merken
PLUS Weißwasser

Bafa-Außenstelle in Weißwasser brummt

Vor einem Jahr fiel die Entscheidung zur Ansiedlung der Behörde. Jetzt hat sie 100 Mitarbeiter, sucht bereits weitere.

Torsten Pötzsch und Torsten Safarik (re.) weihten im Mai die Behörde ein.
Torsten Pötzsch und Torsten Safarik (re.) weihten im Mai die Behörde ein. © Archiv: Sabine Larbig

Für andere Kohleregionen in Deutschland war es ein Rückschlag, sorgte am 26. November 2019 die Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, eine Außenstelle des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in der Lausitzer Kleinstadt Weißwasser anzusiedeln, für herbe Enttäuschung.

Kein Wunder. Da, wo die Kohle künftig als Wirtschafts- und Erwerbszweig aufgrund des von der deutschen Politik beschlossenen Strukturwandel-Prozesses bis 2038 wegbricht, wird auf langfristigen Ersatz gehofft. Auch und mit Hilfe der Ansiedlung von Bundesbehörden, die attraktive, gut bezahlte Jobs bringen. In Regionen, die besonders vom Strukturwandel betroffenen sind, sollen mit der Ansiedlung von Bundeseinrichtungen bis 2028 bis zu 5.000 Arbeitsplätze erhalten beziehungsweise neu geschaffen werden. Entsprechend hart ist der Wettbewerb der Kohleregionen unter- und gegeneinander.

Anzeige
Betreutes Wohnen in idyllischer Lage
Betreutes Wohnen in idyllischer Lage

Im Februar eröffnet das Familienunternehmen Kunze ein neues Haus am Quitzdorfer Stausee - mit einem besonderen Konzept.

Perspektive für Beschäftigte der Kohleindustrie

Dass Weißwasser letztlich bei der Bafa die Nase vorn hatte, war weder Glück noch ein Selbstläufer. An den Bemühungen, die neue Außenstelle in die Oberlausitz zu holen, waren der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) maßgeblich beteiligt. Stetig und nachhaltig auf allen politischen Ebenen geworben und gefordert hatte zudem Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) ein schnelles und sichtbares Zeichen eines gelingenden Strukturwandels. „Die Menschen hier, im direkt vom Kohleausstieg betroffenen Gebiet, brauchen so ein Zeichen, Motivation und neue Arbeitsplätze“, war und ist seine Botschaft. Momentan engagiert er sich dafür, eine Forschungs- oder höhere Bildungseinrichtung in die Stadt und die einstige Glasfachschule zu holen, das städtische Gewerbegebiet für ansiedlungswillige Investoren zu erweitern und vorhandene Unternehmen zu stärken. Alles mit und durch Gelder des stark umkämpften Strukturwandelfonds.

Indes zeigt die Ansiedlung der Bafa, die im Mai 2020 in Weißwasser die Arbeit aufnahm, erste Erfolge. Bei der Behörde arbeiten 100 neue Mitarbeiter, die wichtige Aufgaben in der Umsetzung bundesdeutscher Klimaschutzprogramme haben. „Mit Entscheidungen wie der zum Aufbau der großen neuen Außenstelle in Weißwasser setzt die Bundesregierung wichtige Impulse - nicht nur für die Lausitz, die sehr stark vom Strukturwandel betroffen ist, sondern für die Gesamtheit der neuen Bundesländer“, erklärt Marco Wanderwitz, Beauftragte der Bundesregierung für diese.

Als „gemeinsamen organisatorischen Kraftakt von Bund, Land und Kommune„ bezeichnet Torsten Safarik, Präsident des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, die Behördenansiedlung, die gezielt mit Programmen für den Kohleausstieg in einer Region des Kohleausstiegs erfolgt sei. „Der Erfolg gibt uns Recht. Die neuen Kollegen arbeiten hoch engagiert in unseren Energieförderprogrammen mit. Wir bringen sozusagen in mehrfacher Hinsicht neue Energie in die Oberlausitz.“Neben den Förderprogrammen „Heizen mit erneuerbaren Energien“ und „Heizungsoptimierung“ – darüber werden bis zu 45 Prozent der Kosten für die Anschaffung von Wärmepumpen, Solarkollektoren oder den Austausch von Ölheizungen gefördert – werden in Weißwasser die Anträge für das ‚Anpassungsgeld Braunkohle‘ bearbeitet. Damit soll Beschäftigten der Kohleindustrie der Übergang in den Ruhestand erleichtert werden.

Verwaltungs-Vorkenntnisse nicht erforderlich

Momentan sucht die Behörde in Weißwasser wieder Mitarbeiter. Ausgeschrieben sind Stellen für Bürosachbearbeiter, die keine Vorkenntnisse in Verwaltung, Klima- oder Umweltschutz haben müssen – nur eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nachdem es bei den letzten zwei Stellenausschreibungen je rund 400 Bewerbungen gab, wird mit ähnlichen Zahlen gerechnet. Ob es die vorerst letzte Ausschreibung für Weißwasser ist, ist offen. Geht es nach Behördenchef Safarik, soll die Außenstelle weiter expandieren. Das aber entscheidet die Bundesregierung, erfordert Platz. Aktuell wird die Sparkassenfiliale Bodelschwinghstraße für die Behörde weiter umgebaut. Bezogen sind erster Stock bis Dachgeschoss, im Schalterbereich wird noch gebaut. Beendet ist dagegen der Ausbau der zwei Obergeschosse der Landesimmobilie Carl-Friedrich-Gauß-Straße 1. Hier arbeiten seit September 34 Bafa-Mitarbeiter, besteht noch Personalkapazität. Und die Behörde setzt auf Vorbildwirkung. Genutzt werden E-Autos als Dienstwagen, es entstanden intern und öffentlich nutzbare E-Ladesäule. Arbeitsplätze und -zeiten haben gesundheitsfördernden und familienfreundlichen Fokus. Dienstreisen sind, nicht nur durch Corona, durch moderne Technik aufs Minimum reduziert.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser