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Was geschah am Unglücksfelsen?

Zum Absturz der beiden Kletterer am Oderwitzer Spitzberg gibt es neue Erkenntnisse. Das Risiko aber wird bleiben.

© Matthias Weber

Von Thomas Christmann

Eine Lücke im Vulkangestein an der Mittelwand. Sie ist etwa zwölf Zentimeter dick, 40 hoch und breit. An dem abgebrochenen Stück hat der Umlenkhaken gehangen, mit dem am Montag ein Mann und eine Frau am Oderwitzer Spitzberg in die Tiefe stürzten. Der 36-Jährige überlebte den Aufprall nicht, die 41-Jährige kam mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Um ihre Familienangehörigen kümmerte sich danach ein Kriseninterventionsteam.

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Kletterer stürzen am Spitzberg ab

An der Unfallstelle stand gestern Bettina Wobst. Am Montag hat sie für einen Bericht im MDR-Sachsenspiegel vor Ort gedreht, speziell über den Klettersteig. Er sollte als österlicher Ausflugstipp abends zu sehen sein. Sie führte mehrere Gespräche mit den Besuchern. „Um die Atmosphäre einzufangen“, wie die Kletterexpertin sagt. Darunter befand sich auch die später Verunglückte. Es sei schön, in der Natur zu sein, soll diese in einem kurzen Interview geäußert haben. Beim Dreh des Abschlussbildes vom Plateau des Berges filmte der Kameramann dann zufällig erneut die Frau, die gerade mit einem Mann an der Mittelwand kletterte. In dem Moment sollen beide abgestürzt sein.

Es sei das Schlimmste, Zeuge eines so tragischen Unglücks zu werden, sagt Bettina Wobst. Seit mehr als 20 Jahren klettert die 39-Jährige, inzwischen auch beruflich für das Biwak-Magazin im MDR. In der Zeit hat die Reporterin schon viel erlebt, etwa Steinschläge in der Hohen Tatra und das Umfallen eines Eisturmes am Mount Everest. Nie kam jemand ums Leben.

„Wir standen alle unter Schock“, sagt sie nun. Später schaute sich Wobst die Filmaufnahmen an. Ihr zufolge ist darin zu sehen, dass sich der Mann und die Frau an einem Umlenkhaken befestigt haben. „Das ist ungewöhnlich“, sagt die Kletterexpertin. Eigentlich wird nur das Seil dort eingehängt, und der Partner sichert den Kletternden vom Boden aus. Warum das in dem Fall nicht so passierte, bleibt Spekulation. Auf dem Video soll auch zu sehen sein, wie der Mann mit dem Abseilen begann und die Frau den Umlenkhaken überkletterte, um sich dann fallenzulassen. Dabei löste sich vermutlich das Gestein.

Es gebe immer wieder Situationen, in denen sich zeige, wie stark die Natur sei, sagt Wobst. Ein Risiko bleibe. Gestern fühlte sie sich noch ziemlich aufgewühlt, konnte die Nacht nicht schlafen. Dennoch kehrte sie bewusst an den Unfallort zurück, auch, weil sie die tragische Geschichte dadurch verarbeiten will.

Laut dem Betreiber Volker Heinrich werden jedes Frühjahr alle mehr als 100 Routen am Spitzberg grundlegend überprüft. Dazu zählen auch die 40 Umlenkhaken. Diese halten zwei Tonnen aus, aber das Vulkangestein bleibt ein Risiko. Der Grund: Durch die unterschiedlichen Eruptionsphasen können sich innerlich Risse bilden. Als Bauingenieur habe er zwar ein Gefühl für Festigkeit, könne jedoch nicht hinter den Felsen schauen, sagt Heinrich. Lediglich Hohlräume seien ausfindig zu machen. Der Kletterpark, den er 2011 mit Freunden angelegt hat, ist sein Lebenswerk. Inzwischen ist er wieder geöffnet.

Die Filmaufnahmen des Unfalles sollen nun der Polizei übergeben werden. Bettina Wobst will auch künftig klettern. Es sei ein schmaler Grat zwischen Gefahr und intensivem Leben, sagt sie. Die Berge könnten auch Freunde sein, warm und weich.