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Arbeitgeber über Führerschein getäuscht?

Ein Angeklagter vor dem Amtsgericht Weißwasser fuhr ohne gültige Papiere wiederholt mit seinem Motorrad zur Arbeit. Jetzt urteilte das Gericht.

© dpa/David-Wolfgang Ebener

Weißwasser. An fünf Tagen im August 2020 fuhr ein Krauschwitzer per Motorrad nach Weißwasser zur Arbeit – ohne Fahrerlaubnis. Vor dem Amtsgericht musste sich der 39-Jährige jetzt wegen mehrfachen Fahrens ohne Führerschein verantworten.

Der gelernte Maurer lebte mehr als 15 Jahre in Heidelberg. Dort war ihm schon vor zehn Jahren die Fahrerlaubnis wegen Alkohol-Fahrten entzogen worden. Nachdem sein Vater verstorben war, flüchtete er sich immer mehr in den Alkohol. Seit einer Therapie 2012 ist er nach eigener Aussage jedoch weg davon. In die alte Heimat kehrte der gebürtige Muskauer zurück, da er hier seine an Asthma erkrankte Mutter unterstützen wollte.

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Im Sommer 2020 bewarb sich der Angeklagte bei einer Holzbaufirma in Weißwasser. Im Vorstellungsgespräch habe er wohl geäußert, den Motorradführerscheins zu haben. Auch stellte er in Aussicht, den Pkw-Führerschein machen zu wollen – wichtige Voraussetzung für die Einstellung, handelte es sich doch um einen Job als Monteur mit mindestens sachsenweitem Einsatz. Nach einem 14-tägigen Praktikum erhielt er den Arbeitsvertrag. So schilderte es sein damaliger Arbeitgeber jetzt vor Gericht.

Schließlich kam es doch heraus

Als dieser zwei Wochen später seinem Mitarbeiter sagte, dass es nun so langsam mit dem Pkw-Führerschein dringend wäre, druckste der Angeklagte herum. Schließlich kam er mit der Sprache raus, dass ihm die Fahrerlaubnis entzogen worden war. Da ihn seine Mutter krankheitsbedingt nicht mit dem Auto zur Arbeit bringen konnte, nutzte er zwischen dem 15. und 27. August 2020 an fünf Tagen sein Motorrad, fuhr die Hälfte der Strecke auf einem Waldweg, um nicht auf öffentlichen Straßen ertappt zu werden.

Um die Fahrerlaubnis wiederzuerlangen und für die Berechtigung, Autos zu fahren, hätte es einer medizinisch-psychologischen Untersuchung bedurft. Die wollte sich der Angeklagte sparen: Er hätte gehört, „dass man nach zehn Jahren den Führerschein auch ohne MPU wiederkriegen kann“. Sein Chef fühlte sich arglistig getäuscht. Er habe den Mitarbeiter angewiesen, „dass er zu Fuß antreten muss“. So richtig auf die Palme aber brachte ihn, dass an einem Montagmorgen um 5 Uhr mehrere Mitarbeiter, die zusammen nach Leipzig fahren sollten, lange auf dem Hof der Firma warteten, weil sich der Angeklagte, der mitfahren sollte, erheblich verspätete. Als er dann endlich erschien, soll er laut geworden sein: Schließlich sei der Chef dran schuld, dass er nicht mehr mit dem Motorrad kommen könne! Außerdem soll er die Sekretärin, die an diesem Morgen für die Einteilung der Monteure zuständig war, beleidigt haben. Daraufhin erteilte der Arbeitgeber Hausverbot, sprach die sofortige Kündigung aus – und erstattete Anzeige.

Dass er seinen damaligen Chef über den Führerschein getäuscht haben soll, bestritt der Angeklagte. Der Arbeitgeber erklärte, dass alle Fahrzeugführer einmal wöchentlich ihren Führerschein im Sekretariat vorlegen müssten. Es würde kopiert und kontrolliert, ob dieser noch gültig sei. Das habe er strikt angewiesen, nachdem sich bei einem Kollegen mit polnischem Führerschein herausstellte, dass er in Deutschland hätte gar nicht fahren dürfen. „Da hatten wir viel Ärger“, so der Zeuge.

Zum Laufen wirklich zu weit

Mittlerweile arbeitet der Angeklagte in einer Firma in Bad Muskau, die ihn zur Arbeit abholen lässt. Er gab zu, an den besagten Tagen ohne Fahrerlaubnis mit dem Motorrad nach Weißwasser gefahren zu sein. Dass die Strecke zum Laufen zu weit sei, gestand ihm Amtsgerichtsdirektor Christoph Pietryka zu. Die Frage des Richters, ob ihm nie die Anschaffung eines Elektrofahrrads in den Sinn gekommen sei, welches man auf Raten kaufen und somit mobil sein könne, verneinte der Angeklagte.

Für ihn sprach sein Geständnis und dass er nicht vorbestraft ist, so die Staatsanwältin. Sie forderte eine Gesamtstrafe von 70 Tagessätzen zu je 43 Euro. Auch habe sich der Angeklagte als ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs erwiesen. Deshalb sei ihm eine Sperre von einem Jahr bis zur Wiedererlangung des Führerscheins aufzuerlegen. Der Richter hielt ihm zugute, dass er zurückkam, um die kranke Mutter zu unterstützen, sich einen neuen Job gesucht habe und geständig sei. Er verurteilte den Angeklagten zu dem geforderten Strafmaß und ermahnte ihn, ohne Fahrerlaubnis kein Fahrzeug zu berühren. Auch solle er in die MPU investieren, damit er den Führerschein wiederkriegen und das Auto seiner Mutter fahren kann. Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

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