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Politik

Weißrussland vollstreckt Todesurteil

Belarus will sich bei den Europaspielen als europäisches Land präsentieren. Andererseits vollstreckt das Land noch immer die Todesstrafe. 

Alexander Lukaschenko, Weißrusslands Staatspräsident, begrüßt ab Freitag Hunderte Athleten der Europaspiele in seinem Land.
Alexander Lukaschenko, Weißrusslands Staatspräsident, begrüßt ab Freitag Hunderte Athleten der Europaspiele in seinem Land. © Jörg Carstensen/dpa

Minsk. Die Justiz in der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik Weißrussland hat nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens ein weiteres Todesurteil vollstreckt. Vermutlich sei auch ein zweiter verurteilter Mörder im selben Strafverfahren hingerichtet worden, sagte ein Sprecher des weißrussischen Menschenrechtszentrums Wjasna am Montag. Der Menschenrechtsanwalt Andrej Poluda äußerte sich betroffen: Einerseits wolle sich Weißrussland (Belarus) - wie bei den am Freitag beginnenden zweiten Europaspielen - als europäisches Land präsentieren. Andererseits teile das Land nicht die Menschenrechtswerte und vollstrecke als letztes Land in Europa die Todesstrafe.

Er habe in der vergangenen Woche die Bestätigung bekommen, dass der verurteilte Mörder Alexander Schilnikow erschossen worden sei, sagte Poldua in einer Mitteilung von Wjasna. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte die Tötung. Eine offizielle Bestätigung gab es zu dem konkreten Fall nicht. Weißrussland tötet die Verurteilten per Genickschuss.

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Nach Darstellung des Menschenrechtszentrums werden Todesurteile in einem Strafverfahren in der Regel gemeinsam vollstreckt. Es sei daher davon auszugehen, dass auch Schilnikows Komplize Wjatscheslaw Sucharko getötet worden sei. Sucharko hatte demnach anders als Schilnikow nicht um sein Leben gekämpft und auch keine Angehörigen. Beide waren wegen zweifachen Mordes verurteilt worden.

Bereits im Januar war ein verurteilter Schwerverbrecher hingerichtet worden.

In Minsk starten am Freitag (21. Juni) die zweiten Europaspiele, bei denen der als "letzter Diktator Europas" kritisierte Präsident Alexander Lukaschenko als Gastgeber glänzen will. Die Wettkämpfe dauern bis Sonntag (30. Juni). An den Wettbewerben nehmen rund 150 deutsche Athleten teil. Ein Boykott wegen der Menschenrechtslage in Weißrussland gibt es nicht. (dpa)

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