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Weiße Liebe

Kaum im Meißner Tierpark eingelebt, schaut bei den Albino-Kängurus schon Nachwuchs aus dem Beutel.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Das bisschen Nieseln hält die sechs Kängurus nicht in ihrem Unterstand zurück. Vielleicht versteckt sich ja im Gras ein Leckerli? Oder unter den im Gehege verteilten Reisighaufen? Schließlich ist bald Ostern. Mit großen Sprüngen durchmessen die Tiere ihre neue Heimat. Anfang März hatte sie Tierparkchef Heiko Drechsler von Freunden aus den Niederlanden geholt. Mittlerweile fühlen sie sich in Siebeneichen sichtlich wohl. Während sich eines der Bennett-Kängurus auf seinen Hinterläufen aufrichtet und neugierig zu den krakeelenden Sittichen in der Nachbarschaft äugt, liefern sich zwei andere Tiere eine kleine Rangelei. Lustig wirbeln die langen weißen Schwänze herum.

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Drechsler macht die Besucher auf hellbraune Flecken im Bauchbereich von zwei der Tiere aufmerksam. „Da sitzt schon der Nachwuchs drin. Manchmal guckt er sogar raus“, sagt der Tierpfleger. Diese Momente sind allerdings derzeit noch recht selten. Aber da. Deutlich ist zu sehen, wie sich das flauschige Fell durch die Bewegungen eines der kleinen Wesen verbeult.

Drechsler zufolge ist es durchaus keine Selbstverständlichkeit, dass sich Kängurus in Gefangenschaft fortpflanzen. Ein Kollege von ihm in Limbach-Oberfrohna habe zehn Jahre lang vergeblich darauf gewartet, dass es im Beutel wackelt. Der 54-Jährige geht davon aus, dass die Jungtiere derzeit etwa vier bis viereinhalb Monate alt sind. Ungefähr ab Ende April könne damit gerechnet werden, dass sie für längere Zeit aus dem Beutel lugen. Frühestens dann lasse sich auch sagen, ob die Kleinen wie ihre Mütter künftig ein weißes oder ein graues Fell tragen werden. Die Farbanomalie vererbt sich nicht automatisch. Graue Kängurus können Albino-Nachwuchs bekommen, weiße Känguru-Kinder wiederum ganz grau ausschauen.

Heiko Drechsler hat mittlerweile seinen Vorrat an Mohrrüben unter der kleinen Herde verteilt. Jetzt wird geknabbert, was das Zeug hält. Neben aufgeschnittenen Äpfeln zählen Karotten zu den Lieblingsspeisen der ursprünglich von der australischen Insel Tasmanien stammenden Tiere. Heu sowie pflanzliche Pellets ergänzen die Nahrungspallette.

Ob es nicht ungewöhnlich sei, dass die in Freiheit eher als Einzelgänger lebenden Bennetts hier in Meißen als dichte Gruppe auftreten und so eng beieinander hocken, möchte ein Besucher wissen. Der Tierparkchef freut sich über die Gelegenheit, sein Wissen weitergeben zu können. Mit dem angeblichen Einsiedlertum sei das so eine Sache. In Australien habe er in der Wildnis vergeblich nach Kängurus Ausschau gehalten. Zu Hunderten seien sie ihm allerdings am Abend in den Ortschaften vor der Nase herumgehüpft. Dort stürmten sie regelmäßig die bewässerten Sportplätze, um sich am leckeren grünen Rasen gütlich zu tun. Den kommunalen Bediensteten blieb am nächsten Tag die Aufgabe, den Kot der Tiere zu beräumen.

Trotz aller Freude über seine Schützlinge, manchmal legt sich auch eine Sorgenfalte über die Stirn des Tierparkchefs. Dann umkreist er das Känguru-Gehege und prüft, ob die sich unmittelbar anschließende Gehwegplatten alles verschließen und kein Feld im Drahtzaun gerissen ist.

Der Hintergrund ist tragisch: Die neue Gruppe ersetzt eine erste Zucht Drechslers, deren Geschichte sehr plötzlich endete. Anfang Dezember 2016 hatte ein Raubtier – womöglich ein Fuchs – sich unter dem Zaun des Känguru-Geheges hindurchgegraben und ein blutiges Massaker unter den Bewohnern angerichtet. Damit verlor der Tierpark eine seiner großen Attraktionen. Wiederholt hatte Drechsler etwa mit Auftritten von Känguru-Babys im Fernsehen für Aufsehen gesorgt. Vielleicht ist es bald wieder soweit.

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Der Tierpark von Heiko Drechsler, Siebeneichener Straße 63, Meißen, hat über die Ostertage täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Eine Hüpfburg ist aufgebaut und der Kiosk bietet Getränke und Speisen an. Neben Kängurus sind auch frisch geborene Thüringer Waldziegen und Schafe zu beobachten.