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Was wollen die Glashütter?

Jeder in der Stadt kann sagen, was er als Bürgermeister anpacken würde. Es soll mehr rauskommen als ein Wunschzettel.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Maik Brückner

Glashütte. In Glashütte wurde in den letzten Jahren vieles nach vorne gebracht. Dennoch gibt es Unmut in der Bevölkerung, vor allem in der Kernstadt. Das drückte sich auch im Ergebnis der letzten Bürgermeisterwahl aus, die Amtsinhaber Markus Dreßler (CDU) nur knapp gegen seinen Herausforderer, den Glashütter Ortsvorsteher Maik Lehmann (Wählervereinigung Zeitlos), gewann. In der jüngsten Stadtratssitzung räumte Dreßler ein, dass man zwar vieles erreicht, aber offenbar zu wenig miteinander geredet habe. Das wolle man nun nachholen. Die Stadt möchte wissen, was die Kritiker wollen und wünschen.

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Dabei soll die Kommunalberatungsfirma Steg Stadtentwicklung helfen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart beschäftigt 100 Mitarbeiter und ist in Sachsen in Dresden, Görlitz und Glauchau aktiv. Es berät deutschlandweit rund 450 Kunden. Darunter sind viele Städte und Gemeinden. Die Steg unterstützt die Kommunen bei den Themen Stadterneuerung, Klimaschutz und Baulandentwicklung. Auf Vorschlag der Verwaltung soll die Steg für Glashütte ein Leitbild erarbeiten, das der Stadt als Arbeitsgrundlage für die kommenden Jahre dienen soll. Ein passendes Motto hat die Verwaltung bereits gefunden. Die Untersuchung soll unter dem Leitmotiv „Wenn ich Bürgermeister wäre …“ laufen.

Steg-Mitarbeiter Martin Neumann erklärte nun in der Ratssitzung, wie sein Unternehmen bei der Studie vorgehen will. Hier die wichtigsten Schritte:

Schritt eins: Bestehende Pläne und Konzepte werden ausgewertet
In den ersten zwei Monaten werden sich die Steg-Mitarbeiter mit den bestehenden Plänen, Analysen und Konzepten befassen. Die Steg möchte vor allem wissen, welche Themen die Bürger bewegen. In anderen Kommunen waren und sind das nicht nur Wohnen, Pflege im Alter und die Parkplatzsituation, sondern auch das Verhältnis der Verwaltung zur Kernstadt und zu den Ortsteilen sowie das der Bürgerschaft zu den Gewerbebetrieben, so Neumann. In Glashütte dürfte es vor allem um die Uhrenfirmen gehen, die entlang der Dresdner und der Altenberger Straße tätig sind. In der ersten Phase, die Mitte Mai abgeschlossen sein soll, wird auch festgelegt, welche Akteure zu bestimmten Themen ausführlicher befragt werden sollten.

Schritt zwei: Bürger werden zu ihrer Meinung befragt
In der Phase zwei sind die Bürger gefragt. Die Steg möchte von ihnen wissen, „wo der Schuh drückt“, sagte Neumann. Herausfinden möchte er das auf verschiedenen Wegen. So soll es unter anderem eine Fragebogenaktion geben. Diese wird Mitte Mai beim Stadtfest gestartet und soll bis Ende Juni laufen. Die Ergebnisse werden anonym bis zum August ausgewertet. Wer darüber hinaus Gesprächsbedarf hat, kann das auf dem Fragebogen vermerken. Die Steg wird dann den Kontakt zu den Bürgern suchen. Der Fragebogen wird auch online zur Verfügung gestellt, versprach Neumann. Wo es Sinn macht, soll es auch Stadtrundgänge geben. Hier werde man sich vor Ort anschauen, worüber sich die Bürger ärgern und welche Wünsche sie haben. Das ist für den August und September geplant. Außerdem werden sogenannte Schlüsselpersonen interviewt. Das können Großvermieter, Geschäftsführer von Unternehmen und Handwerker sein.

Schritt drei: Auswertung und Zusammenfassung der Ergebnisse
In der dritten und letzten Phase will die Steg die Ergebnisse ihrer Untersuchung in speziellen Runden den jeweils Betroffenen präsentieren. In den Diskussionen wolle man Schlüsselthemen herausarbeiten, um Maßnahmen abzuleiten, erklärte Neumann. Am Ende möchte die Steg ihre Ergebnisse in einer Dokumentation zusammenfassen. Herausgearbeitet werden soll dabei auch die Rolle der Kernstadt im Stadtgefüge. Diese Phase soll etwa drei Monate in Anspruch nehmen und im November abgeschlossen werden.

Bewertung der Stadträte: Studie könnte sich auszahlen
Die Mehrheit der Stadträte bewertete das Vorhaben positiv. Franz Brand (CDU) erhofft sich davon, dass es danach eine bessere Streitkultur gibt. Mehrere Räte wie Steffen Barthel (Wählervereinigung Johnsbach) mahnten an, dass sich die Studie nicht auf die Kernstadt konzentrieren sollte. Auch die Ortsteile müssen berücksichtigt werden. Sein Kollege Helmut Wagner (Zeitlos) meldete Zweifel an, ob man diese Studie brauche, denn die Probleme seien bekannt. Letztlich vergab der Stadtrat bei einer Enthaltung den Auftrag an die Steg.