merken

Was der Krone-Beschluss bedeutet

Bautzens OB und die Stadträte haben sich geeinigt. Die SZ erklärt, wie es mit der Stadthalle jetzt weitergeht.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Es wird wieder verhandelt. Das ist die wichtigste Botschaft, die aus der Sondersitzung des Stadtrates am Mittwochabend hervorgeht. Bautzens Oberbürgermeister und die Stadträte haben sich auf einen Beschlusstext geeinigt. Demnach wird sich die Verwaltung jetzt mit dem Besitzer des Krone-Areals zusammensetzen und über den Kaufpreis für die Stadthalle samt Parkplatz sprechen. Die SZ erklärt, wie genau das ablaufen soll.

Anzeige
Ausschreibung der Gemeinde Lohsa
Ausschreibung der Gemeinde Lohsa

Wir suchen zur Betreibung der Kindertagesstätten in Lohsa einen Träger.

Bilder aus der Krone

Die Situation: Bautzens OB und die Stadträte stimmen für Kompromiss.
Am Ende waren sich doch fast alle einig. Nur zwei Stadträte enthielten sich bei der Entscheidung am Mittwochabend. Der Rest stimmte für den Kompromissvorschlag des Bautzener Oberbürgermeisters. Der hatte zuvor einem von CDU, FDP, Bürgerbündnis und Grünen eingebrachten Beschluss zu den Krone-Verhandlungen widersprochen, da er verschiedene Formulierungen für rechtswidrig hielt. Die betreffenden Passagen wurden überarbeitet, die geänderte Beschlussvorlage am Mittwoch erneut zur Abstimmung gebracht.

Die Verhandlung: Die Stadtverwaltung soll mit dem Besitzer reden.
Ein Teil des Kompromisses bezieht sich darauf, wer die Kaufverhandlungen führen wird. Im ersten Beschluss hatten die Stadträte gefordert, dass die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB) mit dem Besitzer sprechen soll. Dieser Teil wurde nun geändert. Die Stadtspitze selbst wird jetzt die Verhandlungen übernehmen. BWB-Chefin Kirsten Schönherr soll der Stadt lediglich beratend zur Seite stehen. Über den Stand der Verhandlungen wird der Oberbürgermeister den Stadtrat einmal pro Monat informieren. Allerdings beinhaltet der Beschluss nicht, dass die Stadt das Krone-Areal auch tatsächlich kauft. Darüber muss der Bautzener Stadtrat nach den Verhandlungen erneut abstimmen.

Der Preis: Die Stadt will sich am Verkehrswert orientieren.
Bei der Diskussion über den Kauf des Areals an der Töpferstraße spielt der Preis eine entscheidende Rolle. Ursprünglich verlangte die Berliner Onnasch-Gruppe 2,7 Millionen Euro für die Fläche. Die Stadt wollte diesen Preis nicht zahlen und beauftragte die Wohnungsbaugesellschaft (BWB) damit, herauszubekommen, ob ein Kauf des Geländes zu vertretbaren Konditionen machbar sei. Die Verhandlungen waren erfolgreich. Der Besitzer rückte um eine halbe Million Euro von seiner Preisvorstellung ab. Bei diesen 2,2 Millionen Euro ist es geblieben. Doch auch dieser Preis ist zu hoch, meint Alexander Ahrens (SPD). In dem jetzt gefassten Beschluss steht deshalb, dass die Stadt einen Kauf des Areals zum Verkehrswert anstrebt. Dieser liegt laut Gutachten bei 1,6 Millionen Euro. „Das heißt aber nicht, dass jetzt bei einer bestimmten Summe die Verhandlungen abgebrochen werden“, erklärt der Oberbürgermeister. Der Stadtrat hat vorerst nur einen Richtwert und keinen Höchstpreis beschlossen.

Die Nutzung: Was aus dem Gebäude wird, bleibt offen.
Viele Bürger sahen sich die Sondersitzung des Stadtrates am Mittwoch an – auch die Mitglieder jener Bürgerinitiative, die eigens für die Erhaltung der Stadthalle gegründet wurde. Doch ob das Gebäude tatsächlich eine Zukunft hat, das erfuhren sie dort nicht. Zwar steht im neuen Beschlusstext nun eine Formulierung zum Zweck des Kaufes. Darauf hatte der OB gedrängt, und das schreibt auch die Sächsische Gemeindeordnung so vor. Doch dieser Zweck lässt viel Spielraum. Die Stadt möchte die Krone als „Vorhaltefläche für die Stadtentwicklung“, heißt es im Beschluss. „Ob es für die Krone tatsächlich eine Chance gibt, oder ob das Gebäude abgerissen wird, darüber muss noch gesprochen werden“, erklärte Ahrens bei der Sondersitzung am Mittwoch. Allerdings hatte sich der OB schon in vorangegangenen Diskussionen kritisch zum Erhalt des Hauses geäußert.

Um die Stadthalle weiter zu nutzen, kämen neben dem Kaufpreis nach ersten Schätzungen der Stadt noch Investitionen in Höhe von mindestens vier Millionen Euro hinzu. Zudem wäre eine sanierte Halle mit 750 Plätzen heute nicht mehr marktgerecht, meint Ahrens. Für ihn kommt daher nur der Abriss in Betracht, weshalb er bisher auch den Stand vertrat, dass er nicht viel mehr als 430 000 Euro zahlen will.

Der Verkäufer: Die Stadt ist nicht der einzige Interessent, sagt der Besitzer.
Krone-Besitzer Alexander Kindermann sieht das Ergebnis der Sondersitzung gelassen. „Ich bin weiterhin bereit, mit der Stadt zu reden“, sagt der Berliner. Gleichzeitig spricht er von einem Interessenten, der dort ein Pflegeheim errichten will. Auch an ihn würde Kindermann das Areal abgeben. Der Interessent hat erst in dieser Woche eine Bauvoranfrage bei der Verwaltung eingereicht. Ahrens kennt den potenziellen Käufer, da sich dieser schon vor zwei Jahren bei der Stadt vorgestellt hat. Später habe man von ihm aber nichts mehr gehört, meint der Oberbürgermeister. Dass die Bauanfrage genau am Tag der Sondersitzung bei der Stadt einging, hält der OB für einen merkwürdigen Zufall. „Wir dürfen unsere Strategie nicht von vermeintlichen Kaufangeboten diktieren lassen“, betont er.