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Bautzen
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Was vor 69 Jahren im Gelben Elend geschah

An den Gefangenenaufstand von 1950 wurde am Sonnabend auf dem Bautzener Karnickelberg erinnert – und stellvertretend an das Schicksal zweier Häftlinge.

Von Carmen Schumann
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Auf dem Karnickelberg, der heute eine Stätte des Gedenkens ist, wurden rund 3.000 Häftlinge des Gelben Elends verscharrt. Am Sonnabend legten Bautzener hier in Erinnerung an den Gefangenenaufstand von 1950 Blumen nieder.
Auf dem Karnickelberg, der heute eine Stätte des Gedenkens ist, wurden rund 3.000 Häftlinge des Gelben Elends verscharrt. Am Sonnabend legten Bautzener hier in Erinnerung an den Gefangenenaufstand von 1950 Blumen nieder. © Carmen Schumann

Bautzen. Die milde Frühlingssonne scheint an diesem Sonnabendnachmittag über der Gedenkstätte auf dem Karnickelberg, unweit der Bautzener Justizvollzugsanstalt, die einst als „Gelbes Elend“ zu einem unrühmlichen Namen kam. An die 50 Besucher sind zu dem Gedenkort gekommen, um an die Ereignisse vor nunmehr 69 Jahren zu erinnern. Am 31. März 1950 fand im Gelben Elend der erste Häftlingsaufstand in der noch jungen DDR statt.

Hier, sagt Alexander Latotzky, der Vorsitzende des Bautzen-Komitees, saßen damals nicht nur Menschen ein, die sich während der NS-Zeit etwas zuschulden hatten kommen lassen. Es seien auch SPD- oder CDU-Mitglieder gewesen, die sich nicht den neuen SED-Machthabern unterwerfen wollten. In deren Augen stellten sie eine Gefahr für das neue politische System dar.

Kälte, Unterernährung, Krankheut

Das Speziallager war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst von den Sowjets betrieben worden. Nach der Übergabe an die DDR hatten die Gefangenen gehofft, dass sich die Zustände bessern würden. Aber das Gegenteil sei der Fall gewesen. Die Häftlinge litten unter Kälte, Unterernährung und Krankheiten. Die Wärter prügelten sogar auf Kranke ein. Bekannt wurden die Vorgänge, weil Häftlinge Briefe hinausschmuggelten, die Herbert Wehner im Mai 1950 auf dem SPD-Parteitag in der Bundesrepublik vorlas.

Alexander Latotzky, der 1948 im sowjetischen Speziallager geboren wurde, erinnerte an das Schicksal von zwei Gefangenen, die im Gelben Elend gelitten hatten. Werner Ihmels, ein Liberaler, der schon zur NS-Zeit im Widerstand tätig war, starb hinter Gittern im Alter von nur 23 Jahren. Sein Mitstreiter Horst Krüger, der als 16-jähriger Oberschüler verhaftet worden war, kam wieder frei und wurde Jurist. Nach der Wende ersah er aus russischen Archiven, wer sie verraten hatte: Manfred Gerlach, der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR.

Zu strengstem Stillschweigen verpflichtet

Von Horst Krüger, der vor zwei Wochen gestorben ist, erfuhr Alexander Latotzky, dass alle, die aus der Haft entlassen wurden, zu strengstem Stillschweigen über die Geschehnisse verpflichtet wurden, hinterlegt mit der Drohung, dass sie anderenfalls wieder hinter Gittern landen würden. Dies sei auch der Grund, so Latotzky, warum es so wichtig ist, immer wieder an die Ereignisse hinter den Gefängnismauern zu erinnern und sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Sowohl beim Gedenken am Sonnabend auf dem Karnickelberg als auch beim Gedenkgottesdienst am Sonntag im Petridom sang der Polizeichor Berlin, dem Alexander Latotzky angehört. Er hatte ihn schon zum zweiten Mal nach Bautzen eingeladen.