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Abverkauf und Frust statt Weihnachtsgeschäft

Ab Montag sind die meisten Geschäfte dicht. Weißwasser lädt Sonnabend daher noch mal zum langen Shoppingtag.

Von Sabine Larbig
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Lächeln für die Kamera, denn Kathi Struck muss ihr Floristik-Geschäft in Schleife ab Montag schließen, setzt auf Abverkauf bis Sonnabend sowie Bestell- und Abholgeschäft.
Lächeln für die Kamera, denn Kathi Struck muss ihr Floristik-Geschäft in Schleife ab Montag schließen, setzt auf Abverkauf bis Sonnabend sowie Bestell- und Abholgeschäft. © Joachim Rehle

Überall im Laden stehen Weihnachtssterne unterschiedlicher Farben und Größen. Ein großer geschmückter Weihnachtsbaum verbreitet Weihnachtsstimmung. So, wie die vielen Dekorationsstücke, weihnachtliche Gestecke, Blumensträuße und Topfpflanzen. Normalerweise brummt um die Weihnachtszeit der Laden von Floristin Kathi Struck aus Schleife. Doch wie das Ostergeschäft im Frühjahr, macht der neue, ab 10. Januar in Sachsen geltende, Lockdown nun auch den Umsatz zum Jahresende zunichte. Nur bis Sonnabend können die Kunden im Laden des Schleifer Gartenbaubetriebs noch einkaufen. Zum Abverkaufspreis.

„Ich habe keine andere Wahl. Blumen kann ich keine vier Wochen pflegen. Und Weihnachtssterne und Gestecke kauft im Januar niemand mehr“, begründet die Floristin, die nun erneut drei Mitarbeiter, wenn sie ihren Urlaub und die Überstunden genommen haben, in Kurzarbeit schicken muss. Noch hofft die Unternehmerin, dass der Weihnachtsbaumverkauf gut läuft und Sträuße und Gestecke auf Bestellung und Selbstabholung während des Lockdown möglich werden. Letzteres hänge davon ab, ob der Großhandel liefere. Das erfahre sie Freitagnachmittag.

Kein Verständnis für Lockdown vor Weihnachten

Als selbst produzierender Gartenbaubetrieb dürften Strucks im Lockdown öffnen. „Im Winter wachsen in den Gewächshäusern nur Alpenveilchen, die wir auch nur verkaufen dürften. Da lohnt Öffnen nicht.“ Allein im Bereich Floristik, sagt Kathi Struck, habe sie 2020 durch Corona schon 25 Prozent Umsatzeinbußen, weil es kaum Hochzeiten, Feste, Feiern gab. „Das ist ein fünfstelliger Betrag, der fehlt. Hinzu kommen Verluste aus Schließzeiten, Ausgaben für den Umbau des Ladens laut Hygienevorschriften.“ Umso weniger könne sie es nachvollziehen, dass Blumenläden und der Einzelhandel generell wieder geschlossen werden, während Discounter offenbleiben und die Sortimente, wie im Frühjahr, erweitern. „Überhaupt stelle ich mir die Frage, warum der Lockdown nicht nach Weihnachten hätte sein können. Jetzt ist im Einzelhandel Hauptgeschäftszeit, brauchen die Läden gerade dieses Jahr den Umsatz.“

Wie Kathi Struck geht es den meisten Einzelhandelsunternehmen der Region, sehen sie sich nicht als Ursache für die steigenden Corona-Zahlen. „Obwohl wir kleinen Händler alles getan haben zur Einhaltung der Hygieneregeln, nur je nach Ladengröße Kunden reinlassen, sind wir erneut die Leidtragenden, werden wir durch die Lockdowns systematisch in die Knie und zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Denn ich glaube nicht, dass ab Januar alles wieder aufgehoben und normal ist“, sagt die Inhaberin eines Weißwasseraner Bekleidungsgeschäftes. Auch sie muss Angestellte nun wieder in Kurzarbeit schicken, bleibt erneut auf Ware sitzen, muss trotz Schließung weiter Rechnungen, Abgaben, Miete, Nebenkosten zahlen. Aussicht auf Ausgleich durch Unterstützung von Bund und Land hat sie nicht. Kredite helfen nicht. Wie lange sie das durchhalten könne oder wolle, wisse sie nicht.

Noch bis Sonnabend können diese außergewöhnlichen Weihnachtskarten-Sets gegen Spenden bei Schuh Hemmo, Intersport und Juwelier Schirrock erworben werden. Wer sie holt, unterstützt die städtische Kulturszene.
Noch bis Sonnabend können diese außergewöhnlichen Weihnachtskarten-Sets gegen Spenden bei Schuh Hemmo, Intersport und Juwelier Schirrock erworben werden. Wer sie holt, unterstützt die städtische Kulturszene. © Joachim Rehle

So oder ähnlich sieht die Lage bei fast allen Einzelhändlern in Weißwasser und den Umlandgemeinden aus. Und während Friseure und Physiotherapien im Gegensatz zum Frühjahr diesmal weiter arbeiten dürfen, sind nicht nur Einzelhandelsläden ohne Dienstleistungsprofil und Systemrelevanz erneut ausgebremst, sondern auch Buchhandel, Spielwaren, Fahrschulen, Reisebüros oder Versicherungsagenturen. „Noch haben wir keine Klarheit, müssen wir die Rechtsverordnung des Freistaates am Freitag abwarten. Erst dann weiß man wirklich, wer alles schließen muss“, erzählt Marco Ludwig von der Axa-Generalagentur Weißwasser. Für sein Unternehmen sieht er aktuell keine Gefahr. „Den Kundenkontakt und die Beratung können wir auch per Mail und Telefon machen. Doch die Folgen der Pandemie werden auch wir zu spüren bekommen. Nächstes Jahr oder später“, meint er. Die erneute Schließung des Einzelhandels könne er aber nicht verstehen. „Die machen alles nach genehmigten Konzepten, halten sich dran. Ich kaufe daher nicht im Internet und werde die nächsten Tage nutzen, um letzte Weihnachtsgeschenke in Weißwasser bei unseren Händlern zu kaufen.“

Auf „Kauf lokal“ wird ebenfalls an diesen Sonnabend gesetzt. Dann gibt es noch einmal die Möglichkeit zum Weihnachtsshopping in Weißwasser: bei einem „langen“ verkaufsoffenen Sonnabend bis 18 Uhr. Hintergrund für die Sofortaktion sind der Wegfall des geplanten Einkaufstags am 20. Dezember und die Zwangsschließungen ab Montag. „Die Virus-Krise lässt die Macher der Stadt trotz Abstandsregeln zusammenrücken. Ich bin beeindruckt, wie sich Händler und Gewerbetreibende trotz der Schwierigkeiten zusammenraufen, auf Bestell- und Abholsystem orientieren und gemeinsam was für den Innenstadthandel machen“, erklärt City-Manager Frank Lublow, der gestern alle Geschäfte persönlich besuchte und um Mittun beim Einkaufssamstag warb. „Viele haben es mit Lächeln aufgenommen. Doch ich weiß, es war oft Galgenhumor.“

Dennoch sei der lange Sonnabend für Kunden und Händler die letzte direkte Möglichkeit für lokales Weihnachtsshopping und um zu zeigen: Gemeinsam sind wir stark und lassen uns nicht unterkriegen! Und obwohl der City-Manager Optimismus und Zuversicht verbreitet, weiß er, wie hart der Lockdown die Händler im Weihnachtsgeschäft trifft. „Es sind massive Umsatzeinbußen in einem ohnehin wirtschaftlich sehr harten Jahr.“

Hart war das Pandemiejahr auch für die örtliche Kulturszene. Bei Händlern sollten daher eigens angefertige Weihnachtskarten mit Weißwasser-Motiven gegen Spenden verkauft werden. „Wichtiger ist jetzt das Überleben der Händler“, so Lublow.

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