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Waldeisenbahn stellt Weichen für 2030

Struktur- und Energiewandel wirken sich auf die Bahn aus. Um die Aufgaben zu meistern, braucht sie Geld und Visionen.

Bevor der Bahnübergang vor Halbendorf saniert wurde, verlegten Waldbahner, wie Björn Niemz, schon 30 Meter neue Schienen.
Bevor der Bahnübergang vor Halbendorf saniert wurde, verlegten Waldbahner, wie Björn Niemz, schon 30 Meter neue Schienen. © Joachim Rehle

Der Saisonstart zu Ostern klappte durch Corona nicht. Nun sollen die Züge der Schmalspurbahn ab 1. Mai zwischen Weißwasser, Bad Muskau und Kromlau rollen. Noch steht durch die weiter wütende Pandemie selbst hinter dem Termin ein Fragezeichen.

Klare Aus- und Zusagen, statt vieler Fragezeichen, erhoffen sich die Waldbahner dagegen möglichst bald bezüglich genereller Entscheidungen zur Zukunft des technischen Kulturdenkmals „Waldeisenbahn Muskau“ (WEM). Denn auch die historische Schmalspurbahn muss sich den Herausforderungen von Struktur- und Energiewandel stellen und sie meistern. Immerhin sind mittel- und langfristig mit Kohle oder Diesel betriebene Loks ebenso undenkbar wie Regionaltourismus ohne WEM.

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Strategie-Konzept bis 2030 erstellt

„Die Waldeisenbahn ist ein Stück Wirtschaftsförderung für den regionalen Gastronomie-, Beherbergungs- und Tourismusbereich, begründet WEM-Geschäftsführer Heiko Lichnok. „Die Leute kommen von weit her zu uns, viele aus Polen und Tschechien, um die Bahn und ihr Umfeld aktiv zu erleben, verweilen dadurch einige Zeit hier in der Region“, weiß Lichnok aus Erfahrung. Allein im letzten Jahr konnte er, trotz Corona und den daraus resultierenden Einschränkungen für den Fahrbetrieb, rund 40.000 beförderte Fahrgäste vermelden. Und die Tendenz ist steigend.

Damit das touristische Zugpferd und Erlebnis Waldeisenbahn auch unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen erhalten bleibt, wurde im Oktober 2020 eine Arbeitsgruppe (AG) „WEM – Strategie 2030“ gegründet. In ihr sind Vertreter der kommunalen Gesellschafter der Bahn, also Weißwasser, die Parkgemeinden Gablenz und Bad Muskau, Landkreis Görlitz, sowie Waldeisenbahn-Verein und Geopark Muskauer Faltenbogen. Letzterer unterstützt, da die Züge der Bahn mitten durch die Geopark-Landschaft fahren und Besuchern so einen erlebbaren Eindruck von der einzigartigen Landschaft mit Unesco-Titel verschaffen. Somit eint die Mitglieder der AG ein gemeinsames Ziel: Sicherung und Entwicklung des technischen Kulturdenkmals Waldeisenbahn Muskau. „Wir wollen und müssen die WEM weiter denken, entwickeln und sichern“, bringt es Torsten Pötzsch, Oberbürgermeister (OB) von Weißwasser und Vorsitzender der Strategiegruppe, auf den Punkt.

Erlebnis-Gastronomie geplant

Kräftig anpacken mussten Vereinsmitglieder von der Waldeisenbahn Muskau auch beim Aufbau und Einräumen der neuen Werkstatt im sanierten alten Lokschuppen.
Kräftig anpacken mussten Vereinsmitglieder von der Waldeisenbahn Muskau auch beim Aufbau und Einräumen der neuen Werkstatt im sanierten alten Lokschuppen. © Joachim Rehle

