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Was tafelt die Tafel auf?

Bei der Tafel in Heidenau hat sich einiges verändert. Wie läuft es bei der neuen Ausgabestelle?

© Andreas Weihs

Von Katharina Klemm

Heidenau. In zwei Kisten neben der Tür sammeln sich Babynahrung, Unmengen Vogelfutter und einige Packungen Nahrungsergänzungsmittel. Es ist die Spende eines Drogeriemarktes an die Heidenauer Tafel. Beim Herausgehen fragt Edith König jeden, ob er etwas davon mitnehmen möchte. Jedes Mal weist sie darauf hin, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten ist und zeigt es deutlich. „Aber so was hält sich ja bedeutend länger“, erklärt die Leiterin der Heidenauer Ausgabe. „Das ist ja nur ein Richtwert.“ Das denkt auch eine Tafelkundin und nimmt sich Omega-3-Tabletten mit.

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Es ist viel los an diesem Donnerstag, dem Ausgabetag der Heidenauer Tafel. Seit Kurzem befindet sich diese auf der Ernst-Thälmann-Straße 14. Nach und nach bittet Edith König die Wartenden in die kleine, aber ordentliche und saubere Ausgabestelle herein. Es geht nicht darum, wer zuerst da ist, sondern welche Nummer auf dem Zettelchen steht, das man in der Woche zuvor gezogen hat. Je höher die Zahl darauf, desto später erscheint man an der Tafel. So sollen keine langen Wartezeiten entstehen. Neu ist auch, dass Deutsche und Flüchtlinge zur selben Zeit die Tafel nutzen können. Zuvor sei das getrennt gewesen, sagt Edith König. Das wollte man nicht länger unterstützen.

Zuerst gehen die Tafelkunden nach hinten durch. Dort sind zwei kleine Räume. In jedem steht ein Mitarbeiter. Bei dem einen gibt es Brot, Brötchen und Kuchen. Bei dem nächsten Molkereiprodukte. Dann geht es wieder vor zur größeren Obst- und Gemüseabteilung. Taschen und Beutel werden vollgepackt. „Oh, Quitten“, freut sich eine ältere Dame und bittet den jungen Mann am Obststand um drei oder vier Stück. Sie möchte daraus Kompott machen.

Der ehrenamtliche Mitarbeiter greift wieder in die nächste der eben erst gelieferten Kisten mit Pfirsichen. Er nimmt jede in die Hand und kontrolliert, ob sie schlecht sind. Der Abfall kommt in einen extra Behälter.

Eine Tafelkundin fängt an, sich über das Obst zu beschweren. An ihren Weintrauben hängt eine schlechte, mokiert sich die Rentnerin. Sie sei eine Altbekannte, die sich regelmäßig aufregt, sagt Sandra Furkert, die Leiterin der Pirnaer Tafel, zu der die Heidenauer Ausgabe gehört. Aber sonst gebe es nur wenige, die sich beschweren.

Tatsächlich scheinen sich aber einige der Tafelkunden daran zu stören, dass sie neuerdings für einen kleinen Obolus manche Produkte wie Butter, Eier oder Schokolade kaufen müssen. Sandra Furkert verteidigt dies: „Wir müssen unsere Kosten irgendwie decken.“ Man gebe das eins zu eins als Kleinspende der Tafelkunden weiter. Wieder andere sind zufrieden. Es laufe nun besser und es sei nicht mehr so viel schlechtes Obst dabei wie vorher, sagen zwei Weesensteiner.