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Dresden

Was wollte der Messermann?

Ein 19-Jähriger hat im Januar auf einen Taxifahrer eingestochen. Ums Geld ging es angeblich nicht.

© Symbolfoto: dpa

Ein blutüberströmter Mann klingelt mitten in der Nacht am Polizeirevier Mitte in der Schießgasse. „Ich bin Taxifahrer. Ein Fahrgast hat mich gewürgt und mit einem Messer angestochen“, sagt der Mann an der großen Tür des Polizeigebäudes in der Schießgasse. Dann bricht er zusammen. Das war am 19. Januar gegen Mitternacht. Noch während der Notarzt den Verletzten behandelt, finden Polizisten in dem Großraumtaxi das Portemonnaie des Täters.

Walid A., ein in Dresden geborener Deutscher, seine Eltern stammen aus dem Irak, hatte sich von Taxifahrer Markus L. an jenem Abend eine gute Stunde kreuz quer durch die Stadt fahren lassen, ehe er in der Gerokstraße auf L. einstach. Seit Dienstag steht der 19-Jährige wegen schwerer räuberischer Erpressung vor der Jugendkammer des Landgerichts Dresden. Der Angeklagte hat die Tat gestanden. Doch was das Motiv angeht, widerspricht er der Staatsanwaltschaft. Ihm sei es nicht um die 200 bis 300 Euro in der Börse des Taxifahrers gegangen, sondern er habe von Markus L. seine eigene Geldbörse zurückhaben wollen.

Zugegeben, das klingt nicht eben glaubwürdig. Doch einige Punkte sprechen dafür, dass Walid A. keinen kaltblütigen Raub geplant hatte. Die nächtliche Odyssee führte die Männer ab 22.30 Uhr von einer Spielothek „Joker“ mehrfach zu einem Haus in der Grunaer Straße, wo A.s Vater lebt. Darüber hinaus fuhr das Taxi unter anderem A.s Wohnadresse in der Johannstadt an, ein Fabrikgebäude in der Zwickauer Straße und eine Tankstelle an. F. hatte sich Handy und Ausweis des Fahrgasts als Pfand geben lassen, damit es beim Bezahlen keine Probleme gibt. Die Männer rauchten gemeinsam, verstanden sich gut. Mehrfach war A. ausgestiegen, telefonierte und klingelte an Haustüren. Er hatte dem Chauffeur von seiner problematischen Beziehung zu seinem Vater erzählt. Angeblich hatte Walid mit seinem Vater sprechen wollen, sich aber dann nicht getraut.

Als er am Ziel dann die knapp 67 Euro forderte, habe A. völlig unerwartet auf den 36-Jährigen eingeschlagen, ihm dann auch mit einem Keramik-Küchenmesser ins Gesicht und in den Hals gestochen, berichtete der Chauffeur, der notoperiert wurde und fünf Wochen nicht arbeiten konnte. Allerdings: Ob Walid A. tatsächlich die Tageseinnahmen des Taxis oder sein eigenes Portemonnaie wollte, dass konnte auch L. nicht sagen. Mit Spannung wird daher auch der psychiatrische Gutachter erwartet, als Erklärung für die spontanen Messerstiche. Der Prozess wird fortgesetzt.

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