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Was im Bahnhof noch zu tun ist

Beleuchtung und Fliesen sollen erneuert werden. Das löst aber noch nicht alle Probleme.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Fehlende Hartnäckigkeit kann man dem Bundestagsabgeordneten André Hahn (Die Linke) nicht vorwerfen. Die Bemühungen um den Meißner Bahnhof in Cölln reißen auch im Hochsommer 2017 nicht ab. Im Rahmen seines Wahlkreistages, der gegen 18 Uhr mit einer 90-minütigen Bürgersprechstunde enden soll, kommt Hahn am vergangenen Dienstag um 13.35 Uhr am Meißner Bahnhof an. Hier will der 54-jährige mit vielen Beteiligten über „Lösungswege für mehr Attraktivität, Sauberkeit und Sicherheit“ sprechen, heißt es im Vorhinein in der Einladung des Politikers. Unter anderem folgen ihr Heiko Klaffenbach, Bahnhofsmanager von der Deutschen Bahn, Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos), ein Vertreter des Fahrgastverbandes Pro Bahn sowie Mieter innerhalb des Bahnhofs und von der Taxi-GmbH Funktaxi-Meißen.

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Wo ginge so ein Treffen besser, als im Bahnhofsgebäude selbst. Schließlich fallen hier die unschönen Seiten des im Stil der Neuen Sachlichkeit gehaltenen, vor acht Jahren energetisch sanierten Hauses, gleich ins Auge. „Vor allem der Fußgängertunnel mit den vielen ausgebrochenen Fliesen und verdreckten Ecken entspricht nicht dem Anspruch, den eine Touristenstadt wie Meißen an ihren Bahnhof stellt“, sagt der Bundestagsabgeordnete, der an diesem Nachmittag mehr will, als eine Bestandsaufnahme, sondern sich klare Zusagen wünscht – insbesondere von Bahnmanager Klaffenbach. Mitten in der Bahnhofshalle stellt der sich der Diskussion und erinnert zunächst daran, dass die Bahn in den vergangenen Jahren „in Größenordnungen“ zwischen den Bahnhöfen Dresden und Meißen investiert habe.

„Die Bahnsteige auf dieser Verbindung sind in einem deutschlandweit einmalig guten Zustand und lange nicht mehr so trist wie noch vor fünf bis zehn Jahren.“ Von einem unzumutbaren Zustand des Bahnhofs Cölln könne keine Rede sein, stellt Klaffenbach vorweg klar, räumt aber Sauberkeitsprobleme im Personentunnel und auf der Bahnhofstoilette ein. Mit der 50 Cent-Regelung für die Nutzung der Toilette habe man jetzt aber eine tragfähige Lösung gefunden.

Grundsätzlich dürfe nicht vergessen werden, dass Meißens Bahnhof nur zur Kategorie 5 von 7 möglichen gehöre. „Es ist offiziell ein Bahnhof auf Kleinstadtniveau. Eine Toilette ist für einen solchen nicht einmal vorgeschrieben. Trotzdem hat die DB hier schon mehrfach Geld in die Hand genommen“, wirbt er für Verständnis, dass man für Vandalen oder unachtsame Bürger nichts könne. Jedoch stimmt Klaffenbach zu, dass in bestimmten Bereichen Verbesserungen ins Auge gefasst werden müssen. „Wir wollen neben Bäcker, Buchladen und Restaurant gerne mehr Mieter hier haben und sind auch in Gesprächen.“ Konkreter wird der DB-Mitarbeiter, wenn es um neue Bodenfliesen für den Fußgängertunnel als auch eine bessere Beleuchtung im Bahnhofsgebäude geht. Man sei mit Baufirmen im Gespräch, neue, rutschfeste Fliesen zu verlegen. Außerdem beabsichtige man, die Neonröhren in der Bahnhofshalle gegen von der Decke hängende Leuchten nach historischem Vorbild auszutauschen.

Bestenfalls könnten die Arbeiten dazu noch dieses Jahr beginnen, wenn sich eine Baufirma finden ließe. „Auch was die Gestaltung weißer Wände mit Werbung, Kunst oder Stadtplänen betrifft, sind wir gesprächsbereit. Aber es geht nur gemeinsam mit der Stadt, der Politik und dem Denkmalamt“, so Klaffenbach. Für Ronny Hausdorf von Pro Bahn ist wichtig, dass der Bahnhof belebt bleibt. „Das stärkt das Sicherheitsgefühl der Reisenden.“ Doch gerade Mieter haben es nicht leicht. „Wir zahlen nicht nur Miete für unsere Ladenflächen, sondern auch eine Nebenkostenpauschale für die tägliche Reinigung an die DB“, erzählt Steffen Heinrich, Chef des Bahnhofsrestaurants Saxonia. Letztlich müsse die Bahn einsehen, dass am Meißner Bahnhof nicht in statischen Kategorien gedacht werden darf. Aufgrund der geschichtlich-kulturellen und architektonischen Bedeutung der Stadt, müsse auch für ihren Bahnhof ein anderer ästhetischer Maßstab gelten, als gewöhnlich.

Zumindest zum Teil scheint diese Forderung bei der Bahn angekommen zu sein.