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Was jetzt auf Ryanair-Kunden zukommt

Die irische Billigfluglinie streicht in den kommenden Wochen 2 000 Verbindungen. Jetzt steht die Liste der Ausfälle fest.

© dpa

Dublin. Der Billigflieger Ryanair hat eine Liste aller gestrichenen Flüge der kommenden Wochen auf seiner Webseite (siehe Link am Textende) veröffentlicht. Betroffene Passagiere würden zudem per E-Mail über die Streichungen benachrichtigt, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Dienstag mit. Wird ein Flug abgesagt, können Ryanair-Kunden entweder eine Rückerstattung beantragen oder kostenlos auf einen anderen verfügbaren Flug umbuchen. Am Dienstag sind allein sechs Flüge von und nach Deutschland betroffen – auf den Strecken Nürnberg-Mailand, Köln-Mailand sowie Berlin-Dublin.

Ryanair hatte am Freitag angekündigt, bis Ende Oktober täglich bis zu 50 ihrer mehr als 2500 Flüge abzusagen. Dies wären insgesamt rund 2 000 Verbindungen. Dies werde aber für weniger als zwei Prozent der Kunden Auswirkungen haben, hieß es. Mit der Maßnahme will das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Pünktlichkeit verbessern. Zudem müssten Urlaubsansprüche der Crews berücksichtigt werden.

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Die EU-Kommission mahnte Ryanair, die europäischen Verbraucherrechte der Passagiere zu achten. Gleichzeitig wurden Zweifel an der von Ryanair vorgebrachten Begründung laut. Statt einer verfehlten Personalplanung könnten nach Ansicht von Experten auch massenhafte Kündigungen von Piloten hinter den Flugstreichungen stehen. Die deutsche Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sagte der Mitteldeutschen Zeitung, dass Ryanair-Piloten massenhaft das Weite suchten und bei anderen Gesellschaften anheuern wollten.

Ryanair-Chef Michael O’Leary betonte, dass es keinen Personalengpass gebe. Er rechnet durch die Flugstreichungen mit einem negativen Ergebniseffekt von „unter fünf Millionen Euro“. Die Ausgleichsansprüche bezifferte der Manager auf bis zu 20 Millionen Euro. O’Leary räumte ein, dass die Streichungen das Image von Ry-anair beschädigen könnten.

Nach einschlägigen EU-Regeln aus dem Jahr 2004 müssen Airlines ihre Kunden mindestens zwei Wochen vor dem Abflug über eine Streichung informieren. Ist die Frist kürzer, müssen sie den Passagieren eine neue Verbindung anbieten. Je weniger Zeit bis zum gebuchten Abflug bleibt, desto weniger Spielraum hat die Airline: Werden Kunden weniger als sieben Tage vorher unterrichtet, darf der Ersatzflug nicht mehr als eine Stunde früher abgehen und nicht mehr als zwei Stunden später ankommen als die ursprünglich gebuchte Verbindung. Schafft die Fluglinie das nicht, muss sie Kunden entschädigen, wie die Kommission klarstellte. Man erwarte, dass sich Ryanair daran halte. Für die Durchsetzung der Rechte zuständig seien aber nationale Behörden, in Deutschland das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig.

Ein Luftfahrtexperte sieht noch einen ganz anderen Grund, warum Ryanair so viele Flüge vom täglichen Plan steicht. Ryanair bereitet sich nach Einschätzung von Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne auf den möglichen Fall vor, dass die insolvente Air Berlin ihren Flugbetrieb aus Geldmangel vorzeitig einstellen muss. „Im Fall eines vorzeitigen Groundings der Air Berlin müssten die begehrten Start- und Landerechte vom zuständigen Koordinator der Bundesrepublik sofort neu vergeben werden“, sagte Wissel. Den Zuschlag könnten aber nur Gesellschaften erhalten, die dann auch mit entsprechenden Flugzeugen die Strecken tatsächlich fliegen könnten. Dafür wolle Ryanair einige Maschinen in der Hinterhand haben, vermutete Wissel. (dpa)