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Weinkönigin zieht ins Schloss

Sachsens Krone hat Katharina Lai zwar längst abgegeben – in Diesbar-Seußlitz führt sie trotzdem ihr eigenes Reich.

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© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Diesbar-Seußlitz. Der Pferdestall von Schloss Seußlitz gehört zu den unentdeckten Kostbarkeiten an der sächsischen Weinstraße. Bis jetzt. Denn unter dem Kreuzgewölbe anno 1272, das sich heute noch über die weiß getünchten Säulen spannt, hat Sachsens 26. Weinkönigin Katharina Lai ihr eigenes Reich gegründet – das Weinreich.

Zurzeit ist das Weinreich eine Sommerlounge, in dem Freitag bis Sonntag bei einem Glas kühlen Weins und Musik der Blick auf die historischen Weinberge, das Schloss und die Elbe genossen werden kann. Auf der Terrasse liegen dafür dicke Kissen auf den Sofas und Stühlen, auf dem Gras laden eine Hängematte und ein Holzpodest zum Entspannen ein. Von hier aus starten auch Touren mit dem Goldriesling-Oldtimerbus, die Weinwanderungen oder die historischen Führungen, für die Katharina Lai in die Kleider der letzten Schlossbesitzerin Helene von Hark oder der barocken Gräfin von Bünau schlüpft. Damit will die 42-Jährige einen neuen Anlaufpunkt in den Elbweindörfern schaffen und zeigen, dass es trotz des aktuellen Ärgers mit dem schlechten Zustand des Schlossparks touristisch vorangeht.

„Für mich ist es immer wichtig, was für die Region zu tun“, sagt Katharina Lai. Deshalb hat es die gelernte Versicherungskauffrau eben nicht dabei belassen, ehemalige Weinkönigin von Diesbar-Seußlitz und Sachsen, zertifizierte Weingästeführerin, Hobbywinzerin, Ferienhausbesitzerin und Vorsitzende des hiesigen Tourismusvereines zu sein, sondern ist jetzt auch noch in die Gastronomie gegangen. Nicht um den Gasthöfen und Besenwirtschaften Konkurrenz zu machen, wie die 42-Jährige betont. Sondern um das Angebot zu ergänzen.

Jüngeres Publikum ansprechen

Das Weinreich will nämlich vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Statistisch gesehen beginnen die meisten erst mit Mitte, Ende 20 bewusst Wein zu trinken, weiß die Expertin. Und für jene Altersgruppe will sie in Seußlitz einen Anlaufpunkt schaffen, um mit der neuen Liebe, mit der Freundin oder Ehefrau ein Glas Wein zu trinken und ein bisschen zu kuscheln. Ähnliche Besenwirtschaften hat sie schon in Franken und in anderen Weinregionen erlebt, in den Elbweindörfern aber gebe es das bisher noch nicht. „Wir leben hier alle vom Tourismus. Und je mehr Angebote wir haben, umso mehr Gäste kommen“, ist sie überzeugt. Und dafür packt die Weinhoheit kräftig mit an.

Denn nächste Woche beginnt auf ihrem Weinberg zunächst die Lese vom Müller-Thurgau, später müssen Traminer, Goldriesling oder Dornfelder eingebracht werden. Zudem muss es mit dem Innenausbau des Stalles vorangehen. Denn das Weinreich soll keine Sommerlounge bleiben, sondern mit dem ersten Türchen des Adventskalenders auch als Weinbar öffnen. „Ohne Freunde und Familie würde das nicht gehen“, sagt Katharina Lai und weiß, das bis dahin noch viel getan werden muss. Abschrecken tut sie das aber nicht. Ganz im Gegenteil. „Das hier ist erst der Anfang“, sagt sie zum Abschied.

www.elbweinevents.de