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Weißenberg ist für Lkws jetzt tabu

Seit Kurzem stehen Gesperrtschilder in Kotitz. Doch die Stadt hat noch andere Wünsche.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

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Weißenberg. Der Weißenberger Bürgermeister Jürgen Arlt (parteilos) kann es kaum fassen. Seit Kurzem stehen doch tatsächlich am Ortsausgang von Kotitz in Richtung Weißenberg zwei Gesperrtschilder. Diese weisen darauf hin, dass in einem Kilometer Entfernung keine Lkws mehr fahren dürfen. Ein langer Kampf der Verwaltung ging diesen Schildern voraus.

Weil die B 178 immer noch nicht fertig ist, fahren die Fahrzeuge, die zur Autobahn wollen, von Löbau aus bis nach Kotitz. Dort werden sie eigentlich laut Verkehrsschild über die Straße nach Wasserkretscham und dann zur A 4 geleitet. Doch oft sind die Navigationsgeräte der Lkws so eingestellt, dass die Fahrer die kürzere Strecke durch die Stadt nehmen. Mit Folgen, die immer wieder von den Bürgern und der Verwaltung bemerkt werden. „Unsere Straßen sind viel zu eng, als dass dort auch noch Lkws mit Sattelaufliegern durchkommen“, sagt Jürgen Arlt. Immer wieder kommt es zu Unfällen. „Fast jedes Mal haben wir dann in den Behörden darum gebeten, die Strecke endlich für Lkws zu sperren. Doch nie ging ein Weg rein“, sagt Arlt. Es gab jedes Mal Vor-Ort-Begehungen mit der Straßenverkehrsbehörde, die die Ausschilderung anweist, und dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), das für die Staatsstraße zuständig ist. Zum letzten Mal im Sommer 2017. Nun stehen also die Verkehrszeichen, und Jürgen Arlt und die Weißenberger werden sehen, wie häufig diese nicht beachtet werden.

Wunsch nach 30 km/h in der Stadt
Doch mit diesen Schildern ist es nicht getan. Die Stadt hat noch andere Wünsche an die Behörden. So ist der Weg von Kotitz bis Weißenberg für Radfahrer sehr gefährlich. Die Straße ist sehr schmal und der Bau eines Radwegs nicht absehbar. Deshalb kann sich der Bürgermeister vorstellen, hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h anzubringen. An zwei weiteren Stellen in der Stadt will er sogar noch weiter runter mit dem Tempo. „Gerade um den Markt ist das Kopfsteinpflaster sehr laut. Außerdem gibt es keine Querungshilfen für Fußgänger, zum Beispiel vom Markt zur Apotheke. „Aber in den Verkehrsämtern spielen Fußgänger und Radfahrer eine eher untergeordnete bis gar keine Rolle“, ist Arlt sauer. Er ist sich sicher, dass Richtlinien auch andere Interpretationen erlauben als immer nur den rollenden Verkehr zu bevorzugen. So sei die Sicherheit der Schulkinder an der Reichenbacher Straße gefährdet. Auch hier will der Bürgermeister eine 30 aufstellen. Noch zumal es in Richtung Stadt am Schützenhaus keine vernünftige Haltestelle gibt und die Schüler der Freien Mittelschule abenteuerlich die Straße überqueren.

Und wenn der Bürgermeister gerade dabei ist, sich über den Lkw-Verkehr zu ärgern, dann fällt ihm noch die Straße der Einheit ein. Diese wurde vor Jahren vom Kreis an die Stadt abgegeben, welche sie schon vor etwa 17 Jahren sanierte. „Die Straße wird zwar vom Lasuv als Umleitungsstrecke zum Beispiel bei Tunnelsperrungen angegeben, aber die entstandenen Schäden müssen wir allein beheben“, sagt Jürgen Arlt. An Spitzentagen wurden hier schon bis zu 4 000 Fahrzeuge gezählt. Und an die Fußgänger, zum Beispiel auch die älteren Bürger im betreuten Wohnen, möchte er wegen der fehlenden Sicherheit gar nicht erst denken.