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Was macht Görlitz aus seiner Stadthalle?

Sechs Akteure machen sich Gedanken um die Zukunft des traditionsreichen Bauwerks. Zum Tag des offenen Denkmals sind ihre Visionen hier zu lesen.

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© Nikolai Schmidt

Die Görlitzer Stadthalle ist am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals wieder geöffnet. Im vergangenen Jahr wurde der Förderverein förmlich überrannt. Das könnte auch an diesem Wochenende der Fall sein. Denn letztmals können die Görlitzer den Großen Saal mit dem alten Parkett erleben.

Nach dem Denkmaltag wird die Decke komplett rausgenommen, vorher aber wird die wertvolle Sauer-Konzertorgel sorgsam eingehüllt, damit sie durch den Staub und Dreck der Bauarbeiten nicht Schaden nimmt.

Während die Stadt ihre Sicherungs- und Sanierungsarbeiten in der Stadthalle – also je nach Fördermittellage – vorantreibt, gibt es weiterhin kaum Neuigkeiten, wie die Stadthalle künftig betrieben wird, wofür sie gut sein könnte und was die Halle für positive Effekte darüber hinaus haben könnte. Es fehlt eine Vision für die Stadthalle 2021.

Das sagen sechs Görlitzer Akteure:

Die Stadt muss sagen, wie die Halle betrieben wird

Sven Fiedler: Für den Volksbank-Chef verbinden sich positive Impulse mit der Halle, wenn ein gutes Konzept vorliegt.

Die Sanierung der Stadthalle ist ein für viele Einwohner sehr emotionales Thema. Viele positive Erinnerungen werden mit dem Gebäude verbunden und damit auch entsprechende Hoffnungen. Als regionale Bank führen wir viele unterschiedliche Veranstaltungen im Landkreis, vorwiegend in Görlitz durch. Für kleinere Veranstaltungen haben wir sehr viele hervorragende Möglichkeiten unsere Kunden und Mitglieder zu begeistern. Etwas schwieriger wird es schon, wenn wir deutlich über 200 Kunden einladen. Dafür kommt beispielsweise der Saal der Landskron Kulturbrauerei, das Theater oder eine Kirche infrage. Unsere Mitgliederabende mit 400 bis 500 Teilnehmern führten wir bisher in der Kulturbrauerei durch.

Unser traditionelles Weihnachtskonzert für rund 800 bis 1000 Mitglieder haben wir sowohl in der Kreuzkirche als auch in den vergangenen Jahren in der St. Peter und Paul Kirche erfolgreich organisieren können und eine sehr gute Resonanz erhalten. Eine etwas größere Herausforderung besteht, wenn größere Veranstaltungen anstehen. Dafür haben wir in Görlitz aktuell keine geeignete Möglichkeit. Den Bedarf sehen wir aktuell jedoch auch nicht stark ausgeprägt. Wir selbst planen lieber mehrere „kleinere“ Veranstaltungen, statt ein Großevent. Mit unseren Kunden ins Gespräch zu kommen, fällt uns dann leichter.

Wir würden aber viele positive Impulse bei einer geplanten Sanierung der Stadthalle erwarten. Neben der Beauftragung von hoffentlich regionalen Unternehmen für die Planung und Durchführung der Bauarbeiten können auch bei der Betreibung der Stadthalle neue Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung entstehen. Dies stärkt unsere bereits heute attraktive Stadt. Die Höhe der Baukosten kann sicherlich durch gute Finanzierungsmodelle und die starke Einbindung von Fördermitteln auf ein tragbares Niveau reguliert werden, welche auch in Zukunft darstellbar sind.

Die Frage der Betreibung und die dafür notwendigen jährlichen Kosten wiegen unserer Einschätzung nach schwerer und müssen deshalb besonders sorgfältig überdacht werden. Eine intelligente und vor allem wirtschaftliche Bauplanung und Konzeption der Betreibung kann diese Kosten der Zukunft abfedern – auch wenn dafür vielleicht Kompromisse notwendig werden. Ebenso verhält es sich bei den jährlich notwendigen Instandhaltungskosten. Getreu dem Slogan „Eigentum verpflichtet“ sollte jeder Besitzer einer Immobilie als groben Orientierungswert mindestens ein Prozent der gesamten Baukosten als jährliche Instandhaltungskosten ansparen. Egal, ob es das private Einfamilienhaus oder ein Großprojekt ist.

