehende Emissionen gemindert“, begründet Stadtsprecher André Wucht. Derzeit arbeite die Stadtverwaltung an der Aktualisierung des Lärmaktionsplanes für Bautzen.

Warum gibt es auf der Westtangente keine durchgehende grüne Welle?

Viele Autofahrer wenden ein: Wichtiger als Tempo 30 in der Innenstadt sei eine funktionierende Umfahrung. Sie fordern deshalb eine durchgehende grüne Welle auf der Westtangente. „Das ist verkehrstechnisch nicht möglich“, erklärt Isabel Siebert, Sprecherin des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (LASuV). Grund sind nach ihrer Darstellung die unterschiedlich großen Abstände zwischen den Kreuzungen der Umgehungsstraße. Zwei unabhängig voneinander funktionierende Grüne-Welle-Bereiche seien umgesetzt worden – von der Neusalzaer Straße zum Abzweig Herrenteichsiedlung sowie zwischen dem Tunnel und der Jordantalbrücke.

Wurde die Westtangenten-Auslastung bei der Planung „schöngerechnet“?

Grüne Welle oder nicht – Fakt ist: Die Auslastung der Westtangente liegt unter den Erwartungen. 6300Fahrzeuge wurden im Frühjahr 2014 auf der Strecke gezählt. Isabel Siebert wendet jedoch ein: Die turnusmäßige, bundesweit aller fünf Jahre stattfindende Verkehrszählung stehe erst 2015 wieder an. „Erst danach können Vergleiche mit Prognosewerten seriös vorgenommen werden“. Die Prognose des Verkehrsaufkommens für 2020 liege bei 9700 bis 10700 Fahrzeugen in unterschiedlichen Bereichen der Westtangente. Die Beschilderung der Innenstadtumfahrung mit den üblichen Vorwegweisern und Wegweisern hält das Landesamt für ausreichend.

Welchen Effekt kann der Kreisverkehr an der Schliebenkreuzung bringen?

„Ein Kreisverkehr bringt eine Verkehrsverflüssigung“, sagt Dieter Müller. Die Staus an den Ampeln entfallen, Konfliktsituationen mit Fußgängern und Radfahrern beim Abbiegen kommen seltener vor. „Die Querung wird in der Regel mittels Zebrastreifen ermöglicht“, erklärt der Verkehrsexperte. Die Auswirkungen werde man nach dem Test kennen. „Wer nichts versucht, kann nichts gewinnen.“ Viele Vorurteile gegen Tempo 30 oder Kreisverkehre beruhten nur auf Ängsten vor Veränderung.

1 / 5
Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.
Wahl-Special