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BSZ Weißwasser für neue Ausbildung regelrecht überrannt

Erstmals startet am BSZ Weißwasser eine Klasse für Fachinformatiker. Und es wird eine neue Ausbildungshalle gebaut.

Im Atrium des Beruflichen Schulzentrums in der Jahnstraße in Weißwasser wird derzeit eine neue Ausbildungshalle hochgezogen.
Im Atrium des Beruflichen Schulzentrums in der Jahnstraße in Weißwasser wird derzeit eine neue Ausbildungshalle hochgezogen. © Joachim Rehle

Das Atrium des Beruflichen Schulzentrums in Weißwasser (BSZ) ist derzeit nur begrenzt nutzbar. Ein Teil der Außenanlagen ist durch einen Bauzaun versperrt. Dahinter entsteht eine neue Ausbildungshalle. Eigentlich hatte der Landkreis Görlitz als Schulträger beabsichtigt, zusätzliche Flurstücke zu erwerben, damit zwischen dem Ersatzbau und den bestehenden Gebäuden mehr Luft und der Schulhof nicht so zugebaut ist. Wegen unklarer Eigentumsverhältnisse gelang dies jedoch nicht, so dass der Bau weiter in den Innenhof gerückt werden musste. Schulleiterin Petra Weidner findet die neuen Gegebenheiten dennoch charmant. „So entsteht ein Vierseithof, wie er typisch für unsere Region ist“, begründet sie voller Vorfreude.

Den ersten Anlauf zu dem Projekt hatte schon ihr Vorgänger 2015 unternommen. Mit der Auflösung des Standorts Boxberg und der Eingliederung der Außenstelle nach Weißwasser wurde am BSZ in der Jahnstraße mehr Platz gebraucht. Zudem befand sich die alte Halle in der Friedrich-Fröbel-Straße schon zu jener Zeit in recht marodem Zustand. Doch trotz intensiver Bemühungen kam das damalige Projekt nicht zustande. Die Planungen verzögerten sich und auch die Finanzierung war unklar.

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Im Jahr 2018 folgte ein neuer Anlauf. Für 3,5 Millionen Euro wird nun doch eine neue Ausbildungshalle gebaut. Mit 3,1 Millionen Euro trägt der Freistaat einen Großteil der Kosten. Davon zeugt der symbolische Scheck im Büro der Schulleiterin.

Werkstätten für den Unterricht

In dem flachen Teil des Gebäudes werden sich die Sanitärräume befinden und der sogenannte Bankraum, also die Werkstatt mit zweimal sechs Hobelbänken für den praktischen Unterricht im Holzbereich. In dem hohen Gebäudeteil werden Maschinenräume für die praktische Ausbildung im Metallbereich untergebracht. Das sei schon in der alten Halle so gewesen, nur nicht so räumlich getrennt, weiß Petra Weidner. Zudem entsprach das auch nicht mehr dem Stand der Technik. Nun entstehen zwölf moderne Werkstattplätze für angehende Industriemechaniker sowie Maschinen- und Anlagenführer. In der Grundstufe Metalltechnik wurden wegen der hohen Nachfrage sogar zwei Klassen gebildet.

Durch die Corona-Pandemie verzögerte sich das Vorhaben. Zwischenzeitlich habe es einen Baustopp gegeben, weil Bauarbeiter in Quarantäne mussten und Lieferengpässe zum Problem wurden. Mit dem Schuljahr 2022/23 soll die neue Halle eröffnet werden. Dass sie sich im Gelände des BSZ befindet und über das Atrium direkt zu erreichen ist, hat aus Sicht von Petra Weidner noch einen „absolut großen Vorteil“. Auf dem Weg in die alte Halle seien Schüler bisweilen „verlorengegangen“, erzählt sie. Wegzubleiben, das sei dann nicht mehr ganz so einfach.

Die alte Halle an der Fröbel-Straße wird abgerissen und an ihre Stelle Parkplätze für die Berufsschüler gebaut. Der Maschinenpark zieht, bis auf wenige Neuanschaffungen, mit um. Die Hobelbänke waren Sonderanfertigungen, die würden in die neue Halle gar nicht hineinpassen. Für den Umzug der CNC-Maschinen, die man nun mal „nicht unter den Arm klemmen kann“, ist eine Spezialfirma erforderlich. Aus den Planungen von 2015 habe man Vieles aktivieren können. Soll heißen, die damals schon beabsichtigten Firmen dürfen jetzt bauen.

Hallo und Tschüss an einem Tag

Das neue Ausbildungsjahr begann mit einer Besonderheit: Während am Vormittag des 31. August in einer Gesamtlehrerkonferenz das Kollegium mit den neuesten Informationen zum Start ausgestattet wurde, erhielten am Nachmittag Schüler der Altenpflege ihre Abschlusszeugnisse. „Hallo und Tschüss an einem Tag, das gab es vorher noch nie“, sagt die Schulleiterin schmunzelnd. Froh ist sie darüber, dass das Lehrerteam komplett ist und es daher kaum Ausfälle geben wird. Das sei keineswegs überall der Fall. Die beiden Abgänge wurden ersetzt. Dennoch bleibe die Personalfrage auch im BSZ Weißwasser eine Herausforderung, „da das Kollegium überaltert ist“.

Ganz neu mit diesem Ausbildungsjahr startet eine Fachinformatik-Klasse mit 23 Schülern, darunter zwei Mädchen. „Wir wollten uns eigentlich erst einmal vorsichtig herantasten, sind aber regelrecht überrannt worden“, erklärt Petra Weidner. Es gibt sogar eine Warteliste. Fachinformatiker planen und verwalten Netzwerke. Die Nachfrage nach solchen Allroundern wird weiter zunehmen. Als Fachkräfte werden sie in der Wirtschaft und selbst in kleinen Handwerksbetrieben gebraucht. Und auch in Krankenhäusern geht es längst nicht mehr ohne sie, wie die Nachfragen zeigen. Im BSZ Weißwasser spekuliert man darauf, künftig zwei Klassen führen zu können. Allerdings bedarf es dazu der erforderlichen Fachkabinette, also weiterer Investitionen. Beim Landkreis als Schulträger sieht man die Bedeutung dessen, zumal die Kreisverwaltung selbst in der Richtung ausbildet.

Hoffnung auf Normalbetrieb

Über sinkende Schülerzahlen muss man im BSZ Weißwasser nicht klagen. „Wir haben keinen Schwund, weil wir nicht in den pandemierelevanten Berufen wie Gastronomie ausbilden“, begründet die Schulleiterin. Knapp 760 Schüler sind bisher eingeschrieben. Es kommen aber noch einige hinzu. Zwar begann die Ausbildung in der Pflege am 1. September, die anderen Bereiche folgen jedoch in drei Blöcken jeweils zwei Wochen später. Somit gibt es am BSZ quasi viermal einen ersten Schultag. Bis zu den Herbstferien können noch Bewerber nachrücken. Beispielsweise, wenn Firmen in der dualen Ausbildung erst jetzt einen Azubi gefunden haben.

Pro Woche sind drei Corona-Testungen vorgeschrieben. Das habe sich aber eingespielt, heißt es. Besondere Höhepunkte, wie es sie sonst im BSZ gab, sind vorerst (noch) nicht angedacht. „Es wäre schon einer, wenn wir durchgehend Präsenzunterricht anbieten könnten. Es ist doch wichtig, dass Schule wieder Schule ist – mit allem, was dazugehört“, so die Schulleiterin.

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