Erfolgt dies nicht, fehlen bei notwendigen Erhaltungsmaßnahmen die erforderlichen finanziellen Mittel, und es kommt – wie im Fall der Stadthalle – zu einer Schließung, und die Immobilie wird dem Verfall preisgegeben. Sparen ist zwar nicht bei allen populär, jedoch unserer Einschätzung nach unumgänglich, um unserer Verantwortung in der Gegenwart und vielmehr in der Zukunft gerecht zu werden.

Einen weiteren Aspekt sehen wir als regionale Bank natürlich auch im Blick auf freie Anbieter. Im Durchschnitt sollen laut der Projektstudie der Stadthalle die Veranstaltungen zwischen 166 und 402 Besucher erfassen. Echte Großveranstaltungen werden nach dieser Analyse die Ausnahme bleiben. Die mögliche Schnittmenge bei dieser Planung zu anderen regionalen Veranstaltungsmöglichkeiten ist nicht unerheblich. Wenn durch die Nutzung von öffentlichen Geldern der wirtschaftliche Druck auf andere Anbieter zunimmt, kann eine negative Spirale einsetzen. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn Veranstaltungen nicht mehr in den bisherigen Lokalitäten durchgeführt werden, sondern in einer subventionierten neuen Stadthalle. Durch geringe Erträge der bisherigen Unternehmen, die sich im Wettbewerb befinden, gehen Erträge verloren und Steuereinnahmen zurück, die sich dann direkt auf die Stadtfinanzen auswirken werden.

Die uns bekannten Studien konnten uns bisher noch nicht überzeugen, dass es ein gutes, schlüssiges und wirtschaftlich akzeptables Gesamtprojekt für die Stadthalle gibt. Jedem Eigentümer einer Immobilie raten wir als Bank, sich im Vorfeld genau über die Kosten und zu erwartenden Auswirkungen Gedanken zu machen. Dabei darf auch die individuelle Leistungsfähigkeit des Eigentümers eine Rolle spielen.

Was will die Stadt?

Manfred ten Bosch: Der Brauereichef sieht eine Chance mit Polen. Aber nur, wenn die Görlitzer Politik sich zur Stadthalle bekennt.

Wenn man beginnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, fehlt es meiner Meinung nach an einer klar dokumentierten Positionierung, insbesondere der politisch Verantwortlichen in dieser Stadt. Ein eindeutiges und klares Bekenntnis insbesondere in der Öffentlichkeit zur Stadthalle wäre hier schon mal ein wünschenswerter Anfang. Als relativ „neuer Görlitzer“ fände ich es persönlich völlig unverständlich, wenn für ein Kulturdenkmal, wie der Görlitzer Stadthalle, keine andere Möglichkeit gefunden würde, als die Abrissbirne. Besonders die Entstehungsgeschichte und die schlesische Vergangenheit der Halle, könnte als vorzügliche Plattform gemeinsamer europäischer Interessen von Polen und Deutschen genutzt werden! Insbesondere an diesem Standort, sollte man die nachbarschaftlichen Interessen von Polen und Deutschen in den Mittelpunkt stellen, um in Zeiten eines scheinbar auseinander driftenden Europas wieder Gemeinsamkeiten zu entdecken und umzusetzen. Wenn so aus einer Stadthalle eine deutsch-polnische Freundschaftshalle würde, könnte man möglicherweise unter Inanspruchnahme europäischer Fördertöpfe das Projekt viel leichter verwirklichen.

Auf diese Art und Weise ließe sich nicht nur das Kulturdenkmal Stadthalle erhalten und von einem Status der „Sicherung“ in das Stadium einer angemessenen Nutzung überführen, sondern auch ein starkes Signal der Gemeinsamkeit von Görlitz und Zgorzelec dokumentieren. Es sollte daher auch unbedingt daran gearbeitet werden, dass es zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der Stadt, dem Förderverein und den Bewohnern dieser Stadt, sowohl im Westteil, als auch im polnischen Teil kommt. Ein eindeutiges Bekenntnis aller zur Stadthalle, ist grundsätzlich die Voraussetzung zum wünschenswerten Erhalt. Selbstverständlich sind bei der Umsetzung wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu beachten, damit die Verwirklichung des Projektes nicht zu einem haushaltspolitischen Abenteuer wird. Ich jedenfalls habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass man über die „Papst Johannes Paul ll.“- Brücke zur „Polnisch-Deutschen-Freundschaftshalle“ fährt. Das ist aus meiner Sicht ein gutes Fundament für ein gutes Verständnis zwischen Polen und Deutschen.

Enthusiasmus der Bürger nutzen

Prof. Dr. Robert B. Heimann: Der Aktionskreis spricht sich für eine behutsame Entwicklung aus.

Die Stadthalle ist für uns als Aktionskreis für Görlitz ein einzigartiges architektonisches Kleinod. Sie ist eng mit der Geschichte der Stadt und dem Selbstverständnis und bürgerschaftlichem Engagement ihrer Bewohnerinnen und Bewohner verknüpft.

Ihre Sanierung und Modernisierung wird den Kulturtourismus, eine wichtige Säule der ökonomischen Basis der Stadt, stärken und einen Ort schaffen, an dem erneut Konzerte, begleitet von der einmaligen Sauer-Orgel, Ausstellungen, nationale und internationale Kongresse, Bälle und Sportveranstaltungen stattfinden werden.

Wir freuen uns über die inzwischen akquirierten Finanzmittel, die eine Sicherung und behutsame Entwicklung der Stadthalle erlauben. Gleichzeitig freuen wir uns über den Enthusiasmus, den viele Bürgerinnen und Bürger in den Prozess einbringen. Als Aktionskreis für Görlitz begleiten wir die Revitalisierung der Stadthalle mit Sympathie, soweit sich diese Aktivitäten im Rahmen der Grundsätze wirtschaftlicher Vernunft bewegen.

Sanierung Schritt für Schritt

Prof. Dr. Joachim Schulze: Für die Bündnisgrünen hat die Stadthalle nur mit einem funktionierenden Großen Saal Sinn.

Die Belebung des Bau- und Kulturdenkmals Stadthalle ist seit vielen Jahren ein wichtiges Ziel der bündnisgrünen Kulturpolitik in Görlitz. In verschiedenen Debattenbeiträgen habe ich mich persönlich immer für die Stadthalle ausgesprochen. Die Sanierung wird schrittweise stattfinden müssen im Einklang mit Fördergeldern, die zusätzlich zu Eigenanteilen eingeworben werden können. Unsere Stadt hat mit dieser Vorgehensweise – siehe ehemalige Synagoge – gute Erfahrungen gesammelt.

Der hohe Aufwand ist nur vertretbar, wenn der Große Saal genutzt werden kann. Nicht nur als „Gehäuse“ für die anfangs der 1990er Jahre mit Millionenaufwand sanierte Sauer-Orgel, sondern als Begegnungs- und Kulturstätte für Ereignisse auch von überlokaler Bedeutung.

Was das Profil und wirtschaftliche Fragen (auch Umwegrentabilitäten) angeht, so ist die wohl aktuellste Ausarbeitung das von der Tetolia GmbH beauftragte Nutzungs- und Betriebskonzept der Bevenue GmbH vom März 2015. Eine Auseinandersetzung damit fand im politischen Raum bislang meines Wissens leider nicht statt. Ich hatte dem Stadtrat im September 2015 eine kritische und vergleichende Bestandsaufnahme der bisherigen Optionen und Studien vorgeschlagen und erneuere dies jetzt.

Das Tetolia/Bevenue-Konzept empfiehlt unter anderem. eine Profilierung im „lukrativen Segment der Wirtschafts- und Wissenschaftsveranstaltungen“, wobei Görlitz seine verkehrliche Lageungunst durch attraktive Rahmung (Stadtbild, See) mit „Paketangeboten“ kompensieren sollte. Ich zitiere aus dem Konzept: „Dabei gilt, dass Veranstaltungshäuser, wie eine sanierte Stadthalle Görlitz räumlich und technisch so ausgestaltet sein sollten, dass sie eine möglichst große Bandbreite von Veranstaltungen durchführen und aufnehmen können. (…) Hohe Flexibilität, personalsparende Ausstattung und gut dimensionierte Infrastruktur sind unerlässliche Voraussetzungen für eine gelungene Positionierung am Markt, sie stellen einen wichtigen Aspekt der wirtschaftlichen Effizienz der Betreibung dar.“

Insgesamt ergäbe sich folgendes Profil: Kulturveranstaltungen (Hoch-/Unterhaltungskultur): rund 39 Prozent; Gesellschaftsveranstaltungen (beispielsweise Bankette, Bälle): rund 23 Prozent, Wirtschafts-/Wissenschaftsveranstaltungen (zum Beispiel Firmenevents, Konferenzen): etwa 31 Prozent, Messen/Ausstellungen: rund 8 Prozent.

