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Weinernte ab Mitte August

Dieses Jahr wird nach Säure gelesen, sagt Prinz zur Lippe. Wackerbarth schickt Tankwagen in die Edellage.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Redlich

Elbland. Im Weinberg der Radebeuler Hoflößnitz, direkt neben der historischen Anlage färbt sich der Regent so früh rot wie selten. Kellermeister Felix Hößelbarth hatte noch Anfang Mai ein super Weinjahr vermutet. Frühe Blüte, guter Austrieb. Heute ist er zwiegespalten: „Für Rotwein in Lagen, wo es tiefe Wurzeln mit älteren Anlagen gibt, wird es auch so bleiben – ein gutes Weinjahr 2018.“

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Die Wurzellänge, alte und junge Rebstöcke, die Lage, ob Lehmboden oder lockerer Sand sind 2018 bestimmend für Weinmenge und vor allem Qualität im Elbland. Georg Prinz zur Lippe sagt schon mal an, dass bei ihm der Wein nach Säuregehalt gelesen werden muss. Mit dieser prallen Sonne ist der Fruchtzuckergehalt ohnehin hoch genug. Wenn aber die Feuchte im Boden fehlt, kann der Rebstock nur wenig Mineralien und damit gesunde Säure in die Trauben ziehen.

Zur Lippe: „Wasser ist dieses Jahr ganz wichtig. Sonst gibt es eine untypische Alterung der Rebstöcke und sie bilden ungewollte Sherry-Noten im nächsten Jahr aus.“ Mit seinen Rebanlagen nahe Meißen, in Lehmböden stehend, habe er da die geringsten Probleme. Anders in Diesbar-Seußlitz. „Hier haben wir schon ausgedünnt, um den verbleibenden Pflanzen Wasser und Kraft zu lassen.“ Für Rotweine in älteren, tiefwurzelnden Lagen sieht der Proschwitzer großes Potenzial. Etwa ein Fünftel seiner Weine auf den insgesamt 80 Hektar sind rote.

Der Radebeuler Winzer Friedrich Aust gönnt seinen jüngeren Reben derzeit je Stock fünf Liter Wasser in der Woche extra. Radebeuler Böden sind offenporiger als anderswo, da geht die Feuchtigkeit schneller weg als in der Meißner Gegend. Er denke beim Weinanbau schon länger strategisch, sagt Aust und zeigt auf eine TemperaturenTabelle, worauf zu sehen ist, dass die Jahresdurchschnittstemperatur in Sachsen in immer schnellerem Tempo von einst 14 Grad (1960-1990) auf heute fast 16 Grad steigt. Aust: „Wir müssen die zu den Temperaturen passenden Weine und den Geschmack der Kunden noch gezielter zusammenbringen.“ Das bedeute beispielsweise mehr Scheurebe beim weißen und beim Rotwein eher Blaufränkischen als Pinot Noir, für den es teils schon zu warm sei.

Ende nächster Woche will Jan Ulrich die ersten Messungen zum Oechslegrad (Zucker) und pH-Wert (Säure) seiner Weine vornehmen. Mitte August will er Solaris ernten, die erste Sorte, die in Sachsen üblicherweise vom Rebstock geschnitten wird. Für seine Rotweine Regent, Dornfelder und Domina hofft er bald auf Landregen und einen trockenen Herbst. Das wäre die Wunschvorstellung, sagt Jan Ulrich, der 16,5 Hektar bewirtschaftet, davon 2,5 Hektar mit Rotweinanlagen.

Viele Meinungen und noch viel Ungewissheit. Nachgefragt, sind sich alle Winzer eigentlich nur darin einig, dass das Weinjahr noch Überraschungen parat halten kann. Wenn die Temperaturen im Elbtal auf 36 Grad im Schatten klettern, sind heftige Wärmegewitter vorprogrammiert, sagt Georg zur Lippe. „Hoffentlich nicht mit Hagel.“

Aust rechnet mit einem verregneten Herbst: „Irgendwann muss das ja mal aus dem Himmel zurückkommen.“ Dann werde es schwieriger, den richtigen Erntezeitpunkt für die Rieslingsorten zu finden.

Matthias Schuh, Winzer in Sörnewitz, setzt mit 40 Prozent seiner Reben auf insgesamt reichlich fünf Hektar schon richtig kräftig auf Rotwein. Noch komme dem Wein der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperaturen zugute. Tags knapp 33 Grad im Elbtal, nachts runter bis 17 Grad. Das hilft der Aromenentwicklung. Erst über 20 Grad Nachttemperatur werde dieser Zitronensäurezyklus, so zur Lippe, schwach oder ganz unterbrochen.

Felix Hößelbarth vom Weingut Hoflößnitz zeigt auf Weißweintrauben, die zwar eine große Zahl an Beeren ausgebildet haben, die aber nur erbsengroß sind. Und vergleicht das mit den kräftigen Trauben vom Rotwein. „Genau das macht den Unterschied aus, ob ein Stock schon zehn Meter tiefe Wurzeln hat und auf Wasser speicherndem Boden steht oder nicht“, sagt der Weinbauexperte.

In den Terrassen und Ebenen, die die Winzer von Schloss Wackerbarth bewirtschaften, zeigt sich genau diese Bandbreite. Weinbauleiter Till Neumeister: „Wir bewässern derzeit fast durchgängig mit Tropfenschläuchen.“ Auf die vier Hektar am Goldenen Wagen, der besten Radebeuler Lage, schicken die Wackerbarth-Winzer zusätzlich jetzt Tankwagen, um die Pflanzen zu gießen.

In Radebeul, Weinböhla und auf der Seußlitzer Heinrichsburg bewirtschaftet das staatliche Gut Wackerbarth insgesamt 92 Hektar, davon 80 Prozent Weißwein und 20 Prozent Rotwein. Weingutsprecher Martin Junge: „Wir rechnen damit, in diesem Jahr so früh zu ernten wie selten und sind unseren Mitarbeitern dankbar, dass sie ihre Urlaubsplanung der Ernte anpassen.“