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„Was haben wir falsch gemacht?“

© Archivfoto: dpa

Im Prozess gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen der sogenannten Gruppe Freital kam es am Dienstagmorgen zu einer unerwarteten Unterbrechung.

Dresden. Im Prozess gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen der sogenannten Gruppe Freital kam es am Dienstagmorgen zu einer unerwarteten Unterbrechung.

Ein 1981 in Damaskus geborenener Syrer hatte gerade angefangen, in der Hauptverhandlung vor dem Oberlandesgericht Dresden von dem Sprengstoffanschlag auf seine Unterkunft in der Wilsdruffer Straße in Freital zu berichten, als Verteidiger Karsten Brunzel um eine Pause bat. Seine Mandantin Maria K. fühle sich nicht wohl, sagte er. Bereits seit Montagabend leide sie an Schwindel und Übelkeit, der Kreislauf mache ihr Probleme. Richter Fresemann musste die Verhandlung deswegen nach wenigen Minuten unterbrechen, damit K. untersucht werden konnte.

Nach einer einstündigen Unterbrechung setzte der ehemalige Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in der Wilsdruffer Straße in Freital am Vormittag seine Aussage fort. Er schilderte, dass er sich am Abend des 31. Oktober 2015 in der Küche aufgehalten habe. Er habe mit Mitbewohnern Karten gespielt. Einer sei plötzlich in die Küche gekommen und habe gesagt: „Da steht was in der Ecke am Fenster, von außen!“ Er sei aufgestanden, habe sich umgedreht und das Objekt auch gesehen. Der Zeuge sagt, es habe wie ein „Dynamitstock“ ausgesehen, er habe auch eine Schnur brennen sehen. Sofort habe er den Mitbewohner aus dem Raum geschoben und die Tür zugemacht. „Die Explosion war sehr laut, wir sind alle drei auf den Boden gefallen“, sagte der 36-Jährige.

„Was haben wir falsch gemacht, und warum wurden wir angegriffen?“, fragte der Mann am Ende seiner Vernehmung. Eine Antwort erhielt der Zeuge nicht.

Eine Nebenklage-Anwältin sagte an die Angeklagten gerichtet, das wäre jetzt eine Gelegenheit gewesen, sich zu entschuldigen und Reue zu zeigen. Doch erst, als der Syer den Gerichtssaal verlassen hatte, sagte Justin S., der jüngste Angeklagte: „Ich möchte mich bei allen Geschädigten entschuldigen.“ Fresemann frage, ob er denn auch bereit sei, das auch den Geschädigten zu sagen? - „Ja.“ Anschließend unterbrach der Vorsitzende zur Mittagspause. Am Nachmittag wird ein weiterer Mitbewohner aussagen.

Die acht Angeklagten - sieben Männer und eine Frau aus Freital und Dresden - müssen sich seit Anfang März unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen verantworten. (SZ/lex)