Es wird dafür eine bauliche Ergänzung auf dem Gelände der Stadthalle (Richtung Mercure ?) erforderlich sein. Die vor einiger Zeit angebotene Lösung (Anbau an der Ostseite) überzeugte mich gestalterisch nicht. Die wetterfeste und denkmalgerechte Verbindung zwischen Halle und ergänzendem Tagungsteil, (ein Joint Venture vorausgesetzt auch zum Hotel) sollte möglich sein.

Die jährlichen Defizite in vergleichbaren Stadthallen /Städten liegen laut Tetolia zwischen 300 000 und einer knappen Million Euro. Für Görlitz rechnet die Studie in ihrem Businessplan je nach Variante mit 470 000 bis 560 000 Euro Zuschussbedarf – realistisch betrachtet wohl seitens des städtischen Haushaltes.

Wirtschaftlich betrachtet (Umwegrentabilitäten) geht die Studie bei Stadthallenbetrieb von folgenden jährlichen Effekten aus: Kaufkraftzufluss 2,7 Millionen Euro, veranstaltungsbedingtes Steueraufkommen 86 000 Euro, 65 Arbeitsplätze werden stadtweit gesichert. Diese Angaben sollten natürlich durch eine kultur- und betriebswirtschaftliche Zweitmeinung geprüft werden. Mit geeigneten Verfahren (auch mittels Bürgerbeteiligung!) werden wir nicht nur über das Profil der Stadthalle sprechen müssen. Ebenso über eine Dauersubventionierung. Ist uns eine Stadthalle jährlich 10 Euro je Einwohner wert? Müssen wir die Einnahmesituation der Stadt verbessern, beispielsweise durch eine Tourismusabgabe?

Die Bezuschussung der Stadthalle darf aber nicht zur Gefährdung anderer kultureller und sozialer Einrichtungen zum Beispiel Museen, Theater, Werk Eins, Familienbüro führen. Denn damit wäre nichts gewonnen.

Stadthalle dient der ganzen Stadt

Thomas Leder: Für den Förderverein ist klar, die Halle kurbelt auch die Wirtschaft an. Ein Anbau ist dafür nicht nötig.

Wie wichtig ist es, dass der Große Saal der Stadthalle saniert wird?

Der Große Saal, der baulich direkt mit der Sauerorgel verbunden ist, ist das Herzstück der Halle. Die Sauerorgel besitzt die Alleinstellungsmerkmale als Teil des Weltkulturerbes. Sie ist im laufenden Aufnahmeantrag Deutschlands für die Orgellandschaft eingeschlossen. Ziel des Vereins ist es, dass die Stadthalle wieder zum Stammhaus der Neuen Lausitzer Philharmonie wird, besonders wegen ihrer einzigartigen Akustik. Die Europastadt verfügt über sonst keinen Veranstaltungsort mit der Kapazität und den Qualitäten der Stadthalle, obwohl Bedarf dafür auf beiden Seiten (Bürgermeister Gronicz) vorhanden ist. Zudem fehlt die Stadthalle für die großen feierlichen Anlässe, die einen würdigen Rahmen verdienen. Viele Veranstaltungen brauchen den Großen Saal, um überhaupt durchgeführt werden zu können. Dazu gehören Konzerte nationaler und internationaler Künstler, Bälle und Kongresse unterschiedlicher Art. Um dieses zu erleben, müssen die Görlitzer in andere Städte fahren.

Reicht es, die Stadthalle in ihrer ursprünglichen Form zu sanieren?

Einen Anbau an der Stadthalle befürworten wir nicht. Sicher ist es erforderlich, die Nutzung der vorhandenen Räume im Erdgeschoss anzupassen. Wir stellen uns zum Beispiel vor, dass man die ehemalige Hausmeisterwohnung als Meridian-Center nutzen könnte. Wir sehen die Stadthalle als europäisches Kultur- und Begegnungszentrum in der „Neuen Mitte“ der Europastadt. Dieses sollte das Dom Kultury, den Campus mit der Hochschule, das Parkhotel bis hin zum Jakob- Böhme-Denkmal umfassen. Ein Anbau, so wünschenswert er für Kongresse wäre, verursacht deutlich mehr Betriebskosten. Diese klein zu halten, sollte bei der Sanierung im Vordergrund stehen. Wenn die Einmaligkeit der Akustik des großen Saales professionell in Szene gesetzt wird, können Veranstaltungen, die es in der Region mangels eines solch hochwertigen Saales nicht geben kann, die Auslastung mitbestimmen.

Welche wirtschaftlichen Effekte sind mit der offenen Stadthalle verbunden?

Der Förderverein strebt eine enge Zusammenarbeit mit der Stadthallenstiftung an. In der Satzung der Stiftung ist neben dem Erhalt des Denkmals auch die Förderung der Kultur enthalten. So könnten auch unrentable Veranstaltungen unterstützt werden. Nach elf Jahren Schließung strebt der Verein das gemeinsames Projekt „Kulturbrücke Görlitz Zgorzelec“ an. Die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Görlitz, dem Theater, der Neuen Lausitzer Philharmonie, dem Landkreis, der Hochschule, mit Zgorzelec und dem Dom Kultury sowie dem Tourismusverein könnte zum Nutzen für alle Einrichtungen werden. Mit dem Betrieb der Stadthalle kann die Verweildauer von Touristen verlängert werden. Im Winter können durch Konzertreihen, Festivals und andere Projekte zielgerichtet Touristen geworben werden.

Durch die Stadthalle wird somit Geld in den örtlichen Wirtschaftskreislauf gegeben. In der letzten Studie sind zusätzliche Steuereinahmen für die Stadt in Höhe von rund 86300 Euro (ohne Steueraufkommen des Betreibers) und 65 Arbeitsplätze aufgeführt. Hauptsächlich im Dienstleistungsbereich werden Arbeitsplätze entstehen. Es ist ein realer Kaufkraftzufluss in Höhe von insgesamt rund 2,75 Millionen Euro pro Jahr prognostiziert. Auch wenn bei Prognosen real immer Abweichungen auftreten, ist die Umwegrentabilität als Wirtschaftsfaktor insgesamt finanziell gewinnbringend. Wenn man Synergien, wie die Betreuung der Technik mit dem Theater oder Werbung mit dem Kulturservice und der Europastadt Görlitz/Zgorzelec – beides städtische Unternehmen – koppelt, können die Betriebskostenzuschüsse merklich gedrückt werden.

Eine Sanierung in Schritten bringt gar nichts

Andreas Kremp: Der Direktor des Parkhotels verweist auf das Konzept von Albert Speer. Es sei immer noch das beste.

Die Stadthalle muss vollumfänglich und in einem Stück saniert werden. Entsprechende substanzielle Unterlagen inklusive einer Betreiberstudie liegen seit 2006 der Stadt Görlitz vor. Das Büro Albert Speer und Partner, die HSG Zander und das Parkhotel Görlitz, haben diese Unterlagen auf eigene Kosten seinerzeit entwickelt, der Stadt Görlitz vorgestellt und überlassen. Eine Teilsanierung versetzt die Stadthalle nicht in die Lage, überregional und international vermarktet werden zu können. Ein zusätzlich vollständig sanierter Stadthallengarten und die Schaffung von Parkplätzen in ausreichender Anzahl oberirdisch oder unterirdisch, sind zwingend. Jegliche Anbauten nehmen der Stadthalle ihre Seele und sind für eine wirtschaftliche Betreibung vollkommen überflüssig. Eine nur im Sommer bespielbare Stadthalle, in Ermangelung einer funktionierenden Heizung, mag den regionalen Markt erfreuen, vermarktbar ist diese Variante nicht. Die Stadthalle muss mit ihrer multifunktionalen Ausrichtung Kaufkraft in die Stadt holen, andernfalls ist die Verwendung von Steuergeldern auch nicht zu verantworten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich diese Spielstätte am Niveau und der Gegenwart ihrer Mitbewerber in anderen Regionen messen lassen. Dies betrifft die gesamte Neuordnung der internen und externen Logistik sowie hochmoderne Veranstaltungstechnik. Veranstalter mit Anfragen jeglicher Art kommen nicht nach Görlitz, weil Görlitz so schön ist. Sie kommen ausschließlich nur dann, wenn die Veranstaltungshalle in sämtlichen Belangen, den Anspruch an Professionalität erfüllt.

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Die SZ hat deswegen Akteure in der Stadt gefragt, wie sie sich eine Zukunft der Stadthalle vorstellen. Die eingegangenen Meinungen können sie hier lesen: