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Washingtoner fahren auf Görlitzer Radverleih ab

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Die SZ stellt die zehn Ideen vor, die beim Innovationspreis Tourismus in der Endrunde sind. Heute: Radflotte und Plan B, ein alternativer Stadtplan für Görlitz.

Von Ingo Kramer

Der kleine Faltplan ist großartig. Auf der einen Seite ein Stadtplan von Görlitz mit 65 markierten Punkten, auf der Rückseite eine kurze Erklärung zu jedem Punkt. Doch wer die üblichen Sehenswürdigkeiten, Museen und Kirchen sucht, wird nicht fündig. Stattdessen bildet der „Plan B“ ein alternatives Görlitz ab: Ein paar Läden und Restaurants auf beiden Seiten der Neiße, gute Bäckereien, Jugendeinrichtungen, Parks, Aussichtspunkte und Tipps für das Umland – alles Dinge, die Görlitzer in einer Internet-Umfrage empfohlen haben.

„Wir haben im Juni 2016 die erste Auflage veröffentlicht“, sagt Initiatorin Juliane Wedlich vom Kühlhaus-Verein im südlichen Görlitzer Stadtteil Weinhübel. Die 3 000 Stück waren bereits im ersten Jahr vergriffen. Also wurde 2017 eine zweite Auflage gedruckt, diesmal 2 500 Pläne. Sie unterscheiden sich nur minimal von der ersten Auflage. Ein, zwei Punkte sind weggefallen, andere hinzugekommen. Von der zweiten Auflage sind noch genügend Exemplare da, sodass dieses Jahr keine Neuauflage geplant ist.

Erhältlich sind die Pläne in der Görlitz-Information und an den fünf Orten, an denen die Fahrräder der Görlitzer Radflotte ausgeliehen werden können: am Kühlhaus Weinhübel sowie an vier Orten im Stadtzentrum: im alternativen Zentrum Rabryka, in der Jakobpassage, im Familienbüro am Demianiplatz und im Café Kugel auf der Weberstraße. Auch die Radflotte ist ein Projekt, das Juliane Wedlich mit angestoßen hat. Mit beidem, Plan B und Radflotte, bewirbt der Kühlhaus-Verein sich jetzt beim Innovationspreis Tourismus.

Die Radflotte hat fünf Ausleihstationen, an denen je vier bis fünf Fahrräder bereitstehen. Leicht erkennbar sind sie an den neonfarbenen Lenkergriffen. Es sind Uralt-Räder, bei denen die Gefahr, dass sie gestohlen werden, gering ist. DDR-Marken wie Diamant sind darunter, aber auch polnische und tschechische. Zu den jeweiligen Öffnungszeiten können sie für maximal drei Tage kostenlos geliehen werden. Ohne eine gewisse Sicherheit geht es aber nicht. Deshalb muss jeder, der ein Fahrrad leiht, persönliche Daten wie seine Personalausweisnummer eintragen und ein Pfand von zehn Euro hinterlegen. Später können die Räder an jedem der fünf Orte zurückgegeben werden. „Sowohl Görlitzer als auch Touristen nutzen das Angebot“, sagt Juliane Wedlich. Erstere erfahren vor allem durch Mundpropaganda davon, Letztere in der Görlitz-Info: „Sogar Leute aus Washington haben schon unsere Räder geliehen.“

Im Winter läuft es ruhiger, das Familienbüro etwa hat keinen überdachten Abstellplatz für die Räder. Am 24. März steht bei der Radflotte wieder ein Arbeitseinsatz an, bei dem die Gefährte geprüft und geputzt werden. „Manchmal müssen wir ein kaputtes aussondern, mal kommt ein neues hinzu“, sagt Juliane Wedlich. Insgesamt schwanke die Zahl immer zwischen 23 und 25. Das sei eine gute Größenordnung für die fünf Ausleihstationen, von denen ab 24. März wieder alle bestückt sein werden.

www.innovationspreis.neisseland.de