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Wegen Überfall vor Gericht

Ein 19-jähriger Mann aus Roßwein muss sich wegen versuchten Raubes verantworten. Sein angebliches Alibi ist geplatzt.

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© Symbolbild/dpa

Von Helene Krause

In den Mittagsstunden des 17. Februar 2017 soll ein 19-Jähriger an der Bahnhofstraße in Roßwein versucht haben, einem Achtjährigen den Einkaufsbeutel mit Geld und Waren zu entreißen. Der Junge habe den Beutel festgehalten, sodass ein Henkel riss. Der Täter habe das Kind auf die Straße gezerrt, wo es stürzte. Da sei der Räuber ohne Beute davongelaufen. Jetzt stand der junge Mann vorm Amtsgericht Döbeln. Vorgeworfen wird ihm versuchter Raub.

Die Tat leugnet der Angeklagte. „Ich war an dem Tag mit meiner Mutter zu einer Verhandlung am Landgericht Chemnitz“, sagt er zu seiner Entlastung. „Von dem Überfall habe ich erst später erfahren.“ Doch das Alibi platzt. Nach polizeilichen Ermittlungen war er zur Tatzeit nicht in Chemnitz.

Widersprüchliche Aussagen gibt es auch zu einem Kumpel des Angeklagten. Mit diesem soll der 19-Jährige vor der Tat in Roßwein unterwegs gewesen sein. Und der andere Mann sei Zeuge des Überfalls geworden. Doch der Angeklagte bestreitet das. „Wir hatten uns gestritten“, sagt der Beschuldigte. Deshalb wären sie vor dem Zeitpunkt des Überfalls auf das Kind getrennte Wege gegangen. Den Achtjährigen habe er erst viel später beim Pennymarkt zum ersten Mal gesehen.

Eine Zeugin, die nicht zur Verhandlung erschienen ist, soll den Beschuldigten bei der polizeilichen Vernehmung entlastet haben. Angeblich habe ihr der ehemalige Freund des Angeklagten den Überfall auf das Kind gestanden. Doch der ehemalige Kumpel belastet den Beschuldigten in der Zeugenvernehmung schwer. „Der Angeklagte sah den Jungen auf der anderen Straßenseite“, sagt er. „Er sagte mir, dass er ihm den Beutel wegnehmen will.“ Beide seien dann gemeinsam über die Straße gegangen. „Ich sah, wie er nach dem Beutel griff“, schildert der Zeuge den Vorfall weiter. „Dann lag der Junge auf der Straße.“ Was danach passierte, wisse er nicht. „Ich ging weg“, so der Zeuge. „Ich wollte mit dem Vorfall nichts zu tun haben.“

Um den Täter in Roßwein zu suchen, fuhr die Mutter des Kindes mit ihrem Sohn Monate nach dem Vorfall durch die Stadt. Dabei begegneten sie dem Angeklagten, den der Junge sofort wiedererkannt habe. Auch bei der Lichtbildvorlage bei der Polizei soll das Opfer den Beschuldigten als Täter erkannt haben.

Allerdings gibt es einige Ungereimtheiten, die auf einen anderen Räuber schließen lassen. Der Geschädigte schilderte in der polizeilichen Vernehmung den Täter als jungen Mann mit Kappe und Brille. Der Kumpel, der gegenüber einer Bekannten die Tat gestanden haben soll, trägt eine normale Brille. Gelegentlich hat er auch eine Kappe auf. Von markanten großen Tunnellohringen und einem Nasenpiercing, wie sie der Angeklagte besitzt, sagte das Opfer nichts.

Weil die Zeugin, der der ehemalige Freund des Angeklagten die Tat gestanden haben soll, nicht zur Verhandlung gekommen ist, wird das Verfahren im November fortgesetzt.