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Daniel Mosmann geht kommunalpolitisch in Rente

Der Krauschwitzer war 37 Jahre als Stadt-, Kreis- und Gemeinderat tätig. Sein Wirken hinterlässt Spuren. Im ganzen Kreis.

Daniel Mosmann aus Krauschwitz beendet nach 37 Jahren seine kommunalpolitische Arbeit. Zum Abschied kaufte er Platten und Farbe für das Bushaus gegenüber von der Oberschule Krauschwitz.
Daniel Mosmann aus Krauschwitz beendet nach 37 Jahren seine kommunalpolitische Arbeit. Zum Abschied kaufte er Platten und Farbe für das Bushaus gegenüber von der Oberschule Krauschwitz. © Sabine Larbig

Mit Freude reicht Daniel Mosmann den Schülerinnen der Klasse 10 b der Oberschule Krauschwitz das eine oder andere Mal-Utensil, während sie die Hinterfront des Buswartehäuschens gegenüber von der Schule mit Darstellungen von Sportarten im kubistischen Stil verschönern. Immerhin war das seine Idee, weil das Häuschen „seit Jahren so schäbig“ aussah. Mit Unterstützung der Tischlerei Huschke und des Bauhofs sponsorte er dafür die Verkleidung samt Montage und Farben, nachdem er Lehrerinnen und Schüler von der Idee überzeugt hatte. Die Bushaus-Gestaltung ist ein Abschiedsgeschenk – von den Abschlussschülern und Daniel Mosmann. Er verlässt im Juli auf eigenen Wunsch den Gemeinderat Krauschwitz. „Es ist Zeit aufzuhören und die verbleibenden Jahre mit meiner Frau und der Familie zu genießen“, begründet der 79-Jährige.

Seit 2004 war der CDU-Mann im Gemeinderat Krauschwitz, davon 15 Jahre als stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Technischen Ausschusses. Kein Wunder, dass ihm Ortsverschönerungen am Herzen liegen. Eingesetzt hat er sich außerdem für Erhalt und Belebung der Partnerschaften mit Kommunen in Deutschland, Polen und Ungarn, wofür er stetig Kontakte knüpfte und die Werbetrommel rührte. Und dass die Bürger ihn immer wiederwählten, liegt wohl auch daran, dass er jederzeit ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Anliegen hatte und sich um Lösungen bemühte. Nun aber hängt er die Kommunalpolitik an den sprichwörtlichen Nagel.

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Das ist verständlich. Immerhin war er von 1984 bis 1994 bereits Stadtrat in Weißwasser, bevor 1994 bis 2004 der Kreistag sowie der Vorsitz im Kreisseniorenrat (1995 bis 2015) folgten und er sich in Krauschwitz zur Wahl stellte. Das sind zusammen 37 Jahre kommunalpolitische Arbeit und sehr bewegte Zeiten, in denen der gläubige Christ immer ein CDU-Mandat hatte. Selbst zu DDR-Zeiten, als Daniel Mosmann noch bei der Konsum-Konditorei arbeitete und mit der Familie in Weißwasser lebte. Damals, sagt er, habe er als Stadtrat zwar Ideen und Vorschläge einbringen können. Deren Umsetzung sei dann jedoch eine ganz andere Sache gewesen.

Strafurteil in einem DDR-Prozess

Und weil Daniel Mosmann parallel fast 20 Jahre den Stadtclub 77 in Weißwasser leitete, lag ihm besonders viel an der Zusammenarbeit von Kulturschaffenden und Vereinen in Weißwasser. Denn von der viel propagierten Einigkeit, begründet er, sei an der Basis nicht viel zu spüren gewesen. Später, in der Vorwendezeit, arbeitete er bei den Montagsberatungen der evangelischen Kirche mit. „Wir besprachen, wie es mit der Gesellschaft in Stadt und Land weitergehen und wie man friedlich miteinander auskommen kann“.

Bei den Montagsdemonstrationen, bekennt er, war er nicht. Es sei ihm zu gefährlich gewesen. Immerhin war er von der Staatssicherheit angezeigt und in einem Prozess verurteilt worden, weil er als Stadtrat den Fluchtplan eines Bekannten nicht gemeldet hatte. Und weil er als Vorbestrafter nicht als Stadtrat tragbar war, wurde ihm ohne Einspruchsmöglichkeit das Mandat entzogen. Nur wenig später kam die Wende. Da erfuhr Daniel Mosmann erstmals von seinem eigentlichen Urteil, das zwischenzeitig null und nichtig war.

Nach der Wende war noch Geld da

Für den CDU-Mann stand dadurch aber wieder fest, dass er sich weiter kommunalpolitisch engagieren will. Er kandidierte für die CDU bei den ersten demokratischen Wahlen im Mai 1990 als Stadtrat in Weißwasser und erhielt das Bürgermandat. „Die Ratsarbeit war natürlich nicht vergleichbar mit der in der DDR. Da gab es nun vom Volk gewählte Mandatsträger und unterschiedliche Fraktionen; da wurden offen Meinungen gesagt und Probleme diskutiert und der Bürgermeister aus den Reihen der Stadträte gewählt.“ Trotzdem seien Arbeit und Umbruch unheimlich schwierig gewesen, da niemand genau wusste, wie es weiter geht. „Da war der Stadthaushalt plötzlich auf Null. Gesetze und Arbeitsweisen waren neu, was man sich erst anlernen musste. Ja, wir Räte waren viel mit Selbststudium beschäftigt, um überhaupt etwas entscheiden zu können, bevor Hilfe aus den Alt-Bundesländern und Brühl, der späteren Partnerstadt von Weißwasser, kam. “

In seiner zweiten Wahlperioden nach der Wende seien die großen Probleme wie Firmensterben und Massenarbeitslosigkeit auch noch kein Thema gewesen. Damals habe sich der Stadtrat beispielsweise für die Schaffung des Glasmuseums, die Sanierung der Grundschule und den Umzug der Stadtbibliothek ins Gebäude der ehemaligen 3. Grundschule oder die Errichtung des Glasmacherbrunnens am Bahnhof eingesetzt. Erst zu seiner Zeit als Kreisrat hätten die großen gesellschaftlichen Probleme begonnen. „Wir standen plötzlich vor der Frage, wie man mit Betriebsschließungen und Wegfall der Arbeitsplätze umgeht.“

Vertrauensverlust beim Volk

Auch die Gründung des Kreises Niesky und später des Niederschlesischen Oberlausitz-Kreises (NOL) kamen bei der Bevölkerung nicht gut an. Aus heutiger Sicht, sagt der langjährige Kommunalpolitiker, hätte die sofortige Bildung eines Großkreises, wie er heute besteht, viel Geld und Ärger gespart. „Und leider waren die Jahre ab Mitte der 1990er-Jahre auch davon geprägt, dass ein Großteil der einstigen DDR-Bürger das Vertrauen in Politik und Gesellschaft verlor, weil es missbraucht wurde von aus dem Westen kommenden Geschäftsführern, Beratern, Investoren und Verwaltungsmitarbeitern“, bekennt Daniel Mosmann. „Es wurde viel versprochen – ob bei der Bärenhütte oder der Konsum-Bäckerei und -Konditorei, aber nichts gehalten.“ Davon seien selbst die Kommunalpolitiker überrascht worden. „So, wie sich Personen mit ihren Vorhaben präsentiert haben, gingen wir davon aus, dass die Unternehmen erhalten werden.“ Erst aus bitteren Erfahrungen heraus habe man gelernt, zu hinterfragen, zu fordern und Unterlagen genau zu prüfen.

Doch die Herausforderungen wurden nicht geringer. „Die Skepsis der Bürger bei der Einführung des Euro, der die gerade erst errungene D-Mark ablöste, war riesig.“ Große Diskussionen habe es stets auch zum Kreishaushalt und der Verteilung der Geldmittel gegeben – oder wenn das Land Sachsen als „Ausgleichsmaßnahme“ wieder neue oder größere Landschafts- und Naturschutzbereiche im Kreis etablierte. Das sei auch die Zeit gewesen, als die Bezeichnung NOL von der Bevölkerung mit „Natur ohne Leute“ übersetzt wurde.

Dies und vieles mehr erlebte Daniel Mosmann, bis er mit 62 Jahren freiwillig aus dem Kreistag ausschied, um sein Privatleben in Krauschwitz, wo die Familie inzwischen ein Haus umgebaut und bezogen hatte, zu genießen. „Als die örtlichen CDU-Mitglieder davon erfuhren, fragten sie gleich bei mir an, ob ich im Gemeinderat mitarbeiten wolle“, blickt er zurück. Es habe einige Gespräche mit der Frau und eine Weile gedauert, bis er «Ja» sagte. Nun aber sei endgültig Schluss.

Weiter in zwei Vereinen aktiv

Seine 37 Jahre kommunalpolitischer Arbeit hinterlassen Spür- und Sichtbares im ganzen Kreis. Als Vorsitzender des Kreisseniorenrates gelang es ihm, beim Verkehrsverbund ZVON die Einführung des Seniorentickets durchzusetzen. „Mein Kampf für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Berlin – Cottbus – Weißwasser – Görlitz blieb zwar erfolglos. Aber jetzt ist es ein Strukturwandel von Bund und Land und kommt doch.“ In seiner Heimatgemeinde sei dagegen sein größter Wunsch gewesen, dass das Deutsche Haus wieder Gemeindeeigentum wird. „Das ist es nun. Und wenn daraus ein modernes Gemeindezentrum wird, ist es wirklich toll.“ Selbst Projekte wie die seit Jahrzehnten geforderte Umgehungsstraße, die Oberschul-Sanierung oder den Bau der Radwege nach Bad Muskau sieht er inzwischen „auf gutem Weg“. Und vielleicht, meint Daniel Mosmann, kommt sogar noch eine attraktivere Busanbindung für die Neißedörfer. Dafür habe er als Kreis- und Gemeinderat leider ebenfalls lange und erfolglos gekämpft.

Dafür wurden Ideen von ihm umgesetzt, von denen heutige und künftige Krauschwitzer profitieren. Dazu zählt die von Ratsmann Mosmann gleich zweimal (einmal wegen Verlust durch Diebstahl) gesponsorte Bank in der Wilhelmstraße. Seine Ratskollegen überzeugte er vom Sponsoring und gemeinsamen Pflanzen eines Birnenbaums auf dem Spielplatz-Gelände am Helmut-Just-Stadion. Inzwischen zum stattlichen Weihnachtbaum gewachsen ist so auch die Tanne an der Sparkasse. Und wer weiß, was Daniel Mosmann in und um Krauschwitz künftig noch alles auf die Beine stellt. Seinen Mitgliedsvereinen, dem Förderverein „Krauschwitzer Neißeland“ und dem Kulturhaus-Verein Sagar, bleibt

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