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Was Jugendliche auf dem Dorf wollen

Innerhalb weniger Wochen hat der Kellerclub 25 in Niederottendorf neue Mitglieder gewonnen. Die sollen so lange wie möglich bleiben.

© Daniel Schäfer

Von Nancy Riegel

Neustadt. Nicht immer nur zu Hause sitzen und zocken, auch mal unter Leute kommen. Der 15-jährige Lukas Donner weiß ziemlich genau, was er sich von einem Jugendklub erhofft. Im Kellerclub gehört er zu den 25 Jugendlichen, die seit Kurzem dazugehören. „Meine Freunde und ich hatten bisher keinen festen Platz, an dem wir uns treffen konnten. Jetzt schon.“

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Es klingt fast so, als hätte Lukas kürzlich zum ersten Mal vom Kellerclub gehört. Aber so ist es nicht. Den Treffpunkt hinter der Turnhalle Niederottendorf in Neustadt gibt es schon seit fast genau 25 Jahren. In seinem Jubiläumsjahr allerdings sah es zunächst düster aus um die Zukunft des Vereins. Zum Pfingstfest, man kann sagen, Neustadts größter Party, waren die Veranstalter ziemlich ausgelaugt. „Die Organisation wurde von wenigen Leuten geschultert. Die sind mittlerweile erwachsen, sind berufstätig und haben Familie“, berichtet Thomas Schäfer, der als Geschäftsführer des Kellerclubs tätig ist. Der 38-Jährige zählt sich selbst zu den „Alten“ des Kellerclubs – denen, die schon seit ihrer Jugend dabei sind und es bis jetzt geblieben sind. Beim Vorsitzenden Tom Mamat ist es genauso. „Früher haben wir uns regelmäßig getroffen, Darts gespielt und gequatscht. Das wird natürlich weniger, je älter man wird.“

Umso wichtiger ist es, dass der Kellerclub neue Mitglieder gewinnen konnte. Durch Aufrufe bei Facebook und Gesprächsrunden haben sich immer mehr junge Leute aus Neustadt und den Ortsteilen gefunden. Thomas Schäfer und Tom Mamat ist bewusst, dass man ihnen nicht sofort zumuten kann, den Laden komplett alleine zu schmeißen und dann noch das Pfingstfest zu organisieren. Es ginge erst einmal darum, dass sich eine Gruppendynamik bilde, dass sich die Leute gut untereinander verstehen, überlegt Thomas Schäfer. „Der Kellerclub muss belebt sein. Alleine für das Pfingstfest können wir den Jugendklub nicht aufrechterhalten.“

Damit die Jugendlichen nicht nur ein-, zweimal kommen und dann die Lust verlieren, sollen sie den Kellerclub aktiv mitgestalten. Als erste Maßnahme wurde eine Tischtennisplatte gekauft. Über den Sommer hinweg sollen weitere Ideen gesammelt werden. Thomas Schäfer könne sich gemeinsame Ausflüge vorstellen, zum Beispiel Campen am See. Die Jugendlichen selbst scheinen gar nicht so anspruchsvoll zu sein. Für die 17-jährige Auszubildende Marie Hähnel ist es wichtig, dass sich eine Gemeinschaft bildet, in der sich alle gut verstehen. Max Grohmann, 16, will vor allem einen Ort, an dem er und ein Kumpel sich mit anderen treffen können. Wichtig sei beiden, dass es im Kellerclub keine Erzieher gibt, die jeden Schritt der Jugendlichen überwachen. „Sie sollen eigenständig handeln und Verantwortung übernehmen. Das war im Kellerclub schon immer so und soll auch so bleiben“, sagt Thomas Schäfer.

Im Spätsommer trifft sich der Vorstand des Kellerclubs, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Bis dahin seien von den 25 Neuen hoffentlich noch die meisten da. Dann wird entschieden, wie es mit dem Jugendklub weitergeht – und auch, ob das Pfingstfest eine Zukunft hat.