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„Was machen die den ganzen Tag?“

Die Brandschutzwachen für drei Grundschulen beschäftigen jetzt auch den Stadtrat. Die Räte interessierten sich besonders für die Kosten.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Riesa. In drei unsanierten Riesaer Schulen des Bautyps Dresden stehen derzeit Brandschutzwachen. Der Brandschutz entspricht nicht dem neusten Stand (SZ berichtete). Für CDU-Stadtrat Kurt Hähnichen drängte sich in der Stadtratssitzung am Mittwochabend daher die Frage auf: „Was machen die den ganzen Tag?“ Laut Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) bemühen sich die Rathausmitarbeiter mit Feuerwehrausbildung vor allem um den vorbeugenden Brandschutz. Stadtrat Stefan Schwager (Freie Wähler) hielt die Frage seines Kollegen Hähnichen für überflüssig. „Es ist völlig egal, was die im Einzelnen den ganzen Tag machen, solang sie eine solch wichtige Funktion erfüllen, wie unsere Kinder zu schützen.“ Eine andere Frage sei hingegen viel drängender: „Was haben wir in den letzten Jahren verpennt, dass wir jetzt zu solchen Maßnahmen greifen müssen?“

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Dies ist wohl noch immer ein Vermächtnis des geplatzten Schulzentrums. In dem Neubau für rund 24 Millionen Euro in Weida sollten zwei Grundschulen und die Oberschule am Merzdorfer Park einziehen. Das Vorhaben war 2015 aber schließlich begraben worden, nachdem die Landesregierung eine Absage für die finanzielle Förderung ausgesprochen hatte. Über die lange Planungsphase hinweg wurde in die Grundschulstandorte nicht mehr wesentlich investiert.

Laut Hauptamtsleiter Marcus Gierth verursachen die beiden Kollegen in den Grundschulen Magdeburger Straße und Breitscheidstraße erst einmal keine weiteren Kosten, weil sie lediglich innerhalb der Verwaltung versetzt wurden. Anders verhält es sich bei der Wache in der christlichen Trinitatisschule. Diese wurde bis Ende März befristet eingestellt. „Die Kosten legen wir auf die Betriebskosten des privaten Trägers um“, so Gierth. Das Gebäude gehört der Stadt. Der christliche Schulverein Riesa ist nur eingemietet. Der muss nun also tiefer in die Tasche greifen. Vereinschef Johann Stein nimmt das nun „erst einmal so zur Kenntnis“. „Wie wir künftig damit umgehen, wird die Zukunft zeigen“, sagt er und lässt dabei durchblicken, dass er nicht der Meinung ist, dass die Stadt die Kosten zu Recht auf den Träger abwälzt. Aus Sicht der Stadtverwaltung klingt das jedoch ganz anders: „Es wurde Einigkeit erzielt, dass der Verein entstehende Kosten für die Brandsicherheitsmaßnahmen übernimmt“, so Stadtsprecher Uwe Päsler. Zu den Kosten der Wachen äußert sich die Stadt nicht. Der Trägerverein der Trinitatisschule denkt laut Johann Stein gerade in alle Richtungen: „Neubau, Sanierung … alles ist möglich.“

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Auch das Tanzstudio Live gerät durch die nun verordneten Brandschutzwachen in Bedrängnis. Denn der Verein der Vorsitzenden Angelika Hoppe ist ebenfalls in der Trinitatisschule eingemietet. Wegen des fehlenden Brandschutzes soll das Tanzstudio die Räume ab April nicht mehr nutzen. Hoppe sitzt die Zeit im Nacken. Einen neuen Standort hat das Tanzstudio bislang nicht gefunden. Laut Stadtverwaltung wurden dem Verein Räume in der Stadthalle Stern angeboten, die früher vom soziokulturellen Zentrum Art genutzt wurden. „Da gibt es aber noch keinen Entscheid“, so Päsler. Laut Andrea Hoppe eignen sich die Räume im Stern nicht. „Zu viel Treppen, zu viele Säulen“, sagt sie. Der Verein brauche rund 500 Quadratmeter mit drei Proberäumen, Fundus, Umkleiden, Büro und Sanitäranlagen. „Die Suche ist sehr schwer. Die Orte, die passen würden, sind einfach zu teuer.“ Die Brandschutzwache, die derzeit zu den Trainingszeiten aufpasst, tut dies ehrenamtlich. „Das mussten wir selbst organisieren, das war die Ansage der Stadt.“