Zwar ist der Titel „Strategie 2030“ einfach, kompakt, verständlich. Dahinter verbergen sich jedoch Unmengen zu lösender Schwerpunkt- und Detailaufgaben.Die betreffen Sanierung und Anpassung der Infrastruktur der Bahn, indem das 16 Kilometer lange Streckennetz inklusive sechs Bahnhöfen, drei Haltepunkten und 36 Bahnübergängen instand gesetzt und nachhaltiger aufgewertet werden soll. Geplant ist auch, Anlagen und Prozesse zu digitalisieren sowie Technik und Loks auf neue Energie- und Betriebsarten, wie beispielsweise Wasserstoff, umzustellen. Langfristig gesichert werden sollen ebenfalls die neun WEM-Arbeitsplätze und die Vereinsarbeit. Außerdem haben die Waldbahner noch einiges auf dem Gelände Teichstraße in Weißwasser vor. „Wir planen eine Erweiterung, wollen ein neues Servicegebäude bauen. Das bringt sogar drei neue Arbeitsplätze“, erläutert WEM-Chef Heiko Lichnok. Konkret gehe es um Erlebnisgastronomie mit Eisenbahn-Flair. Mit dem regional einmaligen Konzept, so die Hoffnung, kommen noch mehr Gäste und länger bleibende Besucher. Möglichkeiten zur Übernachtung seien jedoch nicht geplant. „Dafür gibt es genügend Anbieter“, begründet Lichnok. Entstehen soll das Projekt auf einem Grundstück der Stadt Weißwasser, welches an das WEM-Areal angrenzt.

Die Chancen für dieses und alle anderen Vorhaben stünden gut, meint OB Torsten Pötzsch. Nicht nur, weil sich die Gesellschafter-Kommunen bereits klar, selbst mit Ratsbeschlüssen, zum Strategie-Konzept bekannten. Grund für den Optimismus ist auch ein eingereichter Projektantrag beim Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung, der auf Strukturwandel-Gelder abzielt. „Wir hoffen auf Genehmigung und sind uns auch im Klaren darüber, dass die Pläne und ihre Umsetzungen über 2030 hinaus gehen“, bekennt Pötzsch.

WEM braucht 7,6 Millionen Euro

Beantragt wurden zur Sanierung der Infrastruktur der Kleinbahn insgesamt 7,6 Millionen Euro für den Zeitraum bis 2028. „Klappt es, könnten wir jährlich etwa eine Million Euro in die schrittweise Erneuerung der Anlagen und Einrichtungen investieren“, so Lichnok. In einer zweiten Beantragungs- und Finanzierungsphase soll die Technik-Umstellung erfolgen.Auch, wenn die Weichen der Waldbahn auf Richtung Zukunft gestellt sind, bleiben das Hier und Jetzt und ein baldiger Saisonstart fest im Blick. Sobald der möglich ist, sehen auch WEM-Gäste, was Mitarbeiter und Vereinsmitglieder in den letzten zwei Jahren im Hintergrund stemmten. Dazu gehören der Bau eines Wetterschutzdaches für die Freiluftausstellung historischer Museumsfahrzeuge, der Abschluss der Sanierung von Feldbahndepot, historischem Lokschuppen, Gleisen, Weichen und Bahnsteig am Bahnhof Kromlau sowie Vereinsgebäude. Überdacht, in Eigenregie, wurden außerdem die fünf offenen Personenwagen der Tonbahn und 200 Meter Schwellen sowie der WEM-Bahnübergang zwischen Weißwasser und Halbendorf erneuert. Nicht zuletzt haben die Waldbahner die Corona- und Winterzeiten für Werkstattarbeiten an Loks und Wagen genutzt, technische Anlagen überprüft; Bewuchs auf und neben Gleisen beseitigt.

Möglich wurden die Arbeiten durch Eigenleistung oder Förderprogramme. Da selbst bei staatlicher Förderung stets ein gewisser finanzieller Eigenanteil aufzubringen ist, selbst bei den Strategie2030-Vorhaben, müssen Einnahmen aus Fahr- und Gastronomiebetrieb sowie Spenden fließen. Nur so können Rücklagen für Investitionen gebildet werden. Seit Corona schrumpfen die Rücklagen jedoch stetig. Die Bahn sichert damit auch ihr Überleben